„Mit den Händen sehen“: Ausstellung für Blinde und Sehende

Mit geschlossenen Augen ein gemaltes Bild erkunden ist ein ganz anderes Gefühl

Mit geschlossenen Augen ein gemaltes Bild erkunden ist ein ganz anderes Gefühl, als es einfach nur zu betrachten. Diese Erfahrung konnte Bürgermeister Claus Jacobi am vergangenen Donnerstag bereits machen, als er gemeinsam mit Linde Arndt vom Kulturgarten

Gevelsberg. (saz) „Bitte nicht anfassen“ – diesen Satz kennt jeder, der schon einmal eine Kunstausstellung besucht hat. Die meisten Kunstwerke sind nur zum Betrachten da, zum darüber Nachdenken und Philosophieren. Doch was ist, wenn man gar nicht in der Lage ist, das Kunstwerk zu betrachten? Was ist mit blinden und sehbehinderten Menschen? Sollen diese vom Erleben der Kunst ausgeschlossen sein?
 „Nein“ ist die klare Antwort vom Kulturgarten NRW. Der Anfang 2017 gegründete gemeinnützige Verein organisiert deswegen eine Kunstausstellung der etwas anderen Art. Denn unter dem Motto „Mit den Händen sehen“ ist Anfassen explizit erwünscht. Von der Idee war Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi sofort begeistert. So stellt er nicht nur sein Rathaus als Ausstellungs-Ort zur Verfügung, er übernimmt auch gerne die Rolle der Schirmherrschaft.
Kunst auf neue Weise erleben
Ausgestellt werden zwanzig Originalgemälde und zehn Skulpturen, die von den Besucherinnen und Besuchern berührt und erforscht werden können und sollen. Dabei handelt es sich nicht um eigens für die Ausstellung gefertigte Arbeiten, sondern um „normale“ Werke, die sonst in Galerien und Kunstausstellungen zu sehen sind. Bei der Ausstellung im Gevelsberger Rathaus werden sie aber auf eine vollkommen neue Weise wahrgenommen. Neben dem Ertasten der Werke können die blinden oder sehbehinderten Besucherinnen und Besucher mit Hilfsmitteln wie Audioguides und Schildern in Braille- sowie Großschrift die Kunst erkunden und erleben. Im Gegenzug dazu haben die sehenden Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, mit verbundenen Augen die Kunstwerke auf eine vollkommen neue Weise zu erfahren und einen kurzen Augenblick lang die Welt wie ein Blinder zu erleben.
 Auf „Augenhöhe“ begegegnen
Auf diese Weise soll eine Gleichheit aufgebaut werden. Menschen mit und ohne Sehbehinderung sollen sich durch die Kunst „auf Augenhöhe“ begegnen. Dadurch wird verdeutlicht, dass die Welt der Sehenden und der Nicht-Sehenden ein und dieselbe ist. Es ist eine Welt mit vielen Facetten, die einfach unterschiedlich wahrgenommen wird.
Mit einem festlichen Programm wird die Ausstellung am Sonntag, 29. Oktober, um 11.30 Uhr im Foyer des Rathauses eröffnet. Zu Gast ist dann unter anderem die blinde Sängerin Joana Zimmer aus Berlin, die nicht nur ihr musikalisches Können zum Besten geben wird, sondern auch aufzeigt, wie sie auch trotz ihrer Blindheit ein normales Leben führt. Die Ausstellung kann danach außerdem noch besucht werden am Montag, 30. Oktober, und Donnerstag, 2. November, jeweils von 11 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr, Freitag, 3. November, von 10 bis 12 Uhr sowie an den Feiertagen Dienstag, 31., und Dienstag, 1. November, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Zu diesen Zeiten wird auch jemand vom Kulturgarten vor Ort sein. Die Ausstellung soll auch dem guten Zweck dienen. Deswegen werden während der Ausstellungszeit Spendendosen bereit stehen. Der Erlös geht dann an den Blinden- und Sehbehindertenverein EN-Süd.