Organspendeausweis: Eine Entscheidung, die Leben retten kann – Leser fragen, Experten antworten

Die Resonanz war groß – bereits wenige Minuten nach Beginn der Telefonaktion zum Thema Organspende meldete sich der erste Anrufer bei den Expertinnen Beate Gray (re.) und Brigitte Lensky-Roth. Registrierung

Die Resonanz war groß – bereits wenige Minuten nach Beginn der Telefonaktion zum Thema Organspende meldete sich der erste Anrufer bei den Expertinnen Beate Gray (re.) und Brigitte Lensky-Roth. Registrierung, Hirntod und Altersbegrenzung waren die Themen,

Hagen. Die Warteliste für Spenderorgane ist seit Jahren sehr lang. Viele Menschen können sich nicht entscheiden, ob sie im Fall des eigenen Hirntodes zu einer Organspende bereit wären. Andere denken, dass sie eventuell aufgrund ihres Alters ohnehin nicht als Spender infrage kämen.
Die Expertinnen Beate Gray und Brigitte Lensky-Roth vom Info-Telefon der Deutschen Stiftung Organtransplantation und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gaben bei der Telefonaktion zum Thema Organspende Auskunft.
Fast alle in meinem Bekanntenkreis würden nach dem Tod ihre Organe zur Spende frei geben. Sieht das bei der Mehrheit der Deutschen anders aus?

Nein, tatsächlich wären 81 Prozent der Bevölkerung zu einer Organ- und Gewebespende bereit. Das hat eine repräsentative Erhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gezeigt. Aber längst nicht alle haben ihre persönliche Entscheidung in einem Organspendeausweis entsprechend dokumentiert.
Was geschieht, wenn mein Organspendeausweis nicht vorliegt, wenn ich am Hirntod verstorben bin?
Wer sich mit einem Organspendeausweis für eine Entnahme entscheidet, sollte diese Entscheidung auch seiner Familie mitteilen. Die kann dann, falls Ihr Dokument nicht auffindbar ist, in Ihrem Sinne entscheiden.
Wenn wir im Bekanntenkreis über Organspende reden, sagen fast alles, dass sie es gut finden. Sieht das bei der Mehrheit der Deutschen anders aus?
Nein, tatsächlich wären 81 Prozent der Bevölkerung zu einer Organ- und Gewebespende bereit. Das hat eine repräsentative Erhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gezeigt. Aber längst nicht alle haben ihre persönliche Entscheidung in einem Organspendeausweis entsprechend dokumentiert.
Muss meine Mutter einwilligen, wenn ich einen Organspendeausweis ausfülle? Ich bin noch nicht volljährig. Muss man vorher zum Arzt gehen?
Nein, laut Transplantationsgesetz können Minderjährige ihre Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende ab dem 16. Lebensjahr ohne Einwilligung der Eltern erklären. Ihr Arzt hat damit nichts zu tun, es ist allein Ihre eigene freiwillige Entscheidung.
Welche Organe können für eine Transplantation genutzt werden? Ich kann mir da gar nichts vorstellen.
Nach dem Hirntod können folgende Organe und Gewebe entnommen und übertragen werden: Niere, Herz, Lunge, Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm und Teile der Haut sowie die Hornhaut der Augen, Herzklappen, Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes, des Knorpelgewebes und der Sehnen.
Ich würde ja spenden, wenn ich genau wüsste, dass nach einem lebensbedrohlichen Unfall alles getan wird, um mein Leben zu erhalten.
Ihre Sorge ist unbegründet. Denn ein Arzt ist immer vorrangig am Überleben und an der Genesung „seines“ Patienten interessiert und nicht am Wohlergehen eines eventuellen Organempfängers. Dazu ist er aufgrund seines hippokratischen Eides verpflichtet.
Ich finde Organspende heikel. Denn wie kann man sicher sein, dass der Spender auch wirklich tot ist, ehe man ihm Organe entnimmt?
Indem man den Hirntod zweifelsfrei feststellt. Das geschieht durch eine Serie vorgeschriebener Untersuchungen. Die Sicherheit der Diagnose beruht auf einem dreistufigen Untersuchungsschema sowie speziellen Anforderungen an die Qualifikation, Neutralität und Zahl der untersuchenden Ärzte. Der Hirntod wird definiert als Zustand der irreversibel erloschenen Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms.
Mein Sohn wies mich auf die Notwendigkeit einer Organspende hin. Aber bin ich mit meinen 72 Lenzen nicht zu alt dafür?
Nein, denn es gibt keine feste Altersgrenze für eine Organ- und Gewebespende. Ob gespendete Organe und Gewebe für eine Transplantation geeignet sind, wird im Todesfall medizinisch geprüft. Entscheidend ist dabei nicht das kalendarische Alter des Spenders oder der Spenderin, sondern der Gesundheitszustand, der Organe und Gewebe. Der älteste Spender einer Niere war übrigens 98 Jahre alt.
Meine Tochter erhielt kürzlich die Diagnose Aids. Sie hat einen Organspendeausweis. Hat sich das jetzt nicht erledigt aufgrund ihrer Erkrankung?
Eine Organentnahme ist grundsätzlich ausgeschlossen, wenn bei der oder dem Verstorbenen eine akute Krebserkrankung oder ein positiver HIV-Befund vorliegt. Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärzte nach den erhobenen Befunden, ob eine Organ- und Gewebespende infrage kommt.
2011 hatte ich Darmkrebs, bin jetzt gesund. Kann ich auch noch Organe spenden?
Prinzipiell ja. Wenn Sie als geheilt gelten, und mindestens fünf Jahre lang keine Tumorerkrankungen aufgetaucht sind, dann kommen Sie als Organspenderin wieder infrage. Sie sollten auf dem Ausweis jedoch vermerken, dass Sie erkrankt waren.
Informationen
Weitere Informationen gibt es beim gebührenfreien „Infotelefon Organspende“ unter 0800 / 9 04 04 00. Dort können auch kostenlos Organspendeausweise und Informationsmate­rialien angefordert werden.