Schwelm-Pass – was ist das?

Für kleines Geld ins Hallenbad – der Schwelm-Pass macht’s möglich! (Foto: Frank Schmidt)

Schwelm. (zico) Auch sozial Schwache sollen teilhaben am kulturellen Leben einer Stadt, sollen Kultur- und Freizeit-Einrichtungen nutzen und Kurse belegen können. Seit 1985 gibt es in der Stadt Schwelm deshalb den sogenannten Schwelm-Pass, der Hartz-IV- und Sozialhilfebeziehern zahlreiche Vergünstigungen einräumt. Doch immer weniger Kreisstädter wissen offensichtlich, dass es das Dokument gibt und welche Funktion sich damit verbindet – im Jahr 2012 nutzten gerade einmal 81 Personen den „Billigmacher“ für öffentliche Einrichtungen und Veranstaltungen.

Dabei erstrecken sich die Vergünstigen, die der sozial schwach gestellte Personenkreis mit dem Schwelm-Paß genießt, auf die verschiedensten Bereiche. Ob der Eintritt ins Hallenbad, ins Heimatmuseum oder zu diversen kulturellen Veranstaltungen oder die Nutzung der Bücherei bis hin zur Anmeldung in der Musikschule auch der Kinder – überall kann deutlich gespart werden. Da kommt unter Umständen übers Jahr ein schönes Sümmchen zusammen, das die Haushaltskasse entlastet und an anderer Stelle eingesetzt werden kann.

Warum davon nur 81 Personen Gebrauch machen? Liegt es an der komplett fehlenden öffentlichen Werbung beziehungsweise Information über das Dokument? „In 28 Jahren müsste es sich eigentlich herum gesprochen haben, dass es den Schwelm-Pass gibt“, meint Peter Eibert, Leiter des städtischen Fachbereichs Familie und Bildung, der für die Ausgabe des Dokuments verantwortlich zeichnet. Viele der heutigen Anspruchsberechtigten waren bei Einführung des Schwelm-Passes freilich noch gar nicht geboren.

Eibert verweist auf die Leistungen des „Bildungs- und Teilhabepakets“, das vom Bund bereitgestellt wird und dem gleichen Personenkreis gewidmet ist – Hartz-IV-Empfänger und Sozialhilfebezieher: „Auch das wird längst nicht von jedem in Anspruch genommen, der Antragsberechtigt ist.“ Damit hat Eibert Recht. Aber auch beim Bildungs- und Teilhabepaket erscheint bei vielen Menschen noch Informationsbedarf vorhanden zu sein. Der Schwelm-Paß ist überdies noch einfacher zu erhalten, denn während beim Bildungs- und Teilhabepaket jede Einzelmaßnahme beantragt werden muss, reicht beim Schwelm-Pass ein einmaliger Besuch im Bürgerbüro, bei dem man nur seinen Ausweis mitbringen und ein einziges Formblatt ausfüllen muss. Bei Bedarf hilft der städtische Mitarbeiter im Bürgerbüro, Moltkestraße 24, gern – eine Sache von zehn Minuten.

Allein den Kreis der Schwelmer Sozialhilfeempfänger beziffert Peter Eibert auf 400 Personen. Weitere 100 in Schwelm lebende Personen, die nach dem Asylrecht ebenso anspruchsberechtigt sind, kommen hinzu. Und wenn man noch die HartzIV-Bezieher hinzu, die das Jobcenter dem wochenkurier Ennepe-Ruhr für Schwelm angegeben hat, wird das krasse Missverhältnis zwischen Schwelm-Paß-Berechtigten und Nutzern erst richtig deutlich: 1.898 erwerbsfähige Leistungsberechtigte und 749 nicht erwerbsfähige unter 15 Jahren stehen hier zu Buche. Rund 3.150 Menschen könnten den Schwelm-Paß also haben, spärliche 81 nutzen ihn. Das sind gerade einmal 2,5 Prozent jener Menschen, die am wenigsten haben und die eigentlich jeden Cent dreimal umdrehen müssen.

Hier eine Aufstellung der Vergünstigungen, die Schwelm-Paß-Inhaber gegenüber „Normalzahlern“ in Anspruch nehmen können (in Klammern jeweils Normatarif):

  • Hallenbad Einzelkarte
    1,70 Euro (3,20 Euro)
  • Hallenbad Zehnerkarte
    14,50 Euro (28,00 Euro)
  • Hallenbad 100-er-Karte
    100,00 Euro (200,00 Euro)
  • Stadtbücherei Jahreskarte
    7,00Euro (16,00 Euro)
  • Museum Haus Martfeld (gegebenenfalls auch mit Führung)
    0,50 Euro (3,00 Euro)
  • Veranstaltungen des Kulturamtes oder Jugendamtes
    jeweils 50 Prozent Ermäßigung
  • Kurse und Veranstaltungen der Städtischen Musikschule
    jeweils 75 Prozent Ermäßigung

Leider aber ist der Schwelm-Pass das wohl defensivst beworbene Produkt der ganzen Stadt. Bleibt zu hoffen, dass sich das bald ändert, damit der Schwelm-Pass die Funktion einnehmen kann, der er gewidmet ist: Sozial schwachen Menschen zu helfen!