„1, 2, 3, 4… – Hagen hat eine Stimme“

Mit Inbrunst dabei: Groß und Klein singen am „Day of Song“ am 2. Juni zur gleichen Zeit in vielen Städten. (Foto: RTG/ Manfred Vollmer)

Hagen. (AnS) „Singe, wem Gesang gegeben“ heißt es in letzter Zeit wieder häufiger. Während sich die alteingesessenen Männerchöre über fehlenden Nachwuchs beklagen, schießen musikalische Kinder- und Jugendprojekte fast wie Pilze aus dem Boden – so macht es jedenfalls den Eindruck. Und das nicht erst seit dem 2010 in NRW eingeführten „Day of song“.

Alle wollen mitsingen: Über 20.000 Kinder und Jugendliche und rund 30.000 Erwachsene übertreffen die Anmeldungen für den diesjährigen “Day of Song“ im Juni die Zahlen aus dem Kulturhauptstadtjahr 2010 mit 760 Gruppen und rund 25.000 Teilnehmern deutlich.

Aber auch in der Volmestadt tut sich einiges. Allein im letzten Jahr wurden von der Musikschule Hagen fünf neue Singklassen an Hagener Grundschulen gegründet bzw. geplant. Alte und neue Lieder stehen auf dem Programm und die Kinder sind meist mit viel Enthusiasmus dabei. Mit Inbrunst singen sie das „Lied der Freude“ genauso wie moderne Stücke, an anderen Orten stehen sie in Musicals auf der Bühne, üben sich in Gesang, Schauspiel und Tanz.

Hagen singt

Singen ist Medizin, Glück, für die Seele, bringt Energie und schafft Leichtigkeit. In diesen Punkten sind sich die Teilnehmer des „Day of song“ einig. 775 Singwillige sind es in Hagen, die am 2. Juni mit vielen Begeisterten aus 52 weiteren Städten um 12.10 Uhr mehrere Lieder, darunter „Glück auf“ und „Ein schöner Tag“ (Amazing Grace), anstimmen. Dirigiert wird Hagens großer Chor, bestehend unter anderem aus Kirchenchören, Schulen, Kitas und Männerchören der Stadt, von Generalmusikdirektor Florian Ludwig höchstpersönlich. Auch der Philharmonische Chor und das Orchester sind auf dem Friedrich-Ebert-Platz mit dabei, wenn es wieder heißt: „1, 2, 3, 4…Hagen singt!“

Schüler singen

„Singen ist die eigentliche Muttersprache des Menschen,“ hat einst der weltberühmte Musiker Yehudi Menuhin gesagt. Warum dann nicht schon die Kleinen für Gesang begeistern? Welches Kind trällert nicht gern? Nach „Jedem Kind ein Instrument“ heißt es jetzt „JeKiSti“, das vielerorts – nach Münsteraner Vorbild – „Jeki“ um die Stimme ergänzt. In der Volmestadt sind es fünf Singklassen, die nach einem ähnlichen Konzept arbeiten. An den Schulen wird weniger gesungen, JeKiSti baut dem entgegen. “Aber das ist alles nicht so einfach“, weiß Helmut Schröder, Hagens Musikschulleiter. In Zeiten von Sparzwang und neuer Schulpolitik hätten die Kommunen kaum Geld für diese sicher gut gemeinten Projekte und die Kinder wiederum wenig Zeit zum Singen oder gar zum Erlernen eines Instruments. Und oft fehle dem Nachwuchs die Lust, dabeizubleiben, so seine Erfahrung. Gut wäre es, einen festen Bestand in Schulen zu etablieren, um daraus später einen Chor zu gewinnen. Durchschnittlich 15 Kinder singen derzeit in den Schulchören, wünschenswert wären 30 bis 40 Teilnehmer, damit ein Projekt bestehen bliebe und Zukunft habe.

Spaß haben die wenigen Schüler aber trotzdem, lernen fleißig ihre Texte, was sicher auch an den begeisterungsfähigen Gesangspädagogen liegt. Da darf nach konzentrierter Gesangsarbeit auch mal fröhlich, laut und ausgelassen im Klassenraum getanzt werden.

Kreative Neugier und die Lust auf Kultur fehle leider allzu oft, auch bei den Eltern, will Helmut Schröder allzu gern Werbung für das Musikerleben machen. Die kann man stillen, indem man zum Beispiel in der 26. Kalenderwoche beim Tag der Offenen Tür in der Dödterstraße Musikluft schnuppert, dazu lädt der Schulleiter alle Interessierten ein.

Haspe singt

Vor allem eins soll beim Singen im Vordergrund stehen: Spaß! Davon ist zumindest die erste Vorsitzende des Hasper Kinder- und Jugendchores, Silvia Hildebrand, überzeugt. 45 Kinder im Alter von fünf bis 12 Jahren sowie jugendliche Nachwuchssänger üben bei ihr im Chor. „Selbst einige ,ältere‘ Damen verstärken uns mit ihren Stimmen“, schmunzelt die 45-Jährige, die man ebenfalls bei Proben und Auftritten mitten unter den Chorkids findet. Dabei sein ist für sie genauso wichtig wie die Gemeinschaft: Das Hobby verbindet eben.

Längst sind die Zeiten des verstaubten Chorimages vorbei. Weiße Strümpfe und Faltenröckchen haben ausgedient, moderne Vereinskleidung ist angesagt. Und auch das Liedgut hat sich geändert. „Sicher singen wir auch noch traditionelle Lieder, denn auch die will das Publikum noch hören. In unserem Programm befinden sich aber durchaus neue Stücke und englische Varianten.“ Und der neue Name „CHORios“, den die Hasper sich gegeben haben, trägt sicher auch dazu bei.

Jede Woche freut sich Silva Hildebrandt über neue Kinder, die mal Chorluft schnuppern wollen. „Unsere Aufgabe ist es, diese zu begeistern und sie zu halten.“ Spielten die Eltern mit und könnten diese sie regelmäßig zu den Proben bringen, klappe das auch meistens.

Spaß singt mit

Mit der Anzahl der singenden Kinder ist sie durchaus zufrieden. Trend sei es aber, das haben sie und ihre Kollegen festgestellt, bei zeitlich begrenzten Sing-Projekten mitzuwirken, die starken Zulauf hätten. „Vor einer langfristigen Bindung in einem Verein scheuen noch viele zurück“, weiß sie aus Erfahrung. Deshalb sei Werbung unheimlich wichtig in der Vereinsarbeit. „Wer Lust hat zu singen, der kann in jedem Alter damit anfangen.“ Schließlich sei Singen nicht nur Singen, sondern auch Bewegung und Kopfarbeit. Und nicht jeder Ton muss dann sitzen

Zurück zu alten Werten: Ob Singen wirklich ein neuer Trend ist oder nur modern verpackt wurde, lässt sich nicht sagen. Eins aber wissen alle Hobbysänger – kleine wie große: Singen ist stark und macht einfach nur Spaß! Und davon kann man sich sicherlich nicht nur am 2. Juni 2012 überzeugen