Mehr Leben in der Martfeld-Kapelle: Kirchliche Trauungen direkt am Schwelmer Schloss

Schwelm. (saz) Idyllisch und beinahe vergessen liegt sie da, die Kapelle im Martfeld-Park. Einst im Auftrag von Freifrau Friederike von Elverfeldt als Grabkapelle erbaut, soll der neugotische Bau nun anstatt dem Ende des Lebens einem besonderen Anfang gewidmet werden: Denn bald können hier kirchliche Trauungen durchgeführt werden. Bereits am morgigen Sonntag, 5. November, soll sie mit einer kleinen Eröffnung feierlich dem neuen Zweck zugeführt werden.

Nachdem der Verschönerungsverein die Kapelle symbolisch für eine D-Mark gekauft hatte, wurde sie von 1996 bis 1998 restauriert.

Auch wenn dort das Gemälde „Lots Flucht aus Sodom“ vom Barockmaler Johann Heinrich Damelet hängt, welches einst unter einem Haufen Kohle in einem Schwelmer Keller entdeckt wurde, und sich dort auch eine spannende Gesteinssammlung mit Fossilien aus dem Schwelmer Massenkalk befindet, ist die Kapelle bei der Öffentlichkeit ein wenig in Vergessenheit geraten.

Aus dem „Schlaf“ erweckt

Sie war ein wenig in den „Dornröschenschlaf“ gefallen, wie es Bürgermeisterin Gabriele Grollmann immer gerne nennt. Während ihres Wahlkampfes war die Kapelle ein wichtiger Rückzugsort für sie. Ein Ort, an dem sie zur Ruhe kommen konnte. Und immer fragte sie sich, warum der Bau aus dem 19. Jahrhundert nicht so genutzt wurde, wie es die Atmosphäre erlaubt. Gemeinsam mit dem Verschönerungsverein ging sie schließlich das Projekt an, die Kapelle ebenso wie das gesamte Martfeld aus dem „Dornröschenschlaf“ herauszuholen und in das kulturelle Leben der Kreisstadt einzubinden.

Im Schloss selbst sind bereits seit einiger Zeit standesamtliche Hochzeiten möglich. Und immer häufiger kamen auch Anfragen, ob es nicht auch möglich sei, die kirchliche Trauung vor Ort durchzuführen. Dafür müssen immer gewisse Anforderungen vor allem von Seiten der katholischen Kirche beachtet werden. Doch sehr zur Freude von Propst Norbert Dudek war das Bistum gern und schnell bereit, die Genehmigung zu erteilen. So steht katholischen und evangelischen Eheschließungen nichts mehr im Wege.

Die Verschönerungsvereins-Vorsitzenden Michael Lindermann (l.) und Ralf Stoffels (r.) freuen sich gemeinsam mit Bürgermeisterin Gabriele Grollmann und Propst Norbert Dudek von der Katholischen Propsteigemeinde St. Marien, dass in der Martfeld-Kapelle zukünftig kirchliche Trauungen durchgeführt werden können. (Foto: Sarah Schwarz)

Kapelle für die Öffentlichkeit

In Zukunft soll die Kapelle wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden, findet Ralf Stoffels, der ebenfalls dem Verschönerungsvereins-Vorstand angehört. Auf diese Weise soll das Schwelmer Kleinod mehr und mehr mit Leben gefüllt werden. Denn auch als Tagungsort biete es sich an und wird dafür bereits unter anderem von der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz genutzt. Auf einer neuen Homepage, die zur Zeit angelegt wird, sollen freie Termine einsehbar sein. Anfragen können jetzt schon an das Vorstands-Sekretariat in der Städtischen Sparkasse zu Schwelm gestellt werden unter Tel. 02336 / 917114.

Der Platz in der kleinen Kapelle ist begrenzt, es kann eine Gesellschaft von circa 30 bis 35 Personen untergebracht werden. Deswegen kann sich die Bürgermeisterin auch vorstellen, dass sich die Kapelle als Ort für Feierlichkeiten zur Silber- oder Goldhochzeit anbietet, wenn Paare in kleiner Runde ihr Eheversprechen erneuern wollen. Auch Sektem­pfänge beispielsweise im Anschluss an die standesamtliche Hochzeit im Schloss sind natürlich möglich.

Feierliche Eröffnung

Am Sonntag, 5. November, findet im Anschluss an die Matinee im Haus Martfeld eine kleine Eröffnungsfeier statt. Ab 14.30 Uhr wird der neugotische Bau offiziell seiner neuen Bestimmung zugeführt.

Die Martfeld-Kapelle war auch für den Martin Schwamborn, der seit 1977 dem Vorstand des Verschönerungsvereins angehörte, ein sehr wichtiges Projekt. Seit 1996 setzte er sich aktiv für den Erhalt und die Öffnung des Kleinods ein. Die Aussicht, dass hier bald kirchliche Trauungen stattfinden könnten, erfüllte ihn mit Freude. Jedoch wird Schwamborn die feierliche Eröffnung am morgigen Sonntag nicht mehr erleben. In der Nacht von Montag auf Dienstag verstarb er im Alter von 81 Jahren nach langer und schwerer Krankheit.