Schwelmer Brauerei-Nachverwertung

Die Zahl der zunächst etwa 20 Zuhörer verringerte sich mit zunehmender Beratungsdauer des Ausschusses für Umwelt und Stadtentwicklung zusehends. (Foto: Stefan Scheler)

Schwelm. (Sche) „Man muss auch die Vorstellungen des Investors berücksichtigen“, fasste Bürgermeister Jochen Stobbe die Überlegungen von Politik und Verwaltung zur Neugestaltung des ehemaligen Schwelmer Braugeländes im Rahmen der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Stadtentwicklung im Saal des Rathauses vor wenigen Tagen zusammen. Vor etwa 20 Zuhörern berieten die Ausschuss-Mitglieder unter anderem über ein neues städtebauliches Konzept, das die ehemalige Brauerei in einen planerischen Kontext zur Umgebung mit Durchgängen zur Schul- und Gerichtsstraße stellen will.

Ein später nach eingehenderen Informationen vom Bürgermeister und Frank Sormund, Leiter des Stadtentwicklungsbüros, zurückgezogener Antrag der FDP-Fraktion wollte sogar eine Verknüpfung des Pavillon-Umbaus am Neumarkt mit Baumaßnahmen an Drosselstraße und Lohmannsgasse erreichen, um eine Innenstadt-Umgestaltung aus einem Guss im Sinne einer Verbesserung der Einzelhandels-Struktur zu erhalten.

Andreas Isenberg, Cornelia Engelbert und Linda Voss (von links) engagieren sich für den Erhalt und die Förderung der Brautradition. (Foto: Stefan Scheler)

Bürgermeister Stobbe gab zu bedenken, dass man sich noch in einem sehr frühen Stadium der Bauleitplanung befinde und nicht wertvolle Zeit, auch für die Verfahren vor den Genehmigungsbehörden, verlieren dürfe, indem man sich zu früh auf eine Gesamtlösung versteife. „Wir wollen in Schwelm nicht Vorhandenes verschieben, sondern Neues dazu nehmen“, beschwor er den Ausschuss. Kernstück der Bauabsichten ist das Gelände der ehemaligen Brauerei, dessen südlicher Teil mit dem Verwaltungsgebäude an der Untermauerstraße und dem Brau- und Sudbereich sowie den Kelleranlagen denkmalrechtlich geschützt sind. Hier ist eine Hausbrauerei mit Gastronomiebetrieb angedacht, in der man kleine Mengen Bier für den Verzehr vor Ort herstellen kann. Der nördliche Bereich des Areals ist zur freien Bebauung geeignet – hier möchten die Planer Wohnungen und Einzelhandel etablieren.

Der entsprechende Beschlussvorschlag fand die Zustimmung von 14 Ausschuss-Mitgliedern aus SPD, CDU, FDP, SWG und BfS. Drei Vertreter, zwei von Bündnis 90/Die Grünen und das Ausschuss-Mitglied der Linkspartei, enthielten sich der Stimme. „Ich hätte mir spezifischere Vorgaben für den Bebauungsplan gewünscht“, begründete Uwe Weidenfeld von den Grünen seine Enthaltung: „Baugröße, Art der Bebauung und städtebauliche Einbindung sind nicht eindeutig definiert.“ Mit ihm verweigerte auch sein Parteifreund Horst Rindermann dem Projekt in diesem Stadium die Zustimmung.

Der Erste Beigeordnete Ralf Schweinsberg, der stellvertretende Vorsitzende Frank Nockemann, Bürgermeister Jochen Stobbe und Frank Sormund, Leiter des Stadtentwicklungsbüros, (von links) berieten mit den Ausschuss-Mitgliedern über die Zukunft des Brauereigeländes. (Foto: Stefan Scheler)

„Das geht alles viel zu schnell“, erklärte Jürgen Feldmann von der Linkspartei das Abstimmungsverhalten von Martin Enke, der ihn im Ausschuss vertreten und sich ebenso der Stimme enthalten hatte: „Das Vorhaben ist zu sehr auf den Investor zugeschnitten. Der im Eiltempo veranlassten Maßnahme in einem städtebaulich wichtigen Bereich fehlt ein schlüssiges Konzept mit der sorgfältigen Abwägung aller Fakten.“ Darunter fällt nach Meinung der nicht zustimmenden Teilnehmer der Sitzung die unklare Einbeziehung des Umfelds, besonders im Hinblick auf die Bereiche Parken und Verkehrsführung in den anliegenden Straßen.

Grundsätzlichere Kritik kam aus den Reihen des Publikums. „Die Brauhauslösung gibt es bereits in Wuppertal“, gab Andreas Isenberg vom Verein zum Erhalt und zur Förderung der Schwelmer Brautradition zu bedenken: „Dort funktioniert sie nicht besonders gut.“ Seine Mitstreiterin Linda Voss sieht das genauso, während Brauerei-Freundin Cornelia Engelbert einen im Gremium nicht angesprochenen Aspekt nachschob. „Wenn es auf ein Brauhaus hinausläuft, dann sollte es dort auch das neue Schwelmer Bier geben“, wünscht sie sich: „Das wäre eine Bereicherung für unsere Stadt.“

Kritisch verfolgt das Verfahren auch Michael Zander, einer der führenden Köpfe jener Bürgerbewegung, die im Sommer mit viel Leidenschaft für den Fortbestand der alten Brauerei gekämpft und demonstriert hatte. „Diese Pläne werden bereits seit Langem verfolgt“, erklärt sich Zander die allenfalls halbherzige Unterstützung der Bemühungen zum Erhalt des alten Brauereistandorts von Seiten der Politik, darunter Bürgermeister Stobbe. Die in der Sitzung genannten 40.000 Hektoliter Bier, die in der Hausbrauerei gebraut werden könnten, sind für ihn Augenwischerei: „Die im Raum stehenden Zahlen sind illusorisch.“

All dies nährt jene Vermutungen, wonach bereits deutlich vor der Schließung der Brauerei am 30. September 2011 im Rathaus konkret an den Plänen zur Nachverwertung des Geländes geschmiedet wurde – zu einem Zeitpunkt also, als zahlreiche Bürger noch mit Herzblut für die 35 Brauerei-Arbeitsplätze und den Erhalt der Schwelmer Brauereitradition auf die Straße gingen…