Wenn der Ritt in den Lenz lockt

Wilhelm Jansen, Vorsitzender des Märkischen Reit- und Fahrvereins Haßlinghausen, sieht seinen Sport im Aufwind. (Foto: Stefan Scheler)

Sprockhövel. (Sche) „Du darfst ihn nicht laufen lassen“, korrigiert Sabine Thamm einen jungen Reiter, dem gerade „der Gaul durchgeht“: „Das Pferd immer nach innen gestellt lassen.“ Die Reitlehrerin weiß, dass die Pferde im Märkischen Reit- und Fahrverein Haßlinghausen ausnahmslos gutmütig sind. Wenn so ein Lehrpferd also davonrennt, muss der Mensch im Sattel etwas falsch gemacht haben. In diesem Fall waren die Zügel viel zu lang, und das Tier konnte den Kopf gerade stellen; gleichsam eine Aufforderung zum starken Galopp.

Sabine Thamm leitet seit zehn Wochen die Kurse in der Haßlinghauser Herrmann-Owermann-Reithalle und auf den Außenplätzen. Vorher brachte sie beim Reitverein Gevelsberg im dortigen Ortsteil Silschede jungen Menschen den Umgang mit den großen Vierbeinern bei. „Seltsam ist, dass die Mädchen in den Kursen fast unter sich sind“, sinniert die 50-Jährige: „Dabei ist das doch auch für Jungen ein spannender und herausfordernder Sport.“

Die Leidenschaft für Pferde packte Sabine Thamm schon als Kind. Seit 15 Jahren bildet sie den Nachwuchs aus, und man merkt ihr die Erfahrung an. „Wir verlieren viel Zeit, wenn ihr das nicht selbst macht“, verbessert sie nach den ersten Runden der Reitabteilung den Sitz von Sattelgurten und Ausbindezügeln: „Das müsst ihr vor der Reitstunde selbst kontrollieren.“ Die Kinder und Jugendlichen sollen früh lernen, dass der von ihnen gewählte Sport viel Verantwortung für die Tiere und Disziplin im Umgang mit den zahlreichen Ausrüstungsstücken erfordert. „Sonst kann es nämlich gefährlich werden“, warnt Sabine Thamm: „Reiten ist aber, wenn man es mit Verstand betreibt, eine der schönsten und erfüllendsten Sportarten.“

Reitlehrerin Sabine Thamm korrigiert in einer Unterrichtspause den Sitz der Gurte. Das sollte der junge Herr eigentlich selbst können. (Foto: Stefan Scheler)

Beim Abteilungsreiten in der Haßlinghauser Halle erfahren die sechs Mädchen und der eine Junge nun, was man alles falsch machen kann. „Jetzt läuft er dir weg“, kommentiert die Reitlehrerin das Verlassen des Zirkels, eines gedachten Kreises, auf dem der Schüler sein Pferd galoppieren lassen sollte: „Wenn du ihn nicht ständig nach innen gestellt lässt, nützt dir das Ziehen am inneren Zügel gar nichts mehr.“ Auch das richtige Umsitzen bei Richtungswechseln im Trab gelingt noch nicht immer. Ständig hört man Kommandos wie: „In die Ecken reiten, Zügel-Verbindung mit dem Pferdemaul halten, Hände zusammen, fleißig reiten und nicht langsamer werden.“ Da kommt man im Sattel schon kräftig ins Schwitzen und widerlegt das Vorurteil von Nichtreitern, das sei ja gar kein Sport, weil „man da nur auf dem Pferd sitze“.

Allen Beteiligten macht es offenbar riesigen Spaß, und an der Tür zur Stallgasse wartet schon die nächste Abteilung, neun Teilnehmer stark. „Ich würde heute gern draußen reiten“, wünscht sich die 12-jährige Maya Liedtke: „Schon seit sieben Jahren betreibe ich diesen Sport; ein halbes Jahr hier in Haßlinghausen.“ Man sieht, das Altersgefüge nach unten scheint nur durch die Fähigkeit begrenzt zu sein, sich im Sattel halten zu können; nach oben ist es übrigens ebenso. Allzu teuer kommt das Hobby, sofern man es auf Lehrpferden ausübt, auch nicht. Für den Preis dreier Bundesliga-Karten kann man zehnmal das Glück der Erde erleben, welches nach einem alten Sprichwort auf dem Rücken der Pferde liegt. Fragen nach Einzelheiten beantwortet Sabine Thamm gern unter Ruf 01 77 / 3 10 29 67.

„Wir sind sehr froh, mit unserer neuen Reitlehrerin jemanden gefunden zu haben, der die Jugendarbeit optimiert“, ist Vereinsvorsitzender Wilhelm Jansen mit der neuen Kraft zufrieden: „Neben dieser Basisausbildung fördern wir mit verschiedenen Trainern unsere Turnierreiter, die auf kreis- und landesweiten Wettkämpfen immer vordere Plätze belegen.“