100 Jahre AD

Hagen. Das Hagener Albrecht-Dürer-Gymnasium nahe dem Landgericht wird 100 – und die Theatergruppen am AD feiern das Jubiläumsjahr mit einer theatralen Zeitreise durch dieses Jahrhundert. Die fünf für 2015 anstehenden Produktionen beschäftigen sich in unterhaltsamen und nachdenklichen Werken jeweils mit einer Zeitspanne von 20 Jahren. Den Anfang machte im Frühjahr mit Brechts Dreigroschenoper der Literaturkurs Q1/Q2 mit dem Zeitraum unmittelbar nach der Schulgründung 1915 bis 1935. Vor den Sommerferien rückten die beiden Theater-Arbeitsgemeinschaften die Zeit des Zweiten Weltkrieges und die Nachkriegszeit in den Fokus, nach den Sommerferien thematisierte der Literaturkurs den Fall der Mauer und die Wiedervereinigung. Die letzte Produktion im Jubiläumsreigen kommt dann nun in der Jetztzeit an – und auch in der Schule.

Frau Müller muss weg“: Elternabend der Klasse 4b. Eine Gruppe aufgebrachter Eltern hat sich im Klassenzimmer versammelt, um ein ernstes Wort mit Frau Müller zu reden. Denn Frau Müller wird mit dem nächsten Zeugnis die Weichen stellen für die Wahl der weiterführenden Schule. Weil bei einigen Kindern die Noten in letzter Zeit rapide gesunken sind, rückt das Ziel „Gymnasium“ in weite Ferne. Dafür kann es nur einen Grund geben: Frau Müller ist nicht fähig, die besonderen Begabungen des eigenen Nachwuchses zu wecken und zu würdigen. Also muss Frau Müller weg! Doch das Gespräch mit der völlig überrumpelten Klassenlehrerin nimmt einen ganz anderen Verlauf, als man sich das im Vorfeld gedacht hat. Wenn es um das eigene Kind geht, dann müssen sich auch Eltern ganz neuen Herausforderungen stellen.

Lutz Hübner und Sarah Nemitz müssen eine ganze Reihe von Elternabenden durchstanden haben, denn mit scharfer Beobachtungsgabe lassen sie die unterschiedlichen Elterntypen ihre kleinen Lieblinge verteidigen – koste es was es wolle. Vor allem dann, wenn man sich gegenseitig die rosa-rote Brille von der Nase stupst. Die Situation scheint völlig zu eskalieren, als man in den zurückgelassenen Unterlagen der Pädagogin eine Notenliste findet – die der eigenen Kinder. Jetzt muss man der Wahrheit ins Auge schauen und handeln.

Die Klassenzimmerkomödie „Frau Müller muss weg“ gehört derzeit zu den am häufigsten inszenierten Stücken des Berliner Erfolgsautors und seiner Co-Autorin, denn beim Thema „Schule“ können alle mitreden und tun es auch besonders gern. Wenn nun Schüler in die Rollen von Eltern und Erziehern schlüpfen, dann können sie in diesem Stück einmal lustvoll austeilen, denn ohne Blessuren und blaue Flecken kommt hier keiner davon. Dennoch schafft es das Stück, die einzelnen Figuren nicht einfach nur bloß zu stellen, auch wenn die Sympathien häufig wechseln. Schließlich eint sie alle ein Anliegen: das Beste für die Kinder herauszuholen, und das ist mehr als verständlich.

Die Theater-AG freut sich, dieses Stück ans AD holen zu können und zu zeigen, in welche Schieflage die Diskussion von Erwachsenen gerät, wenn man ihnen den Boden der Argumente unter den Füße entzieht. Da gerät so manches Welt- und Selbstbild ins Rutschen. Das darf auf der schiefen Spielfläche dann auch allzu wörtlich genommen werden und es bleibt spannend zu erfahren, wer am Ende oben stehen wird.

Zu einem Zeitpunkt, wo in den Hagener Grundschulen nicht nur Kastanienmännchen gebastelt, sondern tatsächlich auch Übergangsempfehlungen geschrieben werden, kommt „Frau Müller muss weg“ gerade recht. Ob die Eltern es schaffen, Frau Müller loszuwerden, kann man erleben bei den drei Aufführungen am Dienstag, 17. November, am Donnerstag, 19. November, und am Freitag, 20. November, jeweils um 19.30 Uhr in der Aula des AD an der Heinitzstraße.

Karten für alle Aufführungen gibt es für 3,50 Euro im Sekretariat der Schule unter Tel. 02331/ 81294 und an der Abendkasse.