„Tausche Stachelhalsband gegen Training“

EN-Kreis. (ric) Sie kläffen, knurren, bellen lautstark. Sie zerren an Leinen, gehen nicht bei Fuß, ignorieren „Herrchen“ und „Frauchen“. Sie sind aggressiv gegen Artgenossen und manchmal auch gegen Menschen. Sie zeigen keinen Respekt, Gehorsam oder Fügigkeit. Niemand, so scheint es, kann diesen Hunden etwas anhaben. Und deshalb gibt es auch heute noch viele Menschen, die zu einem ganz speziellen Hilfsmittel greifen: Stachelhalsbänder.

Ein glücklicher Hund inmitten einer Blumenwiese – leider ist dieses Bild keine Selbstverständlichkeit. Noch werden Stachelhalsbänder genutzt und richten damit viel Schaden an. Nun gibt es eine deutschlandweite Aktion gegen das Leid der Hunde. (Foto: privat)

Diese bestehen aus ineinandergreifenden Metallgliedern, die an ihren Innenseiten mit Stacheln bestückt sind. Sobald der Hund an der Leine zerrt, zieht sich das Halsband zusammen, die Stacheln drücken sich in das empfindliche Fleisch der Tiere. Sie werden durch den unglaublichen Schmerz gezwungen, gefügig zu sein. Verletzungen werden billigend in Kauf genommen. Dabei wird bei Weitem mehr als eine offene Fleischwunde riskiert: Die Halswirbelsäule kann erhebliche Schäden nehmen, der Augeninnendruck steigt enorm, Kehlkopf und Schilddrüse können stark verletzt werden und auch ein Durchstechen der Luftröhre kommt vor. Und natürlich sind auch dauerhafte Haltungsschäden nicht ausgeschlossen. Schließlich probieren die Hunde, dem Druck des Stachelhalsbands auszuweichen und verrenken sich so.

Doch nicht immer ist ein solches „Hilfsmittel“ direkt zu erkennen. Schließlich gibt es sie in verschiedenen Ausführungen: Mal ganz offen als Gliederkette, mal mit Leder oder Stoff umrandet. So fällt es schwer, sofort zu erkennen, ob es sich um das für den Hund schmerzhafte Halsband handelt.

In anderen Ländern, zum Beispiel in Österreich und in der Schweiz, sind diese gefährlichen „Hilfsmittel“ verboten. In Deutschland gibt es dieses Gesetz nicht – trotzdem verbietet das Tierschutzgesetz, Tieren Schmerzen zuzufügen. „Nur ist das leider nicht genug“, wissen Tierschützer. „Schließlich gibt es diese Stachelhalsbänder nach wie vor zu kaufen. Wer sie benutzt, fügt seinem Hund automatisch ein enormes Leid zu.“

Doch mittlerweile gibt es eine ganz besondere Aktion gegen den Einsatz eines solchen Halsbandes: Unter dem Motto „Tausche Stachelhalsband gegen Training“ rief Sonja Meiburg, die eine Hundeschule in Holledau betreibt, diese ins Leben. Die Trainerin überlegte sich, dass jeder, der ein Stachelhalsband bei seinem Hund anwendet, dieses bei ihr in der Hundeschule abgeben kann. Im Gegenzug erhalten Hund und Besitzer eine kostenlose Trainingsstunde. Und hier wird einiges gelernt: Viele Probleme zwischen Mensch und Tier liegen an einer falschen Erziehung und fehlendem Wissen über den „Partner Hund“. Die kompetenten Trainer helfen bei der Aufarbeitung des Wissens, zeigen den Besitzern, wie sie richtig mit ihrem Hund kommunizieren und so ohne Schmerz doch zu einem entspannten Alltag kommen. Denn: „Der Hund braucht eine klare Richtung. Doch die hat mit Zwang und Leid nichts zu tun. Wichtig ist es zu wissen, welche Sprache mein Hund spricht. Ich muss ihn kennen und verstehen können, um in jeder Situation richtig zu handeln“, so die Tierschützer.

Über ein großes soziales Netzwerk im Internet verbreitete sich die Aktion „Tausche Stachelhalsband gegen Training“ überraschend schnell. Quasi über Nacht beteiligten sich nicht nur deutschlandweit, sondern auch international gut 500 Hundeschulen an dem genialen Konzept – und es werden immer mehr. Und auch im EN-Kreis gibt es mittlerweile viele Hundeschulen, die sich beteiligen. Genaue Informationen über die teilnehmenden Hundeschulen und weitere Informationen rund um die richtige Hundeerziehung gibt es im Internet unter www.tausche-stachelhalsband-gegen-training.de.