Neuer Ruhesitz am Zentrum

Gevelsberg. (je) Wenn man das Wort „Ruhesitz“ liest, entstehen vor dem inneren Auge vielleicht Bilder von einem kleinen Haus im Grünen oder am Meer. Dort setzt man sich im übertragenen Sinne zu Ruhe und genießt den Lebensabend. In Gevelsberg hat das Wort „Ruhesitz“ jedoch eine viel wörtlichere Bedeutung – und eine viel mobilere.

Awo-Projektleiterin Verena Weber, Bürgermeister Claus Jacobi (hinten) sowie Seniorenzentrum-Leiterin Kerstin Thiel und Quartiersmanagerin Monika Dammin (vorne) stellten den neuen Ruhesitz an der Gevelsberger Kampstraße und die „Quartiersentwicklung Südstadt“ vor. (Foto: Jan Eckhoff)
Awo-Projektleiterin Verena Weber, Bürgermeister Claus Jacobi (hinten) sowie Seniorenzentrum-Leiterin Kerstin Thiel und Quartiersmanagerin Monika Dammin (vorne) stellten den neuen Ruhesitz an der Gevelsberger Kampstraße und die „Quartiersentwicklung Südstadt“ vor. (Foto: Jan Eckhoff)

Denn Ruhesitze in Gevelsberg sind die kleinen und trotz ihrer bunten Farben oft eher unscheinbaren Sitzgelegenheiten, die sich besonders an den etwas steileren Fußwegen von der Mittelstraße aus in Richtung Wohngebiete finden. Diese Ruhesitze sollen insbesondere älteren Menschen zu einer kurzen Verschnaufpause auf dem Heimweg aus der Stadt verhelfen.

Besonderer Platz

Ein weiterer solcher Ruhesitz wurde am vergangenen Mittwoch an ganz besonderer Stelle eingeweiht, nämlich am Fußweg zwischen Kamp- und Hochstraße und damit in unmittelbarer Nähe des Awo-Seniorenzentrums an der Kampstraße 6 – dem zentralen Anlaufpunkt des durch die Deutsche Fernsehlotterie geförderten Projektes „Quartiersentwicklung in der Südstadt“.

Hinter diesem vielleicht etwas sperrig-bürokratisch wirkenden Titel steckt eine wundervolle Idee: Die Bewohner der Nachbarschaft sollen wieder zusammenfinden, sollen wieder eine Gemeinschaft bilden, füreinander da sein. Denn die Menschen in unserer Gesellschaft werden nicht nur immer älter, sie werden vielfach auch immer einsamer.

 

Auf Augenhöhe

Dem will eine sogenannte „Steuerungsgruppe“ aus Awo, der Alten- und Nachbarschaftshilfe „FAN“, Stadt Gevelsberg, Volkshochschule, der Werbegemeinschaft „ProCity“ und den Kirchengemeinden nun entgegenwirken.

Doch nicht „von oben herab“, sondern durch Einbeziehung der Ideen und Wünsche der Bürgerinnen und Bürger. So betont Quartiersmanagerin Monika Dammin: „Wir entscheiden nicht für die Bürger, sondern beziehen sie von der Planung an bis zum tatsächlichen Einsatz mit ein. So wollen wir Eigenverantwortlichkeit fördern und den Menschen auf Augenhöhe begegnen.“

Um das zu erreichen, wurden die ersten sechs Monate des auf drei Jahre angelegten Projektes damit zugebracht, Kontakte zu knüpfen, ein Netzwerk zu schaffen und Ideen für konkrete Maßnahmen zu entwickeln. Im Mittelpunkt steht stets das Ziel, die Mobilität auch älterer Menschen möglichst lange zu erhalten.

So soll es künftig in Zusammenarbeit mit Händlern in der Stadt „Nachbarschaftstoiletten“ geben, aber auch gemeinsame Fahrten im Kleinbus zum Wochenmarkt könnten eingerichtet werden. Ebenfalls denkbar sind Projekte der Nachbarschaftshilfe, vom gemeinsamen Einkauf bis zum Blumengießen. Und auch Infoveranstaltungen und Vorträge beispielsweise durch Sanitätshäuser oder die Polizei gehören künftig zum Programm.

Anlaufstelle

Zentrale Anlaufstelle ist dabei immer das Awo-Seniorenzentrum. Denn, wie Kerstin Thiel, Leiterin des Zentrums, feststellt: „Wir sind hier mittendrin.“ Und so wird die Einrichtung künftig also die Nachbarschaft beleben – auch wenn es „nur“ für ein ganz gemütliches Beisammensein, eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen ist.

Feste Sprechzeiten des Quartiersmanagements sollen in Kürze eingerichtet werden. Alle Interessierten sind aber jetzt schon aufgerufen, sich bei Quartiersmanagerin Monika Dammin unter Tel. 02332/ 703217 oder per Mail an qtm-gevelsberg@awo-ww.de zu melden.

Zum Schluss bringt es Bürgermeister Claus Jacobi auch ganz treffend auf den Punkt: „Der Ruhesitz an dieser Stelle ist mehr als nur eine Bank. Er ist ein Symbol.“ Und weist abschließend darauf hin, dass die Stadt sich auch immer über Hinweise auf Standorte für neue Ruhesitze freut. Und über Firmen, die die Aufstellung finanziell unterstützen.