Waltraud wuselte witzig durch die runderneuerte „Spaßkasse“

Der symbolische Schlüssel zur „neuen Sparkasse“ wechselt den Besitzer: (von rechts) Architekt Josef Rotthoff, der neue Vorstand Michael Lindermann, sein Vorgänger Roland Zimmer, Vorstandschef Lothar Feldmann und Moderator Thomas Gerres. (Foto: Frank Schmidt)

Schwelm. (zico) „Ich werde jetzt erstmal meine Frau kennen lernen“, scherzte der scheidende Sparkassen-Vorstand Roland Zimmer an jenem Tag, an dem das offizielle Schwelm im Rahmen eines ebenso kurzweiligen wie stilvollen Empfangs Bekanntschaft mit etwas anderem machte – der neuen Schwelmer Sparkassen-Hauptstelle, die zu Beginn dieser Woche ihren Betrieb aufnahm. Es war vor allem Zimmers Projekt, um das sich der heute 60-Jährige seit 2009 intensiv gekümmert hat und welches das Geldinstitut in eine neue Epoche führt (siehe auch wochenkurier vom 13. April).

„Die Schwelmer sollen sehen, dass wir den Umbau für die Menschen vollzogen haben“, drückte Lothar Feldmann, Vorstandsvorsitzender, vor den geladenen Gästen, darunter Landrat Dr. Arnim Brux und Bürgermeister Jochen Stobbe, seine größte Hoffnung aus. Denn so schön das Ambiente am Bürgerplatz mit dem neuen Konzept auch ist, eine Kröte müssen die Schwelmer bekanntlich schlucken: Die vier Zweigstellen der Sparkassen – Oberloh, Winterberg, Möllenkotten und Barmer Straße – fallen weg. Nicht wegbrechen jedoch sollen deshalb Kunden, die bislang in den mit zwischen 500 und 1.200 Metern Entfernung doch recht nahe gelegenen Filialen ihre Sparkassengeschäfte tätigten. „Schon deshalb wechseln alle den Kunden vertrauten Berater aus den Außenstellen in das neue Schmuckstück am Bürgerplatz“, versprach Lothar Feldmann.

„Es galt, die Sparkasse zukunftsfähig zu machen“ – dies wurde in den von N-TV-Moderator Thomas Gerres moderierten Gesprächen mit Lothar Feldmann, Roland Zimmer und dessen Nachfolger Michael Lindermann immer wieder deutlich. Schwelm ist die flächenmäßig kleinste Stadt in Nordrhein-Westfalen, verbucht abnehmende Bevölkerungszahlen, deren Geldgeschäfte sich mit der Zeit geändert haben und weiter ändern werden – man denke an das „Online-Banking“ am Computer zu Hause. Sparen wird die Sparkasse daher mit dem Wegfall der Filialen – nicht aber an ihren hohen Standards, die sie zum deutlichen Marktführer unter den Geldinstituten auch in der Kreisstadt gemacht haben: Die hohe Beratungskompetenz, der soziale Charakter, der das Selbstverständnis der Sparkasse prägt, der Anspruch, Arbeitsplätze zu erhalten und Ausbildungsbetrieb zu sein und nicht zuletzt die Hoheit über die Geldgeschäfte in Schwelm, über die nicht irgendwo in Frankfurt, sondern eben in der Kreisstadt entschieden wird.

Informationen, die im Rahmen eines unterhaltsamen Rahmenprogramms gereicht wurden. Moderator Thomas Gerres versprühte viel Witz, wurde freilich noch übertroffen von Esther Münch, die zunächst als Putzkraft Waltraud Ehlers durch die Reihen wuselte, dass kein Auge trocken blieb. Zum Schluss entledigte sie sich ihres Playtex-Zauberkreuz-BHs, um mit „Oh happy day“ einen in jeder Hinsicht überzeugenden Ausschnitt aus ihrem gesanglichen Können zu geben. „Machen Sie denn dann auch beim Bringdienst mit, in so‘n schicken Spaßkassenauto?“ wollte die schlagfertige Bochumerin zwischendurch vom neuen Vorstand Michael Lindermann wissen, und der aus Mülheim an der Ruhr nach Schwelm Gezogene konnte gar nicht anders, als der fleißigen Waltraud individuelle Betreuung zuzusichern.

Eigentlich gedacht aber ist der kostenlose Bargeld-Bringdienst für jene, die den weiteren Weg zur Sparkasse in der Fußgängerzone aus gesundheitlichen Gründen nicht auf sich nehmen können – jene also, für die der Verlust ihrer bisherigen Filiale ein besonderer Einschnitt ist. Diese Personen können sich unter Ruf (02336) 917-0 mit ihrem Berater verbinden sich ihr Bargeld zum vereinbarten Termin liefern lassen. Klar, dass dieser Service diskret und in neutralen Autos erfolgt

Ihnen entgeht freilich die Wohlfühl-Atmosphäre in der „neuen“ Sparkasse, die von den Gästen beim Empfang noch lange in Anspruch genommen wurde. Unter den Klängen der Feuerwehr-Bigband mit Sängerin Luisa plauderte man über die den Schwelmer Nachbarschaften gewidmeten Beratungsbüros, die freundliche Empfangskultur und die einzigartigen SB-Terminals, die vom Architekten Josef Rotthoff besonders heraus gestrichen wurden. Rotthaus überreichte nicht nur einen schmuckvollen Schlüssel für die runderneuerte Sparkasse, sondern auch einen Scheck über 500 Euro für den von der Sparkassen-Stiftung getragenen Kindergarter „Kleiner Häwelmann“. Verwaltungsratsvorsitzender Klaus Peter Schier freute sich hingegen darüber, dass die Umstrukturierung keinen einzigen Arbeitsplatz gekostet hat und die Nähe zum Kunden gewahrt bleibt – wenn auch nicht mehr ganz so eng wie im provisorischen Container, der in der Bauzeit in der Fußgängerzone genutzt worden war, wie Bürgermeister Jochen Stobbe in seiner launigen Ansprache treffend beschrieb.

So kann sich Roland Zimmer nun beruhigt in den Ruhestand verabschieden und „mit seine Frau kloppen“, frozzelte Waltraud Ehlers. Denn „zum Streiten haben wir uns bislang zu selten gesehen“, hatte Zimmer, der seinem Nachfolger Michael Lindermann ein Fernrohr für allzeitigen Überblick mit an die Hand gab, zuvor bekannt.