150. Geburtstag von Lauweriks in Hagen

Von Michael Eckhoff

Hagen. Zwei der wichtigsten Künstler, die jemals in Hagens Mauern wohnten, wurden fast am gleichen Tag geboren: der weltweit anerkannte Maler Emil Schumacher (29. August) und der Architekt J.L.M. Lauweriks (30. August). Während Schumacher 2014 „erst“ 102 Jahre alt geworden wäre, hätte Lauweriks am vergangenen Wochenende seinen 150. Geburtstag feiern können. In der Volmestadt ist dieses Jubiläum leider – im Gegensatz zu Schumachers Geburtstag – nahezu unbeachtet geblieben. Dabei ist er der Architekt des Hagener Impulses.

Ein großer Lehrmeister

Geboren wurde Johannes L.M. Lauweriks in der unweit von Aachen gelegenen niederländischen Stadt Roermond. Sein Vater arbeitete dort als Leiter einer Bildhauer-Werkstatt. Doch nur wenige Monate nach der Geburt zog die Familie um – nach Amsterdam. Hier starb der Vater wenig später, und der kleine Johannes wuchs im Hause des Architekten P.J.H de Cuypers auf. Dieser Baumeister wurde entscheidend für den weiteren Lebensweg Lauweriks’. Denn Cuypers ist nicht „irgendein“ Architekt, sondern einer der bedeutendsten holländischen Baumeister der 19. Jahrhunderts – so stammt von ihm der Entwurf für das Reichsmuseum in Amsterdam. Das ist jener „Musentempel“ mitten in der niederländischen Hauptstadt, den fast alle deutschen Kunst-Liebhaber kennen, hängen doch einige der berühmtesten Werke Rembrandts hier.

Das auffälligste Haus, das der niederländische Baumeister und Lehrer J.L.M. Lauweriks jemals schuf, steht am Stirnband in Eppenhausen. Meist sprechen wir vom Thorn-Prikker-Haus - benannt nach einem Künstler, der hierin einst lebte. (Foto: Archiv wochenkurier)
Das auffälligste Haus, das der niederländische Baumeister und Lehrer J.L.M. Lauweriks jemals schuf, steht am Stirnband in Eppenhausen. Meist sprechen wir vom Thorn-Prikker-Haus – benannt nach einem Künstler, der hierin einst lebte. (Foto: Archiv wochenkurier)

Nach einer Ausbildung zum Zeichenlehrer arbeitete Lauweriks zunächst – von 1887 bis 1895 – im Büro seines „Ziehvaters“. Bereits in dieser Zeit betätigte er sich zudem als Mitstreiter mehrerer Zeitschriften, unter anderem war er Redakteur eines Architektur-Magazins. Ferner beschäftigte er sich intensiv mit der Theosophie. Das griechische Wort lässt sich mit „Göttliche Weisheit“ übersetzen. Schlussendlich geht es hier – teilweise von fernöstlichen Ideen beeinflusst – um eine mystisch-religiöse Denkhaltung, die um 1900 in Europa viele Anhänger fand.

Streng genommen ist der Begriff „Theosophie“ seit ungefähr 2.000 Jahren gebräuchlich. Vereinfacht ausgedrückt bezeichnet er ein „allgemeines Wissen über göttliche Dinge“, wie sie weltweit den meisten Religionen zugrunde liegen. Ein Anhänger der Theosophie war zunächst übrigens auch Rudolf Steiner, er war sogar um 1910 als Sekretär der deutschen Theosophischen Gesellschaft einer der Vordenker des „göttlichen Wissens“. Doch weil ihm viele Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft viel zu esoterisch eingestellt waren, hat er die Gesellschaft verlassen und die Anthroposophie begründet, mit der er heute rund um den Globus bekannt ist. Im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke ist diese Lehre genauso daheim wie etwa in Weleda-Produkten oder in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft.

Nachfolger von Rudolf Steiner

Steiners Nachfolger als Sekretär der deutschen theosophischen Gesellschaft wurde 1913 dann J.L.M. Lauweriks. Zu diesem Zeitpunkt wohnte Lauweriks bereits in Hagen. Karl Ernst Osthaus hatte ihn an die Volme geholt. Hier war er zum einen als Architekt tätig (am Stirnband), zum anderen aber auch als künstlerischer Leiter der Hagener Silberschmiede und des „Staatlichen Handfertigkeitsseminars“. Ihm zur Seite standen seinerzeit mit dem Keramiker Bert Nienhuis und dem Goldschmied Frans Zwollo zwei weitere Niederländer. Auch Zwollo wurde vor dem Ersten Weltkrieg ganz entscheidend von der Theosophie beeinflusst – was sich deutlich in seinen Entwürfen äußert. Ähnliches gilt seinerzeit für später weltberühmte Künstler, Designer und Architekten wie Wassily Kandinsky und Walter Gropius.

Die Theosophie hat in Hagen erhebliche Spuren hinterlassen – nicht zuletzt kann man wesentliche Teile des Hagener Impulses hier „einsortieren“. Dies gilt auch für die jüngst im Hagener Hauptbahnhof (wieder-)entdeckte wundervolle, von Frans Zwollo entworfene Uhr. Zu bewundern ist das mehrere Meter hohe Prachtstück in einer Lounge, die in den letzten Wochen als „Anhängsel“ eines kleines Supermarkts in den ehemaligen Wartesaal 1. Klasse eingebaut worden ist.

Mehr über Zwollo und diese Uhr erfahren die wk-Leser in einer unserer nächsten Ausgaben.

VHS-Kurs

Noch eine Info: nach den Herbstferien startet die VHS Hagen einen Kurs zum Thema „Künstler um Osthaus“; im Mittelpunkt wird natürlich auch Lauweriks stehen (fünf Abende, mittwochs, 19.30 Uhr bis 21 Uhr, Villa Post; Kursleiter ist Michael Eckhoff).