Mit Leselust gegen Alltagsfrust

Der preisgekrönte Autor Zoran Drvenkar gab den begeisterten Schülern nach seiner Lesung bereitwillig Autogramme. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Warum schreiben sie Bücher?“, wollte einer der Dötze, die vor wenigen Tagen die Leselust-Woche im Filmriss-Kino besuchten, von der Autorin Tanya Stewner wissen. „Weil es mir Spaß macht“, lautete die Antwort der 38-Jährigen, die sich selbst als Schriftstellerin aus Leidenschaft bezeichnet.

Die Literaturveranstaltung für Kinder und Jugendliche, die mit der Papiertheateraufführung „Lamm wütend“ von Regina Schwarz startete und mit dem Bühnenstück „Grimms Märchen – leicht gekürzt“ einen bunten Schlusspunkt setzte, legte den Schwerpunkt auf das Buch, unternahm mit Janoschs „Komm, wir finden einen Schatz“ und dem verfilmten französischen Kinderbuchklassiker „Krieg der Knöpfe“ aber auch einen Ausflug in die Welt des Kinos.

„Es kommt uns darauf an, Kinder und Jugendliche wieder für das Buch zu gewinnen“, drückte Stephanie Kron von der Buchhandlung Appelt die Absicht hinter der Veranstaltung aus: „Diese Woche hat gezeigt, dass uns das ganz gut gelungen ist.“ Das junge Publikum ließ sich nämlich nicht nur vorlesen, sondern ging, besonders bei den Theatervorführungen, begeistert mit, was von den Darstellern ausdrücklich erwünscht war. So imitierten die Dötze nach Aussage von Stephanie Kron höchst phantasievoll die entsprechenden Tierstimmen. „Das zeigte, dass die Dritt- und Viertklässler die Veranstaltung total gut angenommen haben“, zog die Buchhändlerin ein Resümee. „Sie haben mich sehr viel gefragt“, war auch der Träger des Deutschen Jugendliteraturpreises, Zoran Drvenkar, mit der Teilnahme an seiner Lesung „Die Kurzhosengang und das Totem von Okkerville“ sehr zufrieden. Er und alle seine Kollegen standen den Kindern nach den jeweiligen Vorträgen für eine Signierstunde zur Verfügung.

Die Wuppertaler Schriftstellerin Tanya Stewner nahm mit ihrer Reihe „Liliane Susewind“ an der Leselust-Woche teil. (Foto: Stefan Scheler)

Auch die neue Kunstform des „Poetry Slam“ war in einem Workshop mit Sulaiman Masomi für Gevelsberger Schüler vertreten, eine bei Jugendlichen erfahrungsgemäß sehr beliebte Veranstaltung.

„Es kam uns darauf an, die Kinder und Jugendlichen aktiv in die Leselust-Woche einzubinden“, fasste Stephanie Kron die Erfahrungen einer ereignisreichen Woche zusammen: „Das ist uns nach meiner Ansicht sehr gut gelungen.“

Das Publikum der etwas anderen Literaturpräsentation kam aus verschiedenen Einrichtungen der Engelbertstadt. Die Kindergärten Habichtstraße und St. Engelbert waren mit durchschnittlich je 25 Zöglingen vertreten, die bei „Lamm wütend“ für eine mächtige Geräuschkulisse sorgten. Bei Zoran Drvenkars „Kurzhosengang und das Totem von Okkerville“ verfolgten etwa 180 Schüler aus den dritten und vierten Klassen der Grundschulen Strückerberg und Pestalozzi das Treiben um Werwölfe, Sportlehrer und von schrägen Jungen faszinierte Mädchen.

Die von der Wuppertaler Autorin Tanya Stewner verfasste Kinderbuchreihe „Liliane Susewind“, mittlerweile mit einem achten Band, entführte in die Welt der Tiere, deren Sprache die Protagonistin der Geschichten versteht und selbst spricht. Das patente Mädchen kann so zwischen Mensch und Tier oder zwischen verschiedenen Arten vermitteln, was den Erzählungen ihren besonderen Reiz verleiht, zumal die vortragende Schriftstellerin auch über großes schauspielerisches Talent verfügt. Sie konnte zum Beispiel sehr gut die besonderen Wesensmerkmale von Hund und Katze über die Rampe bringen. Die 88 Kinder aus den ersten und zweiten Klassen der Grundschule Strückerberg dankten es ihr mit fröhlichem Gelächter und intensivem Nachfragen. „Woher hat Liliane die Gabe, mit Tieren sprechen zu können?“, hakte etwa ein Mädchen nach. „Woher hast du denn deine Gaben?“, machte Tanya Stewner der Schülerin klar, dass jeder Mensch über besondere, wenn auch nicht ganz so spektakuläre Talente verfügt.

Alles in allem ist das Projekt Leselust, eine Kooperation zwischen den Kulturbüros Hagen und Iserlohn sowie den Büchereinen Plettenberg, Schmallenberg und Attendorn plus dem Filmriss-Kino Gevelsberg, nach Ansicht der Organisatoren als Erfolg zu werten. Wegen seines positiven Einflusses auf das Lern- und Freizeitverhalten junger Menschen fördert das NRW-Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport diese Initiative.