Mit Trillerpfeifen gegen Gewalt

Die Mitglieder des „Runden Tisches EN gegen Häusliche Gewalt“ machten im Rahmen der kreisweiten Aktion „Mit Pfiff gegen Gewalt“ auf dem Schwelmer Bürgerplatz auf die nach wie vor zu beklagenden Übergriffe aufmerksam. (Foto: Frank Schmidt)

EN-Kreis/Schwelm. (zico) Pfiff hatten die Aktionen des „Runden Tisches EN gegen Häusliche Gewalt“ schon immer, wenn an den entsprechenden Aktionstagen im Herbst auf die Problematik hingewiesen wurde, dass Frauen nach wie vor Prügel und psychischen Drohkulissen ausgesetzt sind. Mit Eiskratzern, Regenschirmen oder auch Brötchentüten machten die Frauen in den vergangenen acht Jahren auf diese Missstände aufmerksam. In diesem Jahr kann man den Pfiff aber auch wirklich hören, denn heuer verteilen die Aktivistinnen Trillerpfeifen, die für bedrohte Frauen einen ganz praktischen Nutzen haben.

„Mit Pfiff gegen Gewalt“ heißt es folgerichtig bis Freitag, 30. November 2012, an Ständen in allen neun Städten des Ennepe-Ruhr-Kreises. Verteilt werden insgesamt 1.500 Trillerpfeifen und Informationsmaterial mit Rufnummern der Frauenberatung EN, des Frauenhauses EN, der Opferschutzbeauftragten der Polizei sowie des Weißen Rings.

Bei den ersten Veranstaltungen in Sprockhövel, Schwelm und Ennepetal wurden an den Ständen aber auch zahlreiche Gespräche geführt. Oftmals ging es dabei um die breite Palette der praktischen Hilfen. „Sie reicht von der persönlichen Beratung über Hinweise zu Rechten von Opfern bis zur Aufnahme ins Frauenhaus“, schilderte Petra Bedow, Gleichstellungsbeauftragte des Ennepe-Ruhr-Kreises und Geschäftsführerin des Runden Tisches, auf dem Schwelmer Bürgerplatz die große Bandbreite. Und Landrat Dr. Arnim Brux ergänzte: „Was die Angebote des Netzwerks anbelangt, sind wie im EN-Kreis sehr gut aufgestellt. Das Thema ,Gewalt gegen Frauen’ ist ein großes Stück aus der Tabuzone heraus geholt worden und wird mit mehr Sensibilität betrachtet. Es ist ja kein einfacher Schritt für eine Frau, die geschlagen wurde, sich Hilfe zu holen.“

Zuweilen ging es aber auch um ganz aktuelle Fälle von Übergriffen. „Ich habe gerade noch mit einer Frau geredet, die vor ein paar Tagen von einem Mann belästigt wurde, der sich ihr in schamverletztender Weise gezeigt hat“, so Andrea Stolte, Leiterin der Frauenberatungstelle EN, die unter Ruf 02336/4759091 erreichbar ist: „Für solche Fälle ist eine Trillerpfeife gut, denn mit ihr kann man andere Passanten aufmerksam machen. Aber auch bei obszönen Anrufen hilft die Pfeife, denn mit einem Pfiff in den Hörer gibt’s für den Anrufer ordentlich was auf die Ohren.“

„Wenn Frauen heute immer häufiger den Mut finden, über Gewalt, die ihnen in den eigenen vier Wänden widerfährt, zu berichten und sich Hilfe zu organisieren, dann ist das auch ein Erfolg unserer Arbeit. Für jede Betroffene, die aufsteht und sich gegen die in vielen Fällen jahrelang erlittene psychische oder physische Misshandlung zur Wehr setzt, lohnt sich unser Einsatz“, sagen die Mitglieder des „Runden Tisches EN gegen Häusliche Gewalt“. Und Schwelms Bürgermeister Jochen Stobbe, ebenfalls vor Ort, bestätigte: „Seit drei Jahren bin ich Bürgermeister und bekomme in dieser Funktion viele Einzelfälle mit. Deshalb beteilige ich mich an dieser Aktion. Jeder Bürger sollte für das Thema sensibel sein, hinhören und aktiv werden, wenn er in seinem Umfeld Auffälligkeiten bemerkt, um Schlimmeres zu verhindern.“

„Nach wie vor hat Gewalt gegen Frauen, die in allen Gesellschaftsschichten zu Hause ist, viele Gesichter. Schlagende Männer sind dabei das eine, Partner, die psychische Gewalt ausüben und versuchen, die totale Kontrolle zu erlangen, das andere. Da werden private Kontakte unterbunden, Telefonate kontrolliert oder es wird Geld zugeteilt“, berichtete Petra Bedow, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises und Geschäftsführerin des Runden Tisches. Jede vierte Frau erlebt in ihrem Leben Gewalt, und jede dritte Frau unter 16 Jahren ist von körperlicher Gewalt betroffen. In den vergangenen zwölf Monaten verzeichnete die Kreispolizeibehörde, die für acht Städte des Ennepe-Ruhr-Kreises zuständig ist, 209 Fälle häuslicher Gewalt und 131 Wegweisungen der Gewalttätigen aus Wohnungen. In 167 Fällen erfolgte eine Vermittlung der Betroffenen an Beratungsstellen.

Mit seiner kreisweiten Aktion will der Runde Tisch noch mehr Betroffene ermutigen, sich an Beratungsstellen, an das Frauenhaus oder an die Polizei zu wenden. Zeugen häuslicher Gewalt sollen ermuntert werden, Warnsignale zu beachten und Unterstützung anzubieten.

In Gevelsberg gibt es die Aktion „Mit Pfiff gegen Gewalt“ am Freitag, 30. November 2012, von 18 bis 22 Uhr beim Mondscheincafé im VHS-Gebäude, Mittelstraße 86-88, inklusive eines Kulturprogramms im Rahmen des Gevelsberger Mondscheinbummels.