Wird Milspe zur Geisterstadt?

Ann Kathrin und Natalie (von links) fänden eine lebendigere Milsper Innenstadt - vielleicht auch wieder mit Autos -attraktiver als den Ist-Zustand. (Foto: Stefan Scheler)
Ann Kathrin und Natalie (von links) fänden eine lebendigere Milsper Innenstadt – vielleicht auch wieder mit Autos -attraktiver als den Ist-Zustand. (Foto: Stefan Scheler)

Ennepetal. (Sche) „Erkennen Sie an, dass Ihnen Ihr Bürgermeister die Hand reicht“, appellierte Frank Heinze, Strategieberater und Moderator einer Veranstaltung zum Auftakt des Milsper Innenstadtdialogs vor wenigen Tagen an die rund 110 Zuhörer: „Den Auftritt ihres Stadtteils müssen Sie allerdings wesentlich verbessern.“

Zum Beweis zeigte der Betreiber eines Beratungsbüros in Dortmund ein Foto mit einem kleinen und ziemlich verlassen wirkenden Dönerladen an der Voerder Straße. Hier müsse sich vieles zum Positiven verändern; darin waren sich alle Anwesenden mit Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen und der stellvertretenden Bürgermeisterin Anita Schöneberg einig. Nur das „Wie“ sorgte für hitzige Diskussionen, die der Referent ab und zu mit Hinweis auf sein Rederecht abschneiden musste. Das Konzept beruhte auf dem Stellen von Kernfragen, nach deren Erläuterung die Gäste auf konkrete Vorschläge mit grünen und roten Karten für Pro oder Kontra abstimmen konnten. Bis es soweit war, hatte die Debatte die Inhalte aber oft so weit aufgefächert, dass der rote Faden manchmal verloren zu gehen drohte.

Ein Leitmotiv war allerdings in der unterschiedlichen Bewertung des rigorosen Durchfahrverbots mit Kraftfahrzeugen zu erkennen. Während Mütter mit kleinen Kindern die Ruhe und Sicherheit in der Fußgängerzone durchweg anerkannten, bliesen die Händler und Gewerbetreibenden ins gegenteilige Horn. „Wir haben bis zu 50 Prozent Umsatzrückgang zu beklagen“, brachte eine Geschäftsinhaberin vor. „Ich möchte meine Einkäufe auch aus der Innenstadt fortschaffen können“, monierte eine motorisierte Rentnerin die ihrer Meinung nach zu große Entfernung zum Parkhaus. „Auch zum Busbahnhof muss man eine beachtliche Strecke laufen“, beschwerte sich eine Altersgenossin, die den öffentlichen Nahverkehr nutzt.

Zu Fragen, die sie bewegten, konnten die Teilnehmer am Innenstadtdialog mit roten und grünen Karten ihre Meinung ausdrücken. (Foto: Stefan Scheler)
Zu Fragen, die sie bewegten, konnten die Teilnehmer am Innenstadtdialog mit roten und grünen Karten ihre Meinung ausdrücken. (Foto: Stefan Scheler)

Von manchen Teilnehmern wurde die Nachbarstadt Gevelsberg als positives Beispiel dafür präsentiert, dass auch eine verkehrsberuhigte Zone mit schmalerer Fahrspur sowohl Fußgängern als auch Autofahrern nutzt und zudem die Innenstadt aufwertet. „Fahren sie einmal nach Gevelsberg“, lud der engagierte Bürger in die Nachbarstadt ein: „Da sitzen jetzt die Menschen in den Straßencafés, während hier in Milspe gähnende Leere herrscht.“

Dem schloss sich auch Moderator Heinze an, der allerdings zu bedenken gab, dass in Schwelm eine komplett für den Kraftverkehr gesperrte Fußgängerzone schon seit Jahrzehnten funktioniert. „Wichtig ist, dass Sie hier nicht gegeneinander arbeiten“, lautete sein Fazit nach etwa zweieinhalb Stunden überwiegend sachlich geführter Gespräche: „Vielmehr müssen Sie bei allen kontroversen Meinungen in der Sache zum Wohl ihrer Heimatstadt konstruktiv zusammenarbeiten.“ Dazu gehöre auch die Überwindung des „Kirchturmdenkens“. „Sie brauchen ein Oberzentrum für ganz Ennepetal“, dozierte der Experte: „Die Rivalität zwischen Voerde und Milspe bringt Sie nicht weiter.“

Der Verwaltung schrieb er bauliche Veränderungen ins Stammbuch, zum Beispiel im Areal rund um die Marktpassage. „Es geht nur gemeinsam“, wollte er als wichtigste Botschaft an Politik, Verwaltung und Bürger verstanden wissen: „Sonst haben Sie hier in einigen Jahrzehnten eine Geisterstadt.“