Wiedereinstieg in den Job: Qualifikation ist wichtig

EN-Kreis. Der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW belegt: Je besser qualifiziert Arbeitslose sind, umso leichter finden sie zurück auf den Arbeitsmarkt. Doch wer Hartz IV bezieht, profitiert kaum von beruflichen Weiterbildungsangeboten.

Im Ennepe-Ruhr-Kreis hatten im Dezember 2017 5.649 der insgesamt 10.310 Arbeitslosen keine abgeschlossene Berufsausbildung. Während Fachkräfte in der Regel schnell eine Stelle finden, ist die Situation für Geringqualifizierte fast aussichtslos. So lag die Arbeitslosenquote von Ungelernten im Ennepe-Ruhr-Kreis im Jahr 2017 mit 21,1 Prozent deutlich über der allgemeinen Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent. „Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt können wir nur mit Aus- und Weiterbildungen erhöhen“, so der Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege im Ennepe-Ruhr-Kreis, Jochen Winter. Auch wenn der Fachkräftemangel in NRW derzeit noch berufsspezifisch und regional begrenzt sei, klagten Arbeitgeber über zunehmende Probleme, Stellen zu besetzen.

Doch obwohl rund 68 Prozent der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können, sind geringqualifizierte Arbeitslose im Hartz-IV-System von beruflichen Aus- und Weiterbildungen weitgehend ausgeschlossen. Zwischen November 2016 und Oktober 2017 entfielen nur 2,9 Prozent der Zuweisungen in Fördermaßnahmen auf Maßnahmen zur Berufswahl, Berufsbildung oder beruflichen Weiterbildung. Im System der Arbeitslosenversicherung waren es im gleichen Zeitraum hingegen 29,1 Prozent, obwohl Empfänger von Arbeitslosengeld aus der Arbeitslosenversicherung im Ennepe-Ruhr-Kreis vergleichsweise besser qualifiziert sind.

„Diese Zahlen spiegeln Verfehlungen in der Arbeitsmarktpolitik des letzten Jahrzehnts wider“, kritisiert Winter. „An- und ungelernte Arbeitslose müssen viel mehr Angebote zur beruflichen Weiterbildung erhalten, die ihnen idealerweise konkrete Perspektiven auf einen Berufsabschluss eröffnen.“ Dazu seien neue Konzepte nötig, die die Wünsche und Talente von Menschen im verfestigten Hartz IV-Bezug berücksichtigten, etwa handwerkliches Geschick und Kreativität. Gleichzeitig benötigten sie aufgrund von problembelasteten Biografien, fehlenden Schulabschlüssen, wenig Lernerfahrung oder schlechten Deutschkenntnissen begleitende Unterstützung.

Die Freie Wohlfahrtspflege im Ennepe-Ruhr-Kreis fordert, mehr in die Qualifizierung insbesondere von un- und angelernten Arbeitslosen zu investieren und die Mittel dafür deutlich zu erhöhen. „Genau dort, wo die Not der Menschen und die Potentiale zur Fachkräfteentwicklung besonders groß sind, wird am wenigsten investiert. Das widerstrebt nicht nur jedem natürlichen Gerechtigkeitsempfinden, sondern auch der Vernunft“, so der Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege im Ennepe-Ruhr-Kreis. Für viele Arbeitslose, aber auch etliche prekär beschäftigte Menschen – darunter viele Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchtete – kann nach Ansicht der Freien Wohlfahrtspflege im Ennepe-Ruhr-Kreis eine nachholende Berufsausbildung oder abschlussbezogene Weiterbildung ein wichtiger Baustein zu Integration und Teilhabe sein.

Mehr anschlussfähige zwei- und dreijährige Ausbildungsgänge, geförderte Umschulungen, Teilzeitausbildungen sowie Vorbereitungskurse auf die Externenprüfung bieten sich hierzu als Wege an. Die Freie Wohlfahrtspflege EN sieht Handlungsbedarfe für alle Beteiligten, auch für die Träger beruflicher Weiterbildung. Für die Gemeinschaftsaufgabe einer nachhaltigen Integration in den Arbeitsmarkt hält sie einen Runden Tisch unter Beteiligung des Landrates für dringend geboten, um die Aktivitäten vor Ort nachhaltig anzulegen.