Trauer gerät nicht zum Trauma

Hier im „Treff 101“ an der Voerder Straße 101 in Ennepetal sollen frühzeitig die ersten Trauerbegleitungen für Jugendliche starten. (Foto: Stefan Scheler)

Ennepetal. (Sche) „Kinder und Jugendliche trauern anders“, weiß Christel Reck, Leiterin und Koordinatorin der „Lacrima“-Gruppen in Deutschland, von denen es zum Beispiel seit 10 Jahren eine in München gibt, während im Dezember 2009 der Beschluss zu einem entsprechenden Projekt im westfälischen Datteln erging: „Oft sind Eltern und andere Angehörige fassungslos, weil ein Kind nicht mit auf den Friedhof möchte, wo die geliebte Oma oder sogar der verstorbene Vater liegt.“ Dass junge Menschen mit starren Ritualen nicht so viel anfangen können, und der Kummer eher innerlich stattfindet, haben die ehrenamtlichen Helfer der „Lacrima“-Initiative erkannt. „Häufig sind auch Gleichaltrige mit der Trauer ihrer Gefährten überfordert“, sieht Christel Reck das Problem von beiden Seiten: „Da gibt es dann schon mal schräge Blicke oder einen unpassenden Spruch auf dem Schulhof.“

Um alldem auch in Ennepetal und dem südlichen EN-Kreis abzuhelfen, möchte das „Lacrima“-Projekt zusammen mit der evangelischen Stiftung Loher Nocken und der Johanniter-Unfall-Hilfe im „Treff 101“ an der Voerder Straße 101 in Ennepetal sowie im Mehrgenerationenhaus der Klutertstadt Trauergruppen für Kinder und Jugendliche ins Leben rufen, für welche im Kreisgebiet noch Bedarf an ehrenamtlichen Betreuern besteht. „Die Interessenten brauchen keine besonderen Fachkenntnisse“, versicherte Christel Reck bei einem vorbereitenden Gespräch im „Treff 101“: „Alles, was sie wissen müssen, bekommen sie in einer Schulung an drei Wochenenden mit insgesamt 64 Lehrstunden beigebracht.“ Außerdem stehe auch eine Hospitantenphase bei der bereits bestehenden Trauerbegleitung in Datteln auf dem Programm. „Die an solch einer ehrenamtlichen Aufgabe Interessierten sollen sich jetzt schon melden“, appelliert die „Lacrima“-Leiterin an alle kurz Entschlossenen: „Es ist allerdings nicht zweckdienlich, wenn die entsprechenden Personen selbst gerade einen schweren Trauerfall in der Familie hatten, weil sich die eigene Gefühlslage dann auf die zu Betreuenden überträgt.“ Ansprechpartner für Anfragen betreffend die Teilnahme als Betreuer als auch später für die Anmeldung als Trauernder ist Agnes Krause vom Bereich Marketing und Kommunikation der Johanniter-Unfall-Hilfe unter Ruf 02331/ 9399568.

Christel Reck (am Tisch), „Lacrima“-Leiterin und Koordinatorin sowie (von links) Johanniter-Kundenberater Christian Zink, Loher Nocken-Diplompädagogin Anke Sieg-Knoop, Johanniter-Sprecherin Agnes Krause, Nina Raschke-Perrone, Leiterin des Familienzentrums im Mehrgenerationenhaus, und Doris Gringel, Leiterin der evangelischen Stiftung Loher Nocken, hoffen, dass bald die ersten Trauerbegleitungen stattfinden können. (Foto: Stefan Scheler)

„Wir haben in Ennepetal gute Netzwerke“, ist Doris Gringel, Leiterin der am Projekt beteiligten Stiftung Loher Nocken zuversichtlich, in naher Zukunft mit den Trauerbegleitungen starten zu können: „Das hat sich auch in Gesprächen mit Christian Zink als Kundenberater der Johanniter-Unfall-Hilfe herausgestellt, der aus den Erfahrungen in seiner Organisation heraus weiß, wie schwierig das Erleben von Todesfällen gerade für junge Menschen ist.“

„Es sind nach Alter gestaffelte Gruppen geplant“, referierte Anke Sieg-Knoop, Diplompädagogin bei den ambulanten Hilfen der Stiftung Loher Nocken: „Kinder unter drei Jahren empfinden den Tod noch nicht als etwas Endgültiges, deshalb beginnen wir mit der Kindergruppe von vier bis zwölf Jahren, an die sich eine Jugendgruppe der Älteren anschließt. Obwohl die Stiftung Loher Nocken eine evangelische Einrichtung ist, legen wir auf religiöse Pluralität und Toleranz größten Wert.“

„Es ist von immensem Vorteil, dass wir in Ennepetal – etwa mit der Stiftung Loher Nocken, dem Mehrgenerationenhaus und nicht zuletzt mit den Johannitern – zahlreiche Einrichtungen besitzen, welche gute Voraussetzungen für ein soziales Miteinander schaffen“, zeigte sich Christian Zink stolz auf seine Stadt. „Da wir unsere Kosten für die Ausbildung der Helfer und die Anschaffung von Verbrauchsmaterialien über Spenden und Sponsoren decken, sind wir auch für Rückmeldungen aus dieser Richtung sehr dankbar“, versicherte Doris Gringel. In Schreiben grüßten die Henri Thaler-Vereinsvorsitzenden Edda Eckhardt und Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen die „Lacrima“-Aktiven.