Theater um eigene Biografie

Im Theaterstück „Blackbox“ haben die 15 arbeitssuchenden Teilnehmer des Projekts „Job-Act“ zahlreiche persönliche Erfahrungen verarbeitet. Bei der Produktion des Stückes erlernen die jungen Leute sowohl handwerkliche Fähigkeiten als auch Kompetenzen, die für eine selbstbewusste, überzeugende Darstellung in Bewerbungssituationen erforderlich sind. (Foto: Frank Schmidt)

Gevelsberg/EN-Kreis. (zico) Schauspieler und Jobsuchende benötigen mitunter die gleichen Grundtugenden: Selbstbewusstsein, Persönlichkeit, den Mut, sich vor anderen darzustellen. Doch während sich die Akteure eines Bühnenstückes ihrem Publikum präsentieren, um eine Spielhandlung zu vermitteln, geht es für Arbeitslose in Bewerbungsgesprächen um nichts weniger als um die Sicherung ihrer Existenz. Im Projekt Job-Act, dass derzeit seine sechste Auflage erlebt, eignen sich 15 junge Menschen aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis derzeit nicht nur das Rüstzeug an, um gemeinsam ein Theaterstück aufzuführen. Sie übernehmen auch die komplette Verantwortung für die Produktion – vom Schreiben des Stückes bis hin zur Erstellung des Bühnenbildes.

Fünf Monate lang haben sie zusammen gearbeitet, vier Tage in der Woche geprobt, einen Tag in der Woche Bewerbungen geschrieben und währenddessen immer wieder Vorstellungstermine wahrgenommen. Dabei haben sie ihre eigene Geschichte geschrieben, ausprobiert und unter der Leitung der Theaterpädagogin Lena Krieger inszeniert. Sie haben das Bühnenbild in den Werkstätten der VHS Ennepe-Ruhr-Süd selbst gebaut und den komplexen Apparat einer Theateraufführung organisiert und koordiniert.

Das Projekt Job-Act, das im Auftrag des Jobcenters EN stattfindet, hat zum Ziel, die Teilnehmenden über Bühnenpädagogik und intensives Bewerbungsmanagement fit für die Ausbildung und den Beruf zu machen. „Während der Probezeiten setzen sich die Teilnehmenden mit sich, ihrer Umwelt und dem Gefüge eines Ensembles auseinander. Dabei entwickeln sie Teamgeist, Selbstbewusstsein und machen sich konkrete Vorstellungen von ihrer Zukunft und möglichen Perspektiven“, erklärt Projektleiter Lukas Harlan von der „Projektfabrik“, die das Konzept für Job-Act erarbeitet hat, den Sinn der Maßnahme.

Im unterhaltsamen Bühnenstück „Blackbox“, das im Rahmen des Job-Act-Projektes entstanden ist, kommt Amor als stets gutgelaunter Depp daher, während Göttervater Zeus die Weisheit gepachtet hat. Der Eintritt zu den öffentlichen Aufführungen im Gevelsberger Filmrisskino ist frei. (Foto: Frank Schmidt)

In einer Theaterproduktion kommen allein 26 Berufe zum Einsatz, so dass bereits in dieser ersten fünfmonatigen Phase viele Bereiche eines möglichen Berufs ausprobiert werden können. Nach den Aufführungen beginnt die zweite Phase des Projektes, das verschiedene Praktika beinhaltet, die sich die Teilnehmenden mit professioneller Unterstützung von Sylvia Röhr-Zuschlag, Bewerbungsmanagerin der Projektfabrik, bereits akquiriert haben. Wie etwa Ricarca Langensiepen, die Bäckerin und Konditorin werden möchte. „Einen Praktikumsplatz habe ich bereits“, freut sich die junge Frau über den ersten, so wichtigen Schritt aus der HartzIV-Grundsicherung in Richtung Berufsleben. Ziel ist bei allen 15 Teilnehmern der Beginn einer Ausbildung oder eine Festanstellung im ersten Arbeitsmarkt.

„Bisher konnte in den Job-Act-Projekten bundesweit eine Quote von über 60 Prozent Vermittlung im Durchschnitt erreicht werden“, so Lukas Harlan. Diese Zahl bestätigt Horst Westerholt vom Kostenträger Jobcenter EN: „Job-Act ist ein wichtiger Baustein, um junge Menschen zu fördern, bei denen verschiedenste Vermittlungshemmnisse bestehen. Unsere Teilnehmer kämpfen oft an vielen Fronten, kommen nicht selten aus problematischen Lebensverhältnissen.“ Und Rita Miegel von der Volkshochschule Ennepe-Ruhr-Süd, die den Teilnehmern die für die Theaterproduktion wichtigen Kenntnisse in Sachen Holz- und Trockenbau, aber auch Kosmetik und Maske vermittelt, bescheinigt den jungen Leuten eine hohe Motivation: „Der Umstand, dass die Gruppe auf ein konkretes Ziel, nämlich auf eine Theateraufführung, hin arbeitet, sorgt für die nötige Begeisterung.“

Und die ist im Stück „Blackbox“, das jetzt vor seiner Uraufführung steht, in jeder Szene spürbar. Die Premiere findet am Mittwoch, 30. März, 20 Uhr (Einlass ab 19.30 Uhr) Filmrisskino Gevelsberg, Rosendahler Straße 18, statt. Eine Schüleraufführung wird am Donnerstag, 31. März, ab 10 Uhr gegeben, und die zweite Abendaufführung steigt am Freitag, 1. April, 20 Uhr. Die Aufführungen sind öffentlich, der Eintritt ist frei. Anmeldungen werden unter Ruf 0 23 02 / 2 03 52 30 von der Projektfabrik erbeten.