Teamarbeit hilft Notfall meistern

Ennepetal. (Sche) Schreie von Verletzten, offenes Feuer und Qualm aus einer Werkhalle bestimmen die Szenerie – mit Sondersignal fahren Feuerwehrautos vor, deren Besatzungen sich bei augenscheinlich Betroffenen über die Lage und deren Zustand informieren; ein Chemikalienfass liegt am Boden.

Das ist nicht der Inhalt eines Katastrophenfilms, sondern war die äußerst realistisch ausgestaltete Übungslage eines gemeinsamen Testeinsatzes der Jugendfeuerwehren aus Gevelsberg, Ennepetal und Schalksmühle sowie der Jugend des Johanniter-Ortsverbands Ennepetal. Die angenommene Situation war ein Schadstoffunfall in einer Halle der Firma Siegfried Jacob an der Jacobstraße in Ennepetal-Voerde vor wenigen Tagen. Ein Arbeiter hatte ein Fass mit einer gefährlichen Flüssigkeit angebohrt und somit nicht nur ein Leck erzeugt, sondern das prekäre Gemisch mittels Reibungshitze auch noch entzündet. Als Folge trat eine Verpuffung mit anschließendem Feuer in der Halle ein. Zahlreiche Mitarbeiter und Passanten erlitten Verletzungen von umherfliegenden Splittern, Verbrennungen und Verätzungen.

Die Johanniter-Jugend sollte nun ihre medizinische Ausbildung unter Beweis stellen, die Verletzten erstversorgen, nach Beschwerden mit Karten um den Hals kennzeichnen und an den eigenen Rettungsdienst, welcher mit vier Krankenwagen angerückt war, zum Abtransport in die Krankenhäuser übergeben. Da die Hilfsorganisation aber über keine Mittel zur Brandbekämpfung und technischen Hilfeleistung verfügt, waren die Kameraden von den drei Jugendfeuerwehren gefragt, die aus Gevelsberg mit zwei Löschfahrzeugen und einem Mannschaftswagen, aus Ennepetal mit einem Löschfahrzeug und aus Schalksmühle mit Löschfahrzeug und Gerätewagen zur Stelle waren. Etwa 80 Personen nahmen an der Übung teil, die „Übungsopfer“, sehr wirklichkeitsnah geschminkte und engagiert agierende Jugendliche, die jungen Helfer und „gestandene“ Feuerwehrleute sowie erfahrene Rettungsassistenten und -sanitäter, welche die Aktionen beaufsichtigten.

„Wir trainieren in zweijährigem Rhythmus mit der Gevelsberger Jugendfeuerwehr“, berichtete Sascha Ellinghaus, Johanniter-Jugendgruppenleiter des Ortsverbands Ennepetal, wie es zu der Idee einer gemeinsamen Übung kam: „Diesmal wollten wir eine simulierte Einsatzlage für die Feuerwehr-Kameraden gestalten.“ Aus Gevelsberg waren deshalb auch Stadtbrandmeister Rüdiger Schäfer und Kämmerer Andreas Saßenscheidt erschienen, um sich einen Eindruck von der Leistungsfähigkeit des Nachwuchses der eigenen Wehr zu verschaffen und sich über den Ausbildungsstand der jungen Johanniter-Helfer zu informieren.

Die hatten das bedrohliche Ereignis denn auch binnen einer Stunde im Griff, wobei noch ein besonderer Notfall auftrat: Eine Person, welche die Feuerwehr von einem Gabelstapler retten sollte, war zu 80 Prozent „verbrannt“, so dass vor dem Eingreifen der Floriansjünger erst einmal der Johanniter-Rettungsdienst zur medizinischen Erstversorgung tätig werden musste. „Das zeigt, wie hier zwei Organisationen mit Sicherheitsaufgaben Hand in Hand arbeiten können“, zog Sascha Ellinghaus ein zufriedenes Fazit: „Alle Beteiligten haben als Team agiert; darauf kam es uns an.“

„Taktisch besteht noch Ausbildungsbedarf“, beurteilte Rüdiger Schäfer die Gevelsberger Jungfeuerwehrleute: „Aber dafür ist ja auch noch viel Zeit. Entscheidend ist für mich der engagierte und abgestimmte Einsatz.“

Wer zwischen sechs und 17 Jahren alt ist und sich für das Mitmachen bei den Jugend-Johannitern interessiert, kann mit Agnes Krause vom Regionalverband Ruhr-Lippe der Johanniter-Unfall-Hilfe unter Ruf 02331/ 9399568 für weitere Informationen Kontakt aufnehmen.