100 Jahre Albrecht-Dürer-Gymnasium Hagen

Von Gerhard E. Sollbach

Hagen. 100 Jahre Albrecht-Dürer-Gymnasium! Zu Ostern 1915, zum damaligen Schuljahresbeginn, genau am Freitag, dem 16. April, nahm die Schulanstalt als Königliches Realgymnasium i.E. (im Entstehen) zu Hagen mit den vier untersten Klassen Sexta, Quinta, Quarta und Untertertia (Klassen 5 bis 8) den Unterrichtsbetrieb auf.

Die Nachricht von der Schuleröffnung war der Hagener Zeitung am nächsten Tag aber nur eine aus dreieinhalb Zeilen bestehende Meldung wert. Das ist jedoch nicht verwunderlich: Denn die Eröffnung des zweiten Hagener Realgymnasiums mit der Sprachenfolge Latein-Englisch-Französisch erfolgte mitten im Ersten Weltkrieg. Und da beherrschten die Kriegsereignisse die Nachrichten.

Den Anstoß zur Gründung der Schule hatte aber schon einige Jahre vor dem Krieg, nämlich im Jahr 1909, der damalige Rektor der am Ort bereits seit 1863 bestehenden privaten katholischen Rektoratschule, Heinrich Reinkemeier, gegeben. Er bemühte sich seinerzeit, zusammen mit dem Kuratorium der Schule für die Absolventen seiner Anstalt die Berechtigung zum einjährigen (statt des üblichen zweijährigen) Wehrdienst zu erlangen. Dieses Vorrecht wurde solchen Wehrpflichtigen gewährt, die ein bestimmtes Maß an höherer Schulbildung nachweisen konnten.

Höhere Anstalt für Jungen

In den diesbezüglichen Verhandlungen ist vom zuständigen preußischen Minister die Gründung einer höheren Vollanstalt angeregt worden. Verhandlungen zwischen der Stadt Hagen und dem preußischen Kultusministerium wurden aufgenommenen, doch sie zogen sich über Jahre hin. Im Juni 1914, knapp zwei Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, kam schließlich eine Einigung über die Gründung der neuen staatlichen höheren Schulanstalt für Jungen in Hagen zustande. Die Stadt Hagen verpflichtete sich dabei, für den Schulbau ein baureifes und voll erschlossenes Baugrundstück kostenlos zur Verfügung zu stellen und außerdem die Hälfte der Baukosten zu übernehmen.

Das Schulkollegium des Albrecht-Dürer-Realgymnasiums 1920. In der ersten Reihe Mitte sitzend: Schulleiter Dr. Johannes Bathe. (Foto: AD-Archiv)
Das Schulkollegium des Albrecht-Dürer-Realgymnasiums 1920. In der ersten Reihe Mitte sitzend: Schulleiter Dr. Johannes Bathe. (Foto: AD-Archiv)

Kriegsgefangene arbeiteten mit

Doch auf ihr neues Heim musste die Schule noch fast ein Jahrzehnt warten. Der Krieg und die rasante Geldentwertung sowie die politischen Unruhen in den ersten Jahren nach dem Kriegsende verhinderten die Ausführung des Bauvorhabens. Während der Kriegsjahre wurde lediglich das für den Bau der Schule gewählte Grundstück im damals rasch wachsenden Fleyerviertel mit Hilfe von französischen Kriegsgefangenen baureif hergerichtet. Erst am 9. September 1924 konnte die Schule dort ihr neues Zuhause beziehen. Die offizielle Einweihungsfeier fand knapp drei Wochen später, am Montag, 29. September 1924, statt.

Zu Beginn der Feier trug ein Schüler den Weihespruch vor, der lautete:

So zieht mit Gott denn, Lehrer und Scholaren
Vertrauensvoll ins schöne neue Schulhaus ein,
Um friedvolle Märe zu erfahren,
„Allweg gut Dürer!“ soll euch künftig Losung sein.
Den Namen „Albrecht Dürer“ hatte die Schule 1919 erhalten.

Bis zum Umzug in das neu errichte Schulgebäude musste der Unterricht in den von der katholischen Kirchengemeinde St. Marien angemieteten Räumen an der Goldbergstraße der mit Gründung des neuen Realgymnasiums aufgelösten katholischen Rektoratschule stattfinden. Ab 1920 benutzte die jedes Jahr um eine Klassenstufe aufgestockte Anstalt im Entstehen zusätzlich Räume in der alten Kaufmannsschule.

Das Nützliche und das Schöne

Der Schulneubau wurde jedoch aufgrund der damaligen schwierigen Situation der öffentlichen Finanzen hinsichtlich der Architektur bescheidener als ursprünglich geplant ausgeführt. Im Oktober 1919 waren nämlich die bauleitenden Beamten von dem zuständigen Minister für öffentliche Arbeiten zur sparsamsten Bauausführung durch eine strikte Beschränkung auf das „nur dringend Notwendige“ angewiesen worden.

Bei der äußeren architektonischen Gestaltung des Schulgebäudes sind daher in Anlehnung an die klassizistische Architektur einerseits Einfachheit und Gediegenheit in Form und Material und andererseits eine stärkere Farbwirkung im Äußeren und Inneren maßgebend gewesen. Der Schlussstein erhielt dann auch die – lateinische – Inschrift: Omne tulit punctum, qui miscuit utile dulci (Der hat ein Werk in Vollkommenheit geschaffen, der das Nützliche mit dem Schönen verbunden hat).