Polizei verbot Filmen im Sudan

Fotograf und Filmer aus Leidenschaft Friedhelm Bühne vor seinem denkmalgeschützten Heim mit dem Kalender für 2011. (Foto: Stefan Scheler)

Schwelm. (Sche) „Da war mir dann doch etwas mulmig zumute“, erinnert sich Friedhelm Bühne an eine Reise in den Sudan: „Ohne großes Federlesen beschlagnahmte ein örtlicher Polizist mein Filmmaterial.“

Dem ehemaligen Berufsfilmer, der selbst im Ruhestand nicht vom Fotografieren lassen kann, trieben auch solche Erlebnisse die Reiselust keineswegs aus. „Ich bin immer noch neugierig auf die Welt“, erzählt der 78-Jährige in seinem denkmalgeschützten Heim an der Kölner Straße 24: „Demnächst geht es für Unterwasseraufnahmen zum Roten Meer nach Ägypten. In Europa habe ich fast alle Länder besucht und auch Afrika und Nordamerika bereist.“

Auf diesen Touren entstanden zahlreiche Filme und Fotografien, welche Friedhelm Bühne gern zeigt; so zum Beispiel den großformatig abgezogenen Grand Canyon in der Abendsonne. Der Raum im Erdgeschoss des historischen Altstadt-Schieferhauses birgt in den Vitrinen wahre Schätze: Fotoapparate und Filmkameras verschiedener Epochen und Hersteller. „Das sind Sammlerstücke, die zum Teil aber nicht mehr funktionieren“, beschreibt Friedhelm Bühne sein Hobby: „Die Technik ist ziemlich passé und macht den Einsatz dieser Geräte nicht sinnvoll.“ Trotzdem nimmt der Weltenbummler fast liebevoll seinen ersten Fotoapparat zur Hand. „Das ist eine ,Robot‘-Kamera“, kommt er ins Schwärmen: „Meine erste, die ich mit 16 Jahren bekommen habe. Ein Schwelmer Erzeugnis.“ 100 weitere Exponate hinter Glas sind neben Souvenirs aus der ganzen Welt an den Wänden zu bewundern. Afrikanische Masken hängen neben Indianerschmuck und einem Bumerang. „Der ist von meinem Sohn“, gibt Friedhelm Bühne zu: „In Australien war ich nämlich noch nicht.“

Die Schwelmer Altstadt mit der beherrschenden Christuskirche bietet Friedhelm Bühne reichlich Fotomotive. (Foto: Stefan Scheler)

Dafür kennt sich der Fotograf aus Leidenschaft im Nahen Osten bestens aus. „Allerdings nicht in Israel“, verrät er eine politische Kuriosität: „Wenn man nämlich ein Visum des Judenstaats im Pass hat, verweigern alle arabischen Länder prompt die Einreise.“ Dafür hat der Schwelmer gute Erfahrungen mit den Ägyptern gemacht. „Ich habe die letzten Aufnahmen von den Statuen in Abu Simbel schießen können, bevor man sie umsetzte“, ist der Mann hinter der Kamera noch heute stolz auf diese Fotos: „Weil der Assuan-Staudamm die Kulturdenkmäler überflutet hätte, kamen sie an einen neuen Platz.“

Nicht so ganz spektakuläre Motive findet Friedhelm Bühne in Schwelm, aber er liebt die Wahrzeichen der Kreisstadt, welche er seit 1978 regelmäßig in seinen selbst gefertigten Jahreskalendern einem breiten Publikum präsentiert. In der Auflage 2011 gibt es weniger Totalansichten, zum Beispiel von der Christuskirche oder dem Haus Friedrichsbad, sondern „Schüsse aus den Ecken“, durch Torbögen oder an Schneehaufen vorbei. Besonderes Augenmerk widmete der Lichtbildner den von Kindern und Jugendlichen kunstvoll mit Farbe verzierten Elektro- und Fernmeldekästen im Stadtgebiet, welche die Titelseite des Werks zieren. „Ich fotografiere jetzt nur noch digital und ausschließlich in Farbe“, erklärt der Fotokünstler seine Arbeitsweise: „So habe ich viel mehr Möglichkeiten der Bildbearbeitung mit Adobe-Fotoshop.“ Friedhelm Bühne bringt die Arbeitsergebnisse eigenhändig mit einem Tintenstrahldrucker zu Papier. Von der damit erzielten, erstaunlich guten Qualität kann sich jeder Interessierte im Buchhandel überzeugen, wo die Kalender zum Kauf bereit liegen.

Gut 400 Fotos von Schwelm entstanden im Lauf der Jahre, und es ist noch lange nicht Schluss. „Ich plane bereits die Ausgabe für 2012“, verrät Friedhelm Bühne: „Ab dem Winter schieße ich neue Fotos, und um das Heimatfest herum startet dann die Produktion.“ Das ehemalige Mitglied des Schwelmer Stadtrats hat noch viele Schnappschüsse in petto…