„Nur allein essen macht dick“ – Dickenflüsterer sammelt für die Tafel

Christian Fricke hat sein Leben vollkommen auf den Kopf gestellt und 100 Kilo abgenommen. Gerne möchte er anderen Menschen auf dem Weg vom Übergewicht zu einer gesunden ­Lebensweise helfen. (Foto: Sarah Schwarz)

Christian Fricke hat sein Leben vollkommen auf den Kopf gestellt und 100 Kilo abgenommen. Gerne möchte er anderen Menschen auf dem Weg vom Übergewicht zu einer gesunden ­Lebensweise helfen. (Foto: Sarah Schwarz)

Gevelsberg. (saz) Gesunde und frische Ernährung ist kompliziert und vor allem teuer. Diesem Irrglauben unterliegen viele Menschen, die sich mit ihrem Übergewicht auseinandersetzen und aus ihren alten Gewohnheiten ausbrechen wollen. Dass es Tricks und Kniffe gibt, mit denen man sowohl gesund als auch günstig einkaufen kann, möchte der „Dickenflüsterer“ Christian Fricke mit einer Info-Aktion in Gevelsberg beweisen. Gleichzeitig möchte er dabei auch etwas Gutes für den Gevelsberger Tafelladen tun.
Am kommenden Freitag, 6. Oktober, steht Christian Fricke mit seinem Team der Adipositas-Selbsthilfegruppen von 14 bis 18 Uhr mit einem Infostand im Eingangsbereich des Rewe-Marktes an der Hagener Straße in Gevelsberg. Dort bietet er unter dem Motto „Nur allein essen macht dick“ Beratungen zum Thema Übergewicht an. Außerdem können sich Menschen bis zu 300 Kilogramm wiegen und ihren BMI („Body Mass Index“) bestimmen lassen.
Gute Ernährung für alle
Wer sich gesund ernähren will, muss auch gar nicht so tief in die Taschen greifen, wie mancher denken mag. Das zeigt Christian Fricke, der auch als „Dickenflüsterer“ Vortragsreihen zum Thema Adipositas hält, bei Führungen durch den Supermarkt, die er während des Aktionszeitraums alle 30 Minuten anbietet. „Ich zeige Tricks und Kniffe, wie man gesund und gleichzeitig günstig einkaufen kann“, sagt er. „Deshalb erkläre ich, worauf man beim Einkaufen achten muss und gebe Einkaufstipps für jedermann.“
Ergänzt wird das Angebot durch einen Infostand der Diakonie Mark-Ruhr. Dort erhalten Interessierte Informationen zum Gevelsberger Tafelladen. Bei der Tafel gibt es Lebensmittel für Menschen, die finanziell nicht gut aufgestellt sind und deswegen auf günstigere Alternativen angewiesen sind. Diesen Menschen soll gesunde Ernährung angeboten werden, denn häufig handelt es sich um Familien mit kleinen Kindern. Gerade bei den jungen Mitgliedern der Gesellschaft ist gesunde Ernährung als Prävention von Übergewicht wichtig.
Gutes tun für die Tafel
Hier sind alle Gevelsbergerinnen und Gevelsberger gefragt. Denn wer kennt es nicht: Beim Einkaufen werden noch schnell Ravioli gekauft, weil man gerade Lust drauf hat. Zu Hause kommt die Dose dann aber doch erst einmal in den Schrank, gerät in Vergessenheit und landet irgendwann im Müll, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten wurde.
Deswegen rufen Christian Fricke und die Diakonie Mark-Ruhr die Bürgerinnen und Bürger auf, in ihre Schränke zu schauen und ungeöffnete, längerfristig haltbare Lebensmittel, die selbst nicht mehr benötigt werden, am 6. Oktober während des Aktionszeitraums am Infostand vorbeizubringen. Natürlich ist auch jeder dazu eingeladen, beim Einkaufen spontan ein oder zwei Dosen mehr einzupacken und diese abzugeben. Im Gegenzug kann sich jeder, der will, am Stand des Adipositas-Netzwerkes beraten lassen oder sich einfach nur ein paar Infos zum Thema abholen.
Wichtig: Länger haltbare Lebensmittel ermöglichen es der Tafel, bei ihrem Angebot langfristiger planen zu können.
„Ich bin gebürtiger Hagener und vor Kurzem zu meiner großen Liebe nach Gevelsberg gezogen. Schon am Einwohnermeldeamt sowie beim Schützenverein Silschede wurde ich freundlich empfangen und fühlte mich in meiner neuen Heimat in Gevelsberg sofort wohl. Jetzt ist es an der Zeit, als Neu-Gevelsberger vor Ort etwas Gutes zu tun“, erklärt Fricke. Das Ziel ist es, eine Tonne Lebensmittel für den Tafelladen in Gevelsberg zu sammeln. Im Starttopf befinden sich bereits über 200 Kilo, die von Christian Fricke selbst sowie dem Rewe-Markt gespendet wurden.
Kehrtwende zu gesunder Ernährung
220 Kilo brachte Fricke 2014 auf die Waage, bevor er sich einer Magenverkleinerung unterzog und seinem Leben eine Kehrtwende verpasste. Sein sehr hohes Übergewicht führt er unter anderem auch auf seine falsche Ernährung zurück. Häufig fragen sich Betroffene, wie es soweit kommen konnte, was sie hätten anders machen können. Genau dort möchte Fricke ansetzen, denn Übergewicht kann verhindert werden. Vor allem, wenn bereits die Eltern auf die gesunde Ernährung ihrer Sprösslinge achten. Dass dies auch mit einem schmalen Geldbeutel möglich ist, möchte Fricke durch die gemeinsame Aktion mit der Diakonie Mark-Ruhr hervorheben.
Netzwerk und Selbsthilfegruppe
Als sich der gebürtige Hagener 2014 operieren ließ, gab es im Umkreis nur eine Gruppe für 300 bis 400 Operierte im Jahr. Das erschien ihm zu wenig, denn gerade der Austausch unter Betroffenen ist wichtig, um nicht wieder in alte Muster zurückzufallen. Deswegen gründete er das Adipositas-Netzwerk Hagen, in dem er mittlerweile über 2.000 Betroffenen in über 18 Gruppen helfen kann. Somit ist das Netzwerk zur größten Anlaufstelle in der Region herangewachsen.
Wer sich persönlich von Christian Fricke bezüglich seines Übergewichtes beraten lassen möchte, kann dieses im zertifizierten Adipositas-Kompetenzzentrum am Evangelischen Krankenhaus Hagen-Haspe tun. Dort koordiniert er die Adipositas-Sprechstunde.
Auch in Gevelsberg treffen sich seit Juli Menschen, die unter ihrem extremen Übergewicht leiden. Die Treffen finden immer am zweiten Montag im Monat zwischen 18.30 und circa 20 Uhr in den Räumen des Studienkreises an der Mittelstraße 37 in Gevelsberg statt.
Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.­adipositas-netzwerk-hagen.de.