„Young Stars“: Wir leben hier – Ein Rückblick auf das Awo-Projekt

[1/2] Beim Projekt „Heimat-Kunde“ stellten die „Young Stars“ ihre jeweiligen Herkunftsländer den Bewohnerinnen und ­Bewohnern im Awo-Seniorenzentrum an der Kampstraße vor. Vom Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge wurde die „Heimat-Kunde“-Reihe

[1/2] Beim Projekt „Heimat-Kunde“ stellten die „Young Stars“ ihre jeweiligen Herkunftsländer den Bewohnerinnen und ­Bewohnern im Awo-Seniorenzentrum an der Kampstraße vor. Vom Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge wurde die „Heimat-Kunde“-Reihe

Gevelsberg. (saz) An ein Ehrenamt denken viele Menschen erst im etwas fortgeschrittenen Alter. Jugendliche haben nicht unbedingt die Zeit dafür und müssen erst motiviert werden. Dort sollte das „Young Stars“-Projekt der Awo ansetzen, welches sich an junge Migrantinnen und Migranten richtete.
Am 31. August sind die drei Jahre, für die das Projekt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wurde, vorbei. Zum Abschluss hat sich ein Redaktionsteam gegründet und rückblickend eine Broschüre entwickelt. Diese zeigt ihre deutsche Heimat aus ihrer eigenen Sicht und soll dazu auch andere Jugendliche für das Ehrenamt begeistern.
„Zu Beginn war ich etwas hilflos, wie ich das, was auf dem Papier steht, verwirklichen sollte“, gibt Rita Nachtigall zu. Sie betreute das Projekt anfangs von Hattingen aus.
Doch plötzlich lief es, wie die 58-Jährige sagt. „Immer wieder neue Jugendliche kamen dazu, es ging vielfältig und bunt zu und es gab viel Veränderung.“ Eine besonders wichtige Veränderung war, das im vergangenen Jahr die 32-jährige Patrycja Lüders zum Projekt hinzu stieß, welche die Hauptverantwortung übernahm und von Gevelsberg aus sozusagen die Fäden in der Hand hielt.
Projekt musste angepasst werden
Zunächst sollte sich das ­Projekt ausschließlich an junge Migrantinnen und Migranten richten, die schon einige Jahre in Deutschland leben. Sie sollten motiviert werden, sich in ihren Wohnorten zu engagieren.
Doch dann kam das, was gemeinhin als „Flüchtlingswelle“ bezeichnet wurde und das Projekt musste angepasst werden, denn es wäre, da sind sich Nachtigall und Lüders einig, unfair gewesen, die neu zugezogenen Jugendlichen nicht mit einzubeziehen.
„Das hat die Arbeit natürlich verändert“, erinnert sich Rita Nachtigall. „Vor allem die Sprachbarriere hat uns gefordert.“ Aber sie habe auch oft zu lustigen Momenten geführt. So dachte manch ein Jugendlicher vor dem Ausflug auf einen Bauernhof, dass dort ein Haus gebaut würde.
Helfende Hände und Freundschaften
Insgesamt 65 junge Migrantinnen und Migranten nahmen in den drei Jahren an dem Projekt teil, einige von ihnen sogar über den kompletten Zeitraum. In den drei Jahren hat sich eine Entwicklung abgezeichnet. Anfangs gab es sozusagen zwei Gruppen: die helfenden Hände und die, denen geholfen wurde. Im Laufe der Zeit entwickelten sich diejenigen, die hilfesuchend zu den „Young Stars“ kamen, weiter und konnten schließlich selbst zu helfenden Händen werden.
Auch auf persönlicher Ebene war das Projekt ein Erfolg: Man freundete sich an, verliebte sich und wurde zu einer fest zusammengewachsenen Gruppe.
Jugendliche aus Kulturen, die in ihrer Heimat womöglich verfeindet waren, haben dadurch, dass sie ein gemeinsames Schicksal teilen und fremd in einem Land sind, Vorurteile überwunden und Freundschaften geschlossen. Gemeinsame Aktionen schweißten das Team zusammen. Dazu gehörten nicht nur Radtouren oder Ausflüge zum Bauernhof, sondern auch Projekte, die die Jugendlichen mehr oder weniger eigenständig durchführen konnten.
Ausgezeichnetes „Heimat-Kunde“-Projekt
Besonders stolz sind die „Young Stars“ auf ihr „Heimat-Kunde“-Projekt in Kooperation mit dem Awo-Quartiersmanagement in der Südstadt und dem Awo-Seniorenzentrum an der Kampstraße, welches redaktionell vom Wochenkurier begleitet wurde. Das Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge zeichnete die „Heimat-Kunde“-­Nachmittage im Januar 2017 als „Projekt des Monats“ aus und stellte es im Internet vor.
Rückblickend schlossen sich die „Young Stars“ Diaa Alassaf, Lorelai-Daiana Oita, Edisnajda Shala und Natalia Slesarenka zu einem Redaktionsteam zusammen. Begleitet von der freien Journalistin Dr. Anja Pielorz haben sie eine Broschüre mit dem Titel „Wir leben hier“ zusammengestellt.
Darin stellen sie sich selbst, das Projekt und die Städte Gevelsberg, Schwelm, Ennepetal und Hattingen als ihr neues Zuhause vor. Hier kommt der Nachhaltigkeitsgedanke des Awo-Projektes zu tragen, denn mit der Broschüre sollen auch nach Abschluss des Projektes noch Jugendliche zum Ehrenamt motiviert werden.
„Sie sollen selber etwas in die Hand nehmen und sich in ihrer Stadt engagieren“, betont Rita Nachtigall. „Ehrenamt kann vieles sein, auch nur kleine Beiträge für die Gesellschaft. Das kann man auch mit seinen Freunden zusammen machen.“
Insgesamt 500 Stück sind in der ersten Auflage gedruckt worden, mehr können aber jederzeit nachproduziert werden. Zu finden ist die Broschüre unter anderem in Jugendzentren, Stadtbüchereien sowie verschiedenen sozialen Einrichtungen. Nach den Ferien soll sie auch in Schulen ausliegen.
Engagement kann etwas bewegen
„Natürlich wäre es schön, wenn alles weiterlaufen würde“, sind sich Lüders und Nachtigall einig. „Aber es war auch einfach schön, dieses vielfältige Projekt erlebt zu haben. Und wir hoffen, dass die Jugendlichen merken, dass sie etwas in ihrer Stadt bewegen können, wenn sie sich engagieren.“