1000 Bälle und 1 Schläger

Hagen/Syburg. (NO) Die Kleinen schwingen so beherzt wie ungeschickt den Schläger, treffen das Bällchen nur ganz selten und fangen an zu maulen. Mama macht‘s mit Gefühl und hat auf ein paar Bahnen schon ganz passabel eingelocht. Papa hat keinen Bock mehr, sitzt auf der Bank und träumt vom großen Pils. Familiäres Minigolf-Vergnügen am Wochenende.

Für sie ist Minigolf ein Leistungssport (v.l.): Michael Buttgereit, unter anderem ehemaliger Trainer der Minigolf-Nationalmannschaft, Seniorenmeisterin Anna Kahlhöfer und Dennis Weber, 1. Vorsitzender und Sportwart des MGC Dortmund-Syburg. (Foto: Norbert Fendler)

Es geht auch anders. Dass Minigolf eine fesselnde Herausforderung sein kann, davon weiß Michael Buttgereit zu berichten. Erst vor knapp vier Wochen ist er zu seinem „Heimatverein“, dem Minigolfclub Dortmund-Syburg und den vertrauten Bahnen auf der Anlage an der Syburg zurück gekehrt. Minigolf ist für den Dreher kein leichtgewichtiger Wochenendspaß, sondern ein richtiger und ernst zu nehmender Sport. Und darin hat es der 48-Jährige weit gebracht – bis er sich aus den „Geschäft“ zurückzog. Jetzt ist Minigolf „nur“ ein Hobby – aber immer noch eine ganz große Leidenschaft.

Wissenwertes über Minigolf

Minigolf ist der „kleine Bruder“ des Rasengolfs. 1954 wurde die erste Anlage in Ascona am Lago Maggiore eröffnet. Die genormte Sportart wird auf Anlagen mit 18 Bahnen gespielt, die je 12 Meter lang und 1,25 Meter breit sind. Pro Bahn sind höchstens sechs Schläge zugelassen. Es gibt Beton-, Eternit- und Filzbahnen.

Leistungs-Minigolf wird in Mannschaften gespielt, mit sechs Personen und einem Ergänzungsspieler. Ein Wettkampf läuft über vier Runden, zumeist treten Dreiergruppen an. Eine Altersbegrenzung gibt es nicht.

Auch im Minigolf gibt es Meisterschaften, Teams treten zur Landesmeisterschaft, Deutschen Meisterschaft, Europa- und Weltmeisterschaft an. Ebenso gibt es einen Nationalkader, unterteilt in Herren- und Damenteam, sowie einen Seniorenkader.

Mit der Tante fing es an

1976 machte Michael Buttgereit als fußball- und tischtennisbegeisterter Schüler erste Bekanntschaft mit dem Minigolf in Begleitung seiner Tante Karin. Diese nahm den Jungen auf den Syburg-Platz mit, der 1963, also im Jahr der Vereinsgründung des MGC Dortmund-Syburg, von Lothar Adam eröffnet wurde und der ihn auch heute noch betreibt. Die Vereinsmitglieder spielen dort auf einer eigenen Anlage, zuletzt wurde dort der 48. Hohensyburg-Cup ausgetragen.

Aufstieg

Tante Karin war gut, Lothar Adam vielleicht noch besser, beide wollte Michael Buttgereit schlagen, der Ehrgeiz war geweckt. „Konzentration, präzise Feinmotorik und mentale Stärke sind wichtig, wenn man Minigolf als Präzisionssportart spielen will“, weiß Buttgereit, der sich zielstrebig nach oben kämpfte. 1986 stieg er mit dem MGC Westhofen in die 1. Bundesliga auf, was ihm im Zeitraum von 1988 bis 2002 auch mit dem MGC Dortmund-Brechten gelang, der außerdem vier Mal den Europapokal der Landesmeister holte und fünf Mal Deutscher Mannschaftsmeister wurde. Zuguterletzt war Michael Buttgereit von 2000 bis 2005 Trainer des Damen- und Herrenteams der Deutschen Minigolf-Nationalmannschaft.

1000 Bälle

Rund 1000 verschiedene Bälle gibt es für den Minigolf, Michael Buttgereit, hier mit Seniorenmeisterin Anna Kahlhöfer, hat immer 200 Stück in seinem Koffer dabei. (Foto: Norbert Fendler)

Welchen Ball welcher Härte verwenden, welche Qualitäten sind erwünscht, soll er springen oder liegen bleiben, wie spielen, wenn die Bahn nass ist oder die Sonne vom Himmel brennt? Nur einige Fragen, die einen professionellen Minigolfer umtreiben. „So rund 1000 verschiedene Bälle gibt es für Minigolf, je nach Anforderung“, erklärt Michael Buttgereit. Er selber hat in seinem Einsatzkoffer immer 200 Stück parat. Aber nur einen Schläger, der für etwa 100 Euro durchaus erschwinglich ist. Was beim „Großgolf“ auf dem Rasen der Schlägerwechsel ist, ist beim Minigolf der Einsatz verschiedener Bälle.

Zeitaufwändig

„Wer Minigolf als Leistungssport betreibt, muss an drei bis vier Tagen pro Woche jeweils einige Stunden trainieren“, weiß Buttgereit aus Erfahrung. „Und bei Großereignissen wie Europa- oder Weltmeisterschaften muss man 14 Tage Zeit haben. Zehn davon für das Trainingslager vor Ort und vier für das eigentliche Turnier. Da geht viel Zeit drauf, und der Urlaub ist auch immer verplant.“

Wieder „zu Hause“

Lange genug hat Michael Buttgereit für seinen Sport keinen Aufwand gescheut. Doch jetzt möchte es der 48-Jährige ruhiger angehen lassen. Und ist zu seinem ersten Verein, dem MGC Dortmund-Syburg, zurückgekehrt. Hier schwingt er nun, wann immer ihm danach ist, den Schläger. Ganz entspannt – doch immer mit Leidenschaft.