WestLB bremst Sparkasse aus

Die Sparkassen-Vorstände Thomas Biermann (links) und Michael Hedtkamp zeigten sich mit der Bilanz 2010 vollauf zufrieden. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) Als Vorstandsvorsitzender Thomas Biermann und Vorstand Michael Hedtkamp in der Gevelsberger Sparkassen-Hauptstelle an der Mittelstraße vor wenigen Tagen die Jahresbilanz für 2010 vorstellten, tagten in Düsseldorf Politiker und Finanzexperten, um über die Zukunft der WestLB zu beraten. „Eine Entwicklung, die auch für uns äußerst interessant ist“, sah Thomas Biermann sein Institut auf der Seite der unmittelbar Betroffenen: „Auf die Sparkassen kommen Rücklagenforderungen für die Risikoabschirmung zu.“ Das könne im Extremfall für die Gevelsberger Sparkasse bis zum Jahr 2034 einen Betrag von 8,5 Millionen Euro aus dem versteuerten Gewinn bedeuten. Die Krise der Landesbank drückte den Jahresüberschuss der Stadtsparkasse Gevelsberg von 1,7 Millionen Euro in 2009 auf 1,4 Millionen Euro im abgelaufenen Bilanzjahr.

Dennoch stimmt das insgesamt positive Geschäftsergebnis aus 2010 die Gevelsberger Sparkassenführung sehr zufrieden. „Wir verzeichnen in fast allen Geschäftsbereichen ein deutliches und nachhaltiges Wachstum“, berichtete der Vorsitzende nicht ohne Stolz: „Dabei hatten wir die größte Wirtschafts- und Finanzkrise der Nachkriegszeit zu meistern.“ Die Anleger hätten von den mit erheblichem Risiko behafteten Anlagen des schnellen Geldes zum soliden Wirtschaften der Sparkassen zurückgefunden. „Die Kunden schätzen unsere räumliche Nähe“, erklärte es Thomas Biermann: „Auch emotionale Bindungen an die Heimatstadt und der gute Kontakt zu unseren Mitarbeitern tragen zu dieser Entwicklung bei.“

In Zahlen drückt sich dies folgendermaßen aus: Die Kundeneinlagen vermehrten sich nach einem nur leichten Anstieg um 1,7 Prozent im Jahr 2009 nun um 5,8 Prozent, was einem absoluten Zuwachs von 553,3 Millionen Euro auf 585,4 Millionen Euro entspricht. „Nach den Finanzexperimenten der Jahre vor der großen Krise suchen die Kunden nun wieder den ,sicheren Hafen‘ der Sparkasse“, interpretierte der Sparkassen-Chef diese Zahlen: „Das Wertpapiergeschäft war dagegen rückläufig, erholt sich aber im Moment schon wieder.“

Insgesamt steht einer nur schwachen Steigerung der Bilanzsumme in 2009 um nur 0,2 Prozent von 756,7 Millionen Euro auf 757,9 Millionen Euro ein satter Zuwachs von vier Prozent in 2010 gegenüber. Das Gesamtvolumen erhöhte sich dabei auf 788,3 Millionen Euro. „Der Motor dieser Entwicklung waren die Kundeneinlagen“, freute sich Thomas Biermann: „Das Sparen ist den Kunden im Hinblick auf ihre finanzielle Sicherheit augenscheinlich sehr wichtig.“

Auch bei der Aufnahme von Krediten vertrauen die Gevelsberger offenbar ihrer Sparkasse. Insgesamt haben sie 22,8 Millionen Euro – das sind 4,4 Prozent – mehr Geld aufgenommen als 2009; damals waren es absolut 520,7 Millionen Euro, in 2010 dagegen 543,5 Millionen Euro. Der Löwenanteil der Summe liegt bei den langfristigen Krediten, die von 446,7 Millionen Euro auf 467,1 Millionen Euro um 4,6 Prozent kletterten. „Unternehmer und Selbstständige fragen die Mittel vermehrt nach“, kommentierte der Vorstandsvorsitzende diese Zahlen: „Bei Neubauten besteht in Gevelsberg dagegen eine spürbare Zurückhaltung, vermutlich wegen der ungünstigen Preisentwicklung.“

700 Befragte erteilten den Leistungen der Stadtsparkasse Gevelsberg zu 60 Prozent die Note „gut“; sehr zufrieden waren sogar 16 Prozent. „Das liegt auch am sozialen Engagement unseres Hauses“, wies Michael Hedtkamp auf die Pflichtaufgaben eines öffentlichen Finanzinstituts hin: „542.000 Euro kommen gemeinnützigen Projekten zugute.“