Vfl Bochum erzielt Rekord

EN-Kreis/Bochum. (zico) Nach einem turbulenten, sportlich schwachen Start in das Nach-Abstiegsjahr mit dem Rücktritt des bis dato allgewaltigen Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Altegoer hat Cheftrainer Friedhelm Funkel die Trendwende geschafft. Mit zwölf Siegen in Folge stellte er mit seiner Mannschaft sogar einen neuen Rekord für den VfL Bochum auf und klopft nun doch noch an die Tür der Fußball-Bundesliga an. Der wochenkurier sprach mit dem 57-jährigen, der wie kein zweiter Coach das Image des Vereins, geprägt von harter, ehrlicher Arbeit, personifiziert:

wochenkurier: Herr Funkel, Ihre Mannschaft ist seit nunmehr zwölf Spielen hintereinander ungeschlagen und belegt in der 2. Bundesliga derzeit den vierten Platz, punktgleich mit Fürth, dem Inhaber des dritten Rangs, der zur Teilnahme an den Relegationsspielen berechtigt. Wie beurteilen Sie aktuell die Chancen auf den direkten Wiederaufstieg?

Friedhelm Funkel: Die sind auf jeden Fall vorhanden. Wir haben zuletzt 30 von 36 möglichen Punkten eingefahren. Sollten wir diesen Schnitt beibehalten können, werden wir unser großes Ziel erreichen.

Zu Beginn der laufenden Saison sah es zunächst nicht danach aus, als könnte der VfL ein sechstes Mal das Ziel „direkter Wiederaufstieg“ anvisieren. Obwohl nach dem Abstieg eine Vielzahl von Spielern im Kader blieb, die über reichlich Bundesligaerfahrung verfügten, nahmen sie einen Umbau vor und integrierten junge Leute wie Vogt und Ostrzolek. Wie kamen Sie zu diesem mutigen Entschluss?

Nach dem Ingolstadt-Spiel war klar, dass wir etwas verändern mussten. Vielen steckte der Abstieg tiefer in den Knochen, als wir das vermutet hatten. Zudem waren einige unzufrieden mit ihrer aktuellen Situation. Man kann aber nur erfolgreich sein, wenn die Spieler eng zusammenrücken und als echte Gemeinschaft auftreten. Also reifte der Entschluss, den Kader zu verkleinern. Das war natürlich nicht einfach, doch unbedingt notwendig, damit sich die Mannschaft findet. In Bezug auf die jungen Spieler kann ich sagen: Wir haben die Jungs behutsam an das Zweitliganiveau herangeführt, und im November waren sie dann so weit, dass man sie bedenkenlos bringen konnte. Das hatte also weniger was mit Mut, sondern eher mit Überzeugung zu tun.

Des einen Freud‘, des anderen Leid: Spieler wie Freier, Federico, Concha, Pfertzel oder zwischenzeitlich gar Maltritz rückten auf die Bank, und selbst Top-Torjäger Chong Tese hat keinen Anspruch auf einen Stammplatz. Wie reagieren diese Akteure, die ja eigentlich den Anspruch an sich stellen dürften, in der 2. Bundesliga erste Wahl zu sein? Bringt der erfolgreiche Umbau der Teamhierarchie nicht auch Unruhe mit sich?

Man muss bei den vielen Namen, die sich gerade genannt haben, sicherlich differenzieren. Trotz der vielen jungen Spieler wie Kevin Vogt, Matthias Ostrzolek, Björn Kopplin, Andreas Luthe oder Mirkan Aydin besteht die Achse der Mannschaft in erster Linie aus erfahrenen Kräften wie Christoph Dabrowski, Marcel Maltritz oder Anthar Yahia. Auch Slawo Freier würde sicherlich gute Chancen haben, von Beginn an zu spielen, wenn er eben nicht gerade verletzt wäre. Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass bei uns momentan die Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern stimmt.

Reicht denn die Qualität der Mannschaft, um auch in der Bundesliga zu bestehen? Im Abstiegsjahr hatte das Team bekanntlich erhebliche Probleme, um vor allem vor eigenem Publikum das Spiel zu machen…

Das ist momentan nicht unser Thema. Wir als Mannschaft konzentrieren uns voll darauf, erst einmal den Aufstieg zu schaffen. Sollten uns das gelingen, schauen wir weiter. Sie können uns glauben, wir haben für beide Fälle Konzepte in der Schublade.

Herr Funkel, Sie behaupten sich seit rund 20 Jahren mit harter, ehrlicher Arbeit im Trainergeschäft; betreuen meist Mannschaften, die nicht auf der Sonnenseite des Profigeschäfts stehen und konnten unter anderem fünf Erstliga-Aufstiege mit ihren Teams feiern. Würde es Sie nicht auch einmal reizen, zu einer absoluten Top-Adresse der Bundesliga zu wechseln, und hatten Sie im Laufe ihrer Karriere entsprechende Angebote?

Ich bin sehr zufrieden, wie meine Karriere als Trainer verlaufen ist. Mit meinen Mannschaften habe ich zweimal im Pokalfinale gestanden und auch zweimal Europapokal gespielt. Und auch beim VfL fühle ich mich sehr wohl. Wir haben ehrgeizige Ziele, und darauf konzentriere ich mich. Wenn mir einer Anfang der 90-er Jahre gesagt hätte, dass ich 20 Jahre als Cheftrainer in der Bundesliga vor mir habe, dann hätte ich ihn für verrückt erklärt. Bochum ist jetzt meine siebte Station, und überall wo ich gearbeitet habe, werde ich sehr herzlich empfangen. Das macht mich schon sehr stolz und glücklich.