Regen und Trockenheit ließen Ernte leiden

Die Weizenernte wurde im Sommer durch Regenfälle unterbrochen. (Foto: wlv/Drees-Hagen)

Die Weizenernte wurde im Sommer durch Regenfälle unterbrochen. (Foto: wlv/Drees-Hagen)

Hagen/EN. Neulich wurde wieder das Erntedankfest gefeiert. „Erntedank, das heißt Dank zu sagen für die Früchte des Feldes, innezuhalten und zurückzublicken auf die Zeit von der Aussaat bis zur Ernte“, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ennepe-Ruhr/Hagen Dirk Kalthaus.
„Es war ein Jahr mit vielen und lokal sehr unterschiedlichen Witterungsextremen“, so der Landwirt und deshalb würden auch die Ernteergebnisse im Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen eine große Bandbreite aufweisen, je nach Bodenqualität und lokaler Witterung.
Trocken und kalt
Ungewöhnliche Witterungsbedingungen prägten den Vegetationsverlauf: Die Wintermonate und das beginnende Frühjahr waren extrem trocken, dann folgte der wärmste März seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen.
Dafür kam der Kälteeinbruch im April, der zur Monatsmitte besonders die Obstbaumblüte mit Nachtfrösten traf. Der Hochsommer war schon im Juni mit Hitze und Trockenheit da. Er wurde abgelöst von immer wiederkehrenden Regenfällen zur Erntezeit im Juli und August, die den Bauern zu schaffen machten.
„Das Wetter hat uns wieder einmal gezeigt, wie sehr wir Bauern in und mit der Natur leben und arbeiten“, schildert Landwirt Kalthaus. „Im Großen und Ganzen können wir im Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen trotzdem eine durchschnittliche Ernte verbuchen, die je nach Fruchtart, aber auch regional, sehr schwankt“, sagt der Landwirte-Vorsitzende.
Zwangspausen bei Ernte
Im Einzelnen: Nachdem die Gerste Anfang Juli größtenteils bei noch schönem Wetter geerntet werden konnte, setzten während der anschließenden Rapsernte die Regenfälle ein und brachten den heimischen Landwirten unfreiwillige Zwangspausen. So habe die Gerste insgesamt am stabilsten abgeschnitten. Die Landwirte hätten Durchschnittserträge mit zufriedenstellenden Qualitäten einfahren können.
Der Raps habe hingegen flächendeckend geringe Ölgehalte aufgewiesen.
Regen hinterließ Spuren
Die Regenfälle im Juli und August hätten dann ihre Spuren in Weizen, Hafer, Roggen und Triticale hinterlassen. „Den Weizen traf die Hitze zunächst im Juni in der Kornfüllungsphase, was zu kleineren Körnern führte, während danach zur Ernte die unbeständige Witterung mit teils ergiebigen Niederschlägen die Arbeiten immer wieder unterbrach“, schildert der Landwirtevorsitzende. So hätten die Backqualitäten im Ernteverlauf deutlich gelitten.
„Verbleibt das reife Korn zu lange bei feuchter Witterung auf dem Halm, setzen enzymatische Keimungsprozesse ein, was die Backeigenschaften reduziert“, erklärt Kalthaus. So gebe es in diesem Jahr deutlich weniger Backweizen.
Weniger Gras
Für die Bauern im EN-Südkreis sei besonders die Gras­ernte wichtig. Der zweite Grasschnitt habe unter der Junitrockenheit gelitten und deshalb einen deutlich geringeren Ertrag gebracht, sagt Kalthaus. Die anderen Schnitte hätten einen mittleren Aufwuchs geliefert. Die Erntebedingungen seien in diesem Jahr aufgrund der unbeständigen Witterung nicht einfach gewesen. „Für die Silageherstellung haben die Trockenphasen in den meisten Fällen noch gereicht, beim Heu, das eine längere Trocknungszeit braucht, war das häufig nicht der Fall“, sagt der Landwirt.
Die Grasernte sei für die rinderhaltenden Betriebe die wichtigste Ernte, da sie die Futtersicherung für den nächsten Winter darstelle.
Maisernte steht bevor
Noch ist alles nicht vollständig eingebracht: Der Mais sehe gut aus. „Er hatte bei einem guten Mix aus Sonne, Wärme und ausreichendem Regen gute Wachstumsbedingungen“, so Kalthaus. Die Kartoffelbauern würden ebenfalls eine gute Ernte erwarten. Die Rodebedingungen seien allerdings aufgrund der Nässe bis jetzt schwierig gewesen, so Kalthaus. Dem Obst habe starker Frost während der Blüte teils großen Schäden zugeführt.
„Trotz aller Witterungsextreme sind wir hier im Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen von den größten Problemen, von wirklichen Unwettern, wie sie in anderen Gebieten Deutschlands getobt haben, verschont geblieben“, sagt Kalthaus. „Wir können dankbar sein für eine Ernte, die in unseren Regionen alle satt macht.“