125 Jahre für die Kleinsten da

Haspe. (san) Zwei Diakonissen und über 100 kleine Dötze – das waren die heute undenkbaren Anfänge des ersten Kindergartens der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Haspe. 1890 wurde in einer Gaststätte an der Kölner Straße 17 die „Kleinkinder-Bewahranstalt“ ins Leben gerufen. Nun feiert die Kindertagesstätte „Sonnenschein“ an der Waldecker Straße das 125-jährige Jubiläum.

Der „Evangelische Arbeiter- und Bürgerverein“ setzte sich für eine geregelte Betreuung der Kinder ein; die sozialen Veränderungen durch die Industrialisierung waren bis in das Familienleben hinein zu spüren. Nur die katholische Nachbargemeinde St. Bonifatius bot wohl bis dahin eine Betreuungsmöglichkeit in der damals eigenständigen Stadt Haspe.

Ab 1893 konnte die evangelische Gemeinde an der Waldecker Straße dann ein eigenes Kindergartenhaus beziehen. Erst kurz vor seinem 100. Geburtstag wurde das rote Backsteingebäude 1992 abgerissen, um einer nach den allerneuesten pädagogischen Gesichtspunkten errichteten Kindertagesstätte zu weichen.

Großzügiger Neubau

Bis zur Fertigstellung des schmucken Neubaus im September 1994 lief der Kindergartenbetrieb im Gemeindehaus an der Frankstraße weiter. Ungebrochen war der Zulauf von Anfang an, doch nun umfasste das Raumprogramm vier Gruppenräume und es gab  Platz satt“ für den Bewegungsdrang der Kleinen. 90 Kinder konnten jetzt aufgenommen werden. Dieses Angebot musste 2011 allerdings zurückgenommen werden. Die Forderung nach einer U3-Betreuung zog einen Umbau nach sich, so dass der bisher viergruppige Kindergarten um eine Gruppe verkleinert werden musste.

Von den drei Gemeindekindergärten – an der Enneper Straße das Baumhaus und die Schatzkiste an der Bebelstraße – ist die Kindertagesstätte Sonneschein die flächengrößte der Einrichtungen. Beliebt bei den Eltern ist sie vor allem auch deshalb, weil dort die Öffnungszeiten den Berufstätigen entgegenkommen.

Viel Bürokratie

Seit 30 Jahren leitet Margitta Scherff die Betreuungseinrichtung, Pfarrer Jürgen Scheer ist gar seit 31 Jahren ihr begleitender Seelsorger. Und sie haben in all der Zeit viele Veränderungen, vor allem bürokratische, erfahren. Akribisch geführte Dokumentationen über den Werdegang jedes Kindes müssen erstellt werden. Nicht erst seit dem KiBiz werden die Anforderungen im Qualitätsmanagement strikter, und die bisher von externen Fachkräften durchgeführten obligatorischen Sprachförderungen müssen die Erzieherinnen in Zukunft selbst schultern.  Wir nehmen alle unser Arbeitspäckchen noch mit in den Feierabend,“ berichtet Margitta Scherff über das freiwillige Engagement ihrer Mitarbeiter.

Doch auch bei dem sich stark gewandelten Mediengebrauch der Kleinsten hat sich eines über all die Zeit erhalten: Die Lust am gemeinsamen Spielen, Erforschen und Ausprobieren, das starke Bedürfnis nach Harmonie. Und nicht von ungefähr haben auch die Eltern in den vergangenen Jahrzehnten bis heute für sich und ihre Kinder den Wunsch nach Halt im Leben. Den geben vor allem die gelebten Traditionen rund um die christlichen Feiertage.

Und auch Gebet, Gottesdienst und biblische Erzählungen gehören natürlich in den Kindergartenalltag,“ erklärt Pfarrer Jürgen Scheer das Selbstverständnis der konfessionellen Kindertagesstätte. Die nicht evangelischen Kinder fühlen sich dadurch nicht minder wohl, auch deren Eltern unterstützen die Aktivitäten der Einrichtung.

Jubel-Feier

Wer das 125-Jahr-Jubiläum mitfeiern möchte, ist eingeladen am Samstag, 7. November 2015, schon im Gottesdienst um 10.30 Uhr in der Kirche an der Frankstraße dabei zu sein. Anschließend geht es mit vielen Aktionen und Angeboten sowie Kulinarischem im Kindergarten an der Waldecker Straße weiter. Zahlreiche Ehemalige können sich auf alten Fotos wiederfinden. Interessierte, für die die Kita Sonnenschein zukünftig in Frage kommt, haben beste Gelegenheit zum  Schnuppern“.