Schwelmer Prinzenpaar im Exil

Paul-Werner Herguth (links) und Prinz Hans Jürgen I. begrüßten auch beim wochenkurier ihr buntes Narrenvolk. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Ich bin zornig und milde gestimmt“, scherzte Bürgermeister Claus Jacobi, nachdem er einer rund 100 Personen starken Jeckenschar nach kurzem Kampf den Schlüssel zum Rathaus überlassen musste: „Anlass des Ärgers ist der innige Auftritt meiner Frau Desirée mit Günter Dabruck, während der freudige Anlass die Erteilung der Doktorwürde der Universität Bayreuth ist.“ Grinsend zeigte der frisch gebackene „Doktor“ Claus Jacobi eine kopierte Urkunde der süddeutschen Hochschule als Anspielung auf den Guttenberg-Skandal.

Beim Kampf mit der entfesselten Tollität Hans Jürgen I. hielt der neu im BKS-Stil gefertigte Stadtschlüssel besser stand als sein Vorgänger vor einem Jahr. „Jetzt kann ich als Schwelmer an die Gevelsberger Stadtkasse“, flachste der Prinz aus der Nachbarstadt. „Das nützt dir nichts“, zeigte sich Claus Jacobi schlagfertig: „Die ist nämlich leer.“

Prinz Hans Jürgen I. und Ihre Lieblichkeit Prinzessin Hannelore II. hatten sich beim Anmarsch zur Stadtverwaltung bereits an einigen Stationen für die närrische Attacke gestärkt. Zunächst besuchte man die wochenkurier-Geschäftsstelle, wo es neben leckeren Krapfen und stärkenden Getränken eine launige Begrüßung von „Supermann“ Frank Schmidt zu hören gab. „Unsere Sabrina ist ganz grün im Gesicht; vielleicht führt das zur Aufnahme bei der KaGe Grün-Weiß“, frotzelte der Redakteur.

Nach zähem Ringen hatte Prinz Hans Jürgen schließlich den Stadtschlüssel von Bürgermeister Claus Jacobi erobert. (Foto: Stefan Scheler)

Im Anschluss paradierte ein kleiner Rosenmontagszug durch die Mittelstraße und begeisterte Passanten und Autofahrer. Angesichts der mit Orden geschmückten Polizei verkniffen sich selbst die Eiligsten das Hupen. Im klingenden Marschtakt der Spielleute-Vereinigung Gevelsberg suchte der Hofstaat das Modehaus Tasbier auf, wo Paul-Werner Herguth Hausherrin Edith Tasbier den Orden der KG Hippendorf verlieh. Diethelm Hellwig legte mit dem Orden der KaGe Grün-Weiß nach.

Die gegen 9 Uhr nach einem Buffet mit Heißgetränken und Bier von der Feuerwache zum Rathaus aufgebrochenen Jecken erreichten gegen 11 Uhr 11 endlich ihr Ziel, und nach dem obligatorischen Ringen um den Rathausschlüssel nahm der närrische Vormittag seinen Lauf. Die Drevermannspatzen unter Leitung von Günter Dabruck und Klaus Furmanek stimmten Karnevalslieder an, und Eva Reinicke glänzte zusammen mit Jennifer Wenzel als Funkenmariechen.

Die Aufgaben für den neuen Prinzen, nämlich eine närrische Führung durch die Kreisstadt und eine jecke Modenschau bei „Lagerfeld“ Werner Tasbier erkannte der Bürgermeister als erfüllt an. Der am Laufsteg gesammelte Betrag von 150 Euro kommt der Gevelsberger Tafel zugute.

Bevor man in die Brötchen mit „Maurermarmelade“, wie das Stadtoberhaupt den Mettbelag nannte, beißen konnte, waren zahlreiche Ehrungen mit Ordensverleihung vorgesehen, wobei weibliche Ausgezeichnete ausnahmslos vom Bürgermeister zu „bützen“ waren. Dieser war zu der Festlichkeit übrigens in der zu Zeiten der Stadtgründung üblichen Tracht erschienen: Frack und Zylinder. „Ich sehe aus wie der Vater von Jopi Heesters“, kokettierte Claus Jacobi mit der ausgelassenen Narrenschar und richtete an die Adresse des „auswärtigen“ Prinzen: „Hier ist doch viel mehr los als in Schwelm.“

Beim gemeinsam gesungenen Sessionslied werden wohl die Ohren der Nachbarn an der Schwelme geklungen haben. „Da kommen Schwelmer über’n Berg zu uns ins Hippendorf hinein, um einmal nur im Leben beim Karneval zu sein“, lautete der neckische Seitenhieb auf die ansonsten freundschaftlich aufgenommenen Kreisstädter.