Veterinäramt entzog kerngesunde Hunde

Ein idyllischen Leben im Wald musste Schäferhund „Bundy“ gegen diesen Drahtzwinger im Tierheim Witten eintauschen. Das Kreisveterinäramt will es so. (Foto: Privat)

Ennepetal/Schwelm. (zico) Eberhard Brakelsberg ist ein Mensch, der ein wenig abseits der gesellschaftlichen Norm lebt. Am Rande des Waldes an der Kölner Straße in Ennepetal hat er sein ganzes Leben zugebracht, das nun 50 Jahre währt. Sein Haus, das von zahlreichen, meist reparaturbedürftigen Autos umgeben ist, hat er geerbt. Als gelernter Werkzeugmacher schlug er sich meist mit Gelegenheitsarbeiten durch; derzeit lebt er von Rücklagen. Eberhard Brakelsberg liebt es, in seiner Werkstatt an seinen Autos herum zu schrauben. Er liebt die Natur, und er liebt seine Tiere – drei Katzen teilen mit ihm und seiner Lebensgefährtin Nicole Frohwein-Rach das Haus. Und bis vor kurzem hatte das Paar auch drei Hunde. Zwei davon hat ihm das Kreisveterinäramt nun genommen und ins Tierheim nach Witten verbracht.

Nicole Frohwein-Rach und Hovawart Findus, der an einer Seilkonstruktion gut 50 Meter Auslauf genießt. Ihn beließ das Kreisveterinäramt im Unterschied zu zwei weiteren Hund bei Eberhard Brakelsberg und seiner Lebensgefährtin. (Foto: Frank Schmidt)

„Am 17. Januar kamen sie“, berichtet Brakelsberg, der sich immer wieder verständnislos mit der Hand durchs Gesicht und die grau werdenden Haare fährt, „sechs Leute waren es – zwei Polizisten, zwei vom Veterinäramt und zwei vom Tierheim. Ohne irgendein Schriftstück oder eine sonstige behördliche Anordnung haben sie unseren Schäferhund Bundy und den Neufundländer Teddy in einen Transporter gesteckt und einfach nach Witten gebracht.“ Einen weiteren Hund, den Hovawart Findus, beließen sie bei Eberhard Brakelsberg und Nicole Frohwein-Rach. „Der ist ein wenig problematisch, sehr misstrauisch gegenüber Fremden“, wittert Nicole Frohwein-Rach den Grund für die unterschiedliche Behandlung der Tiere: „Die Leute vom Tierheim wollten wohl nicht gebissen werden.“

Vorausgegangen waren eine anonyme Anzeige und mehrere Besuche von Mitarbeitern des Kreisveterinäramtes seit März 2011. „Die haben gesagt, die Tiere seien nicht artgerecht untergebracht, weil die Hundehütten zu klein seien. Aber meine Hunde schlafen ohnehin nicht gern in Hundehütte – Teddy ruht sich am liebsten in meiner Werkstatt aus, und Bundy in einem Kellerraum. Außerdem haben wir eins der Autos so hergerichtet, dass es dort gemütlich ist“, verweist Brakelsberg auf einen in Absprache mit dem Kreis-Veterinäramt mit Decken ausgekleideten Daihatsu, bei dem er eigens die Rückbank ausgebaut hat, damit ein Hund dort bequem liegen kann. Für Findus gibt es sogar ein Zimmer im Haus.

Eberhard Brakelsberg und Nicole Frohwein-Rach vor einem verwaisten Unterstand, der ihren zwangsentzogenen Hunden ebenfalls Unterschlupf bot. (Foto: Frank Schmidt)

Bei einem Besuch jedoch war der Kellerraum feucht, weil es kurz zuvor einen Rohrbruch gegeben hatte, dessen Folgen das Paar gerade zu beseitigen hatte. Und in der Werkstatt rieche es nach Motoröl, was die Gesundheit des Neufundländers beeinträchtige, wurde Brakelsberg vorgeworfen. „So ein Quatsch – Motoröl riecht nur dann, wenn es durch den laufenden Motor warm wird. Aber ich lasse ja keine Motoren in der Werkstatt laufen“, beteuert der Waldbewohner.

Für ihn ist die Angelegenheit ein Fall von Willkür, zumal der Zustand der Tiere für sich spricht. Alle drei Hunde sind um die zehn Jahre alt, der Neufundländer sogar schon etwas älter. „Er ist älter als es der durchschnittlichen Lebenserwartung für diese Rasse entspricht. Es gibt keinerlei Anhaltspunkte für eine Schädigung, Gesundheitsgefährdung oder gar Misshandlung der Tiere – dies müsste aber nach Paragraph 16a des Tierschutzgesetzes vorliegen, um einem Halter ein Tier entziehen zu dürfen“, wundert sich Anwältin Birgitt Krämer-Zander, die die rechtlichen Interessen von Eberhard Brakelsberg und Nicole Frohwein-Rach vertritt.

Eberhard Brakelberg zeigt die vom Veterinäramt bemängelte Hundehütte. „In eine Hundehütte gehen meine Tiere ohnehin nicht gern“, führt der 50-jährige Ennepetaler ins Feld. (Foto: Frank Schmidt)

Damit die Hunde genug Auslauf haben, hatte Brakelsberg sogar in luftiger Höhe drei 50 Meter lange Drahtseilkonstruktionen zwischen Bäumen gespannt, die den Tieren weitreichend Auslauf gewährten, dennoch aber verhinderten, dass sie, ihren Instinkten folgend, zum Beispiel einer Beute nachjagten.

Eberhard Brakelsberg und Nicole Frohwein-Rach möchten ihre Tiere unbedingt zurück haben und machen sich derzeit große Sorgen um die Gesundheit der drei Hunde. Denn im Tierheim Witten sind die Hundehütten ebenfalls kleiner als vom Veterinäramt gefordert, und darin aufhalten mögen sich die Hunde ohnehin nicht. Also schlafen sie auch bei den zuletzt bitterkalten Temperaturen auf dem Betonboden, wie ein Bekannter, der das Tierheim unter einem Vorwand aufsuchte, Brakelsberg berichtete.

Das Grundstück des Bastlers Eberhard Brakelsberg entspricht nicht unbedingt der gesellschaftlichen Norm. Doch seine Hunde haben sich hier zehn Jahre lang pudelwohl gefühlt. (Foto: Frank Schmidt)

Dem 50-jährigen Besitzer selbst wurde sogar ein Besuch seiner Hunde verwehrt, wie aus einem vor wenigen Tagen ausgestrahlen Bericht des WDR hervor geht. Man wolle durch den Besuch bei den Tieren nicht die Hoffnung erwecken, dass sie das Herrchen nun nach Hause begleiten dürfen und emotionalen Stress vermeiden, hieß es von Seiten des Tierheims in dem Fernsehbericht, der den Standpunkt Eberhard Brakelsbergs im übrigen deutlich untermauert.

„In der kommenden Woche wird nun in einem Eilverfahren gerichtlich entschieden, ob Brakelsberg seine Hunde erst einmal zurück bekommt“, so Anwältin Krämer-Zander. Einen Termin für die Hauptverhandlung gibt es noch nicht. Unterdessen hat man Eberhard Brakelsberg mittlerweile auch andere Behörden wie Forstamt, Ordnungsamt und Bauordnungsamt auf den Hals gehetzt. Es scheint, als störe sich jemand an dem freien, naturnahen Leben, das der Tierfreund am Waldrand führt. Doch Brakelsberg will seine Hunde zurück erhalten, wie ein Löwe darum kämpfen – und sich im Übrigen seine Existenz, die ihn ein halbes Jahrhundert geprägt hat, nicht kaputt machen lassen!

Vom Kreisveterinäramt war zur Sache im Übrigen keinerlei Stellungnahme zu erhalten. Zur Begründung hieß es aus dem Schwelmer Kreishaus, dass es sich „um ein laufendes Verfahren handele“…