Nicht allein gelassen

Schwelm. (je) Selbst für normalerweise gesunde, junge und agile Menschen kann eine Einweisung ins Krankenhaus zu einer allein kaum zu bewältigen Herausforderung werden. Denn neben allen Sorgen und dem grundsätzlichen Stress kommen viele Fragen hinzu. Was muss ich an Kleidung mitnehmen? Benötige ich Bargeld? Wie ist es mit Handtüchern? Wer holt mich nach meinem Aufenthalt ab? Und dann kommt noch der bürokratische und rechtliche Aufwand. So müssen bei einer stationären Behandlung üblicherweise bis zu zwanzig Formulare gelesen, verstanden und ausgefüllt werden.

Mehr Alleinstehende

Doch wenn die Patientin oder der Patient nun fortgeschrittenen Alters ist, vielleicht in der Beweglichkeit und Wahrnehmung eingeschränkt, wird aus diesen Belastungen schnell eine unüberwindbare Hürde. Glücklich, wenn man Kinder oder Enkel, vielleicht auch Nachbarn oder Freunde hat, die hier einspringen können. Ein Glück, das immer weniger Menschen haben. Denn viele Kinder sind im Rahmen des Studiums oder der Arbeitssuche in die Welt gezogen und können nicht mal eben von heute auf morgen vorbei kommen und helfen. Auch Freundeskreise nehmen im Alter ab, die Vereinsamung zu. So stellt auch Jürgen Kern, Geschäftsfüher der Freien Alten und Nachbarschaftshilfe (kurz FAN), fest: „In Berlin sind bereits fünfzig Prozent der Bevölkerung Alleinstehende, vielfach ohne familiäres Umfeld. Und auch bei uns im Kreis steigt diese Zahl an.“

Deswegen hat die FAN in Zusammenarbeit mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband in Hagen und weiteren Partnern das Projekt „Patientenbegleitung“ ins Leben gerufen. Startschuss war vor etwa einem Jahr mit einem Aufruf an Freiwillige, die Alleinstehende bei Krankenhausaufenthalten begleiten möchten. Im Südkreis folgten diesem Aufruf acht Personen, von denen fünf bis zum Ende dabei blieben und ein Jahr lang – insgesamt über 60 Arbeitsstunden – Schulungen absolvierten.

Am vergangenen Donnerstag wurden die fünf neuen Patientenbegleiter nun im Schwelmer Helios-Klinikum festlich geehrt und mit der Überreichung von Zertifikaten ihre Ausbilungsphase beendet.

Worte des Lobes

Als erster Gratulant betrat der scheidende Landrat Dr. Arnim Brux das Podium und dankte den Ehrenamtlern mit sehr persönlichen Worten für ihr Engagement. „Hier wird Menschen in schwierigen Situationen wirkliche Lebenshilfe gegeben,“ stellte Brux fest. Die nächste Dankesrede kam von Dr. Ulrich Müschenborn, ärztlicher Direktor des Klinikums. Müschenborn lobte die hervorragende Vernetzung der Patientenbegleiter mit Sozialarbeitern und Seelsorgern des Klinikums und die deutliche Verbesserung des Kontaktes zwischen Ärzten und Patienten.

Außerdem wollte er auch den finanziellen Aspekt nicht unbetrachtet lassen: „Durch die Begleiter sparen wir bei einzelnen Patienten bis zu zehn Prozent Kosten. Geld, das wir natürlich sinnvoll an anderer Stelle investieren können.“ Und auch FAN-Chef Jürgen Kern fand Worte des Lobes und betonte besonders die Wichtigkeit einer fundierten Schulung: „Diese ist natürlich auch wichtig, damit die Ehrenamtlichen sehen, ob die Tätigkeit überhaupt etwas für sie ist.“

Christa Beermann von der Kreisverwaltung wollte schließlich auch noch die Aktiven zu Wort kommen lassen und bat FAN-Koordinatorin Karla Fehlert sowie die frischgebackene Patientenbegleiterin Brigitta Ammann ans Mikrofon. Auf die Frage nach ihrer Motivation gestand Amman: „Es ist natürlich toll, etwas Sinnvolles zu machen. Und Dankbarkeit zu erfahren, tut wirklich gut.“

Karla Fehlert ergänzte dies um die Erkenntnis, dass selbstbestimmtes Lernen, auf das bei der Ausbildung besonderen Wert gelegt wird, immer eine schöne Erfahrung ist. „Wer dies auch erleben möchte: die FAN schult stets weiter, sowohl die aktiven Begleiter wie auch gerne neue Menschen, die sich ehrenamtlich einbringen möchten. Der Bedarf ist groß, ein Einstieg jederzeit möglich.“

Kontakt

Wer sich in der Patientenbegleitung engagieren möchte, bekommt alle nötigen Informationen bei Karla Fehlert von der FAN in Gevelsberg unter Tel. 02332/ 70430 oder per E-Mail an fehlert@fan-en.de.