150 Jahre VfL Eintracht Hagen – ein Rückblick

Gefeiert wurde auch vor 100 Jahren.
Gefeiert wurde auch vor 100 Jahren. Das 50-jährige Bestehen feierte der Wehringhauser Turnverein noch in Kaiser Wilhelms Zeiten. (Foto: VfL-Archiv)

Hagen. (ktr) Als einer der ältesten Hagener Vereine wurde im Jahre 1863 der Wehringhauser Turnverein unter dem Vorsitz von August Winkhaus ins Leben gerufen. Damals dachte wohl niemand daran, dass sich der Verein nicht nur zu einem der erfolgreichsten Vereine Hagens entwickeln, sondern sich am 5. Juni 1920 mit der Wehringhauser Turnerschaft und der Hagener Sportunion 1910 zum VfL Hagen von 1863 zusammenschließen würde. Derweil hatte sich 1878 unter dem Vorsitz von Carl Söding mit dem TV Eintracht Hagen ein zweiter leistungs- und mitgliedsstarker Verein im Stadtteil etabliert. Ob im Turnen, in der Leichtathletik oder im Handball – überall sollten sich die beiden Traditionsvereine über Jahrzehnte packende Nachbarschaftsduelle liefern.

An der Seite von Lothar Reinshagen, dem „Bäckermeister vom Rehsiepen“, und Wilhelm Heuser holte Friedel Wiggershaus (Foto) in den 60er Jahren die Deutsche Marathon-Mannschaftsmeisterschaft nach Hagen. (Foto: VfL-Archiv)
An der Seite von Lothar Reinshagen, dem „Bäckermeister vom Rehsiepen“, und Wilhelm Heuser holte Friedel Wiggershaus (Foto) in den 60er Jahren die Deutsche Marathon-Mannschaftsmeisterschaft nach Hagen. (Foto: VfL-Archiv)

Ein Großverein in Wehringhausen

Ungeachtet der stolzen Erfolgsbilanz, insbesondere der Leichtathleten und Handballer beider Vereine, die bei nationalen und Internationalen Wettkämpfen sowie in der höchsten deutschen Spielklasse für Furore sorgten, reiften nach dem 2. Weltkrieg Pläne für die Schaffung eines Großvereines für den Stadtteil Wehringhausen. Ein Schritt, der 1962 durch den Zusammenschluss des VfL Hagen und des TV Eintracht feierlich vollzogen wurde.

Nach internen Abstimmungen, die allesamt ein klares Votum für die Fusion brachten, fand am 10. März 1962 im Hagener Parkhaus die Gründungsversammlung des VfL Eintracht Hagen von 1863 statt. Treibende Kräfte für die Fusion waren neben Hans-Günter Krämer und Hermann Stockey, der einstimmig zum Vorsitzenden des neuen Großvereins gekürt wurde, insbesondere Oskar Günther, Franz Heurich, Fritz Schulz und Heinz Grothe.

Eines der wichtigsten Wesensmerkmale des Wehringhauser Traditionsvereins ist die Tatsache, stets für neue Strömungen und Tendenzen offen gewesen zu. Ob im Fußball und Basketball, das unter Federführung von Lothar Jung Mitte der 1960er Jahre beim VfL Eintracht eingeführt wurde und in Aufstiegen bis in die Oberliga gipfelte, oder im Badminton, Volleyball und Federfußball – überall wurden mit großem Engagement neue Angebote geschaffen, die sich an den Wünschen und Vorstellungen der Mitglieder orientierten.

Gleich zweimal stürmten die Mannen um Gustl Wilke (Foto) in den 70er Jahren ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. (Foto: VfL-Archiv)
Gleich zweimal stürmten die Mannen um Gustl Wilke (Foto) in den 70er Jahren ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. (Foto: VfL-Archiv)

Schon seit 1955: „Suomis“ in Hagen

Aber nicht nur sportlich wusste der 1962 neu entstandene Großverein Akzente zu setzen. Seit 1955, als der VfL Hagen auf Initiative von Friedbert Pforr erstmals freundschaftliche Vergleichskämpfe mit finnischen Leichtathleten organisierte, reisten die Wehringhausener abwechselnd nach Nordeuropa beziehungsweise hatten die „Suomis“ in Hagen zu Gast. Die freundschaftlichen Kontakte zu den Sportlern aus Finnland blieben dabei nicht allein auf die Wettkampfebene beschränkt. Im Laufe der Zeit entstanden enge freundschaftliche Bindungen, die 1963 darin gipfelten, dass die Stadt Hagen eine Städtepartnerschaft mit der südfinnischen Gemeinde Kouvola einging.

Ein anderes gesellschaftliches Großereignis stellten unumstrittenen die Sport- und Musikshows des VfL Eintracht Hagen in der Ischelandhalle dar. Von 1967 bis 1985 drückte Hans Sichelschmidt als Organisator und Moderator der Veranstaltung, in deren Rahmen er dem begeisterten Publikum nicht weniger als 25 Welt- und Europameister sowie über 200 Deutsche Meister präsentierte, in unvergleichlicher Art und Weise seinen Stempel auf. In 18 Jahren, inklusive einer krankheitsbedingten fünfjährigen Pause, zog der langjährige Motor der Leichtathletikabteilung mit der stimmigen Mischung aus Sport und Unterhaltung sage und schreibe 12.000 Besucher in seinen Bann.

Der Krieg war Geschichte. Es wurde wieder geturnt. Das Foto zeigt die Jugendturnriege aus dem Jahr 1949. (Foto: VfL-Archiv)
Der Krieg war Geschichte. Es wurde wieder geturnt. Das Foto zeigt die Jugendturnriege aus dem Jahr 1949. (Foto: VfL-Archiv)

Blutspenden und andere Hilfen

Ganz nebenbei engagierte und engagiert sich der VfL Eintracht immer auch im sozialen Bereich. Sei es wie bei der großen Sportgala zu Gunsten der Smolensk-Hilfe im November 1991 in der Stadthalle, sei es wie seit vielen Jahren mit groß angelegten Blutspendeaktionen für das Deutsche Rote Kreuz oder sei es für die von im Januar 2002 verstorbenen Ehrenmitglied Hans Sichelschmidt initiierte Aktion „Hilfe für junge Krebskranke“ – um nur einige Beispiele zu nennen.

Waren es zur Zeit der Gründungsväter vor allem Turner und später Leichtathleten, die das Leben in den Vorläufervereinen des heutigen VfL Eintracht prägten, so dürfen sich die erfolgsgewöhnten Handballer rühmen, in den 1920er Jahren zu den Pionieren und Geburtshelfern des Handballs in Südwestfalen gehört zu haben. Und wie selbstverständlich stellte der VfL Hagen in der Premierensaison des organisierten Handballsports in Westfalen am Ende des Spieljahres 1922/23 den Meister im Märkischen Gau. Ein Triumph, dem eine beispielslose Erfolgsserie folgen sollte. Denn der Verein blieb mehr als fünf Jahrzehnte fast ausnahmslos in der jeweils höchsten deutschen Spielklasse am Ball.

Ehre, wem Ehre gebührt: Die vier Läuferinnen Ingrid Barth, Erika Lebuser, Gunhild Steinkühler und Monika Giesler sicherten sich 1968 als 4x100-Meter-Staffel in neuer deutscher Rekordzeit den Titel bei den Deutschen Jugendmeisterschaften. Trainiert wurde das Quartett von Charly Bretz. (Foto: VfL-Archiv)
Ehre, wem Ehre gebührt: Die vier Läuferinnen Ingrid Barth, Erika Lebuser, Gunhild Steinkühler und Monika Giesler sicherten sich 1968 als 4×100-Meter-Staffel in neuer deutscher Rekordzeit den Titel bei den Deutschen Jugendmeisterschaften. Trainiert wurde das Quartett von Charly Bretz. (Foto: VfL-Archiv)

Ein Siegeszug der Grüngelben

Vor allem in den 1950er bis Mitte der 1970er Jahre sollten die Handballer zum Aushängeschild einer ganzen Stadt avancieren. Nicht selten strömten mehr als 10.000 Zuschauer zu den Heimspielen an die legendäre Rehstraße. Sechsmal konnte der Westfalenmeistertitel nach Hagen geholt werden. 1951 gewannen die Mannen um Dauerläufer Walter „Mocke“ Effey sogar das Double mit Meisterschaft und Westfälischem Pokal. 1961 wurde der Siegesszug der Grüngelben erst im Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft gestoppt.

Ein weiterer Höhepunkt war 1971 der Gewinn der Westdeutschen Meisterschaft und der anschließende Aufstieg in die Bundesliga. Hier sorgten die Mannen um Bernd Lückel, Gustl Wilke und Jürgen Lobert weiter für Furore, stürmten auf dem Feld gleich zweimal hintereinander ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Parallel dazu entwickelte sich der VfL Eintracht auch zu einer Macht in der Halle. Nach dem 5. Platz bei den Deutschen Meisterschaften 1949 in Münster erfolgte 1971 der Aufstieg in die Regionalliga, ehe 1989 der Sprung in die 2. Bundesliga gelang. Und auch hier sorgten Roman Becvar, Volker Lippe, Michael Altenbeck und Co. für Furore, gewannen 1992 die Meisterschaft in der 2. Bundesliga und verpassten den Aufstieg ins nationale Oberhaus nur knapp.

Heute kann sich der Verein rühmen, die mit Abstand erfolgreichste Jugendarbeit in ganz Südwestfalen zu betreiben. Daneben stellen die Grüngelben neben einer Regionalligamannschaft ein Oberliga-, ein Landesliga- und ein Bezirksligateam, was fraglos einmalig ist.

Ein tiefer Blick in die Vergangenheit. Mehr als 100 Jahre alt ist dieses Foto des TV Eintracht. Die Herrschaften hatten sich im Jahr 1905 auf dem Bild verewigen lassen. (Foto: VfL-Archiv)
Ein tiefer Blick in die Vergangenheit. Mehr als 100 Jahre alt ist dieses Foto des TV Eintracht. Die Herrschaften hatten sich im Jahr 1905 auf dem Bild verewigen lassen. (Foto: VfL-Archiv)

Leichtathleten bei der EM

Für zahlreiche Sternstunden sorgten auch die Leichtathleten um die EM-Teilnehmer Friedel Wiggershaus und Gudrun Hodey. Letztere wurde nicht nur 1974 Deutsche Meisterin, sondern stellte 25. Juni 1974 bei einem Länderkampf in Oslo in 9:17,6 Minuten einen neuen deutschen Rekord au. Noch erfolgreicher war Lothar Reinshagen. Der „Bäckermeister vom Rehsiepen“ wurde 1963 und 1965 Deutscher Meister im Marathon und holte 1963 zusammen mit Wilhelm Heuser und Helmut Knobloch sowie 1965 an der Seite von Friedel Wiggershaus und Wilhelm Heuser auch die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft über diese Distanz.

Nicht minder bemerkenswert war 1968 der Auftritt der 4×100-Meter-Staffel mit Ingrid Barth, Erika Lebuser, Gunhild Steinkühler und Monika Giesler bei den Deutschen Jugendmeisterschaften. Das von Charly Bretz trainierte Quartett sicherte sich in Herford in neuer deutschen Rekordzeit von 47,9 Sekunden den Titel.

Weitere glanzvolle Kapitel Wehringhauser Sportgeschichte schrieb in jenen Tagen auch Horst Wulf, der in der Seniorenklasse zwischen 1973 bis 1987 gleich fünfmal Deutscher Meister werden konnte.

So sahen sie aus, die starken Männer des Turnvereins Eintracht im Jahr 1907. Weshalb die Herren allerdings die puscheligen Ketten um den Hals tragen, ist nicht geklärt. (Foto: VfL-Archiv)
So sahen sie aus, die starken Männer des Turnvereins Eintracht im Jahr 1907. Weshalb die Herren allerdings die puscheligen Ketten um den Hals tragen, ist nicht geklärt. (Foto: VfL-Archiv)

Tischtennis-Glanz in den 50er Jahren

Die Tischtennis-Asse des VfL Eintracht erlebten in den 1950er Jahren ihre Glanzzeit. Angeführt von Horst Ilberg, der 1947 an der Seite von Gerhard Egeler bei den Deutschen Jugendmeisterschaften die Silbermedaille im Doppel gewann, 1953 Platz 3 im Einzel bei den Deutschen Meisterschaften belegte und sogar die deutschen Farben bei den Weltmeisterschaften in Bukarest vertrat, stieg die Mannschaft mit Paul-Hermann Becker, Gerhard Topp, Gerhard Egeler, Karl-Heinz Stramann, Gerd Mitze, Reinhold Büttner, und Heinz Clever 1951 als ungeschlagener Meister in die Oberliga, die damals höchste deutsche Spielklasse, auf.

In der höchsten deutschen Spielklasse waren auch die Federfußballer des VfL Eintracht mehr als ein Jahrzehnt am Ball. Die Abteilung war die erste Federfußballabteilung in Europa und maßgeblich an der Entwicklung des Sports beteiligt. Gleich viermal stellten die Grüngelben unter anderem den Deutschen Mannschaftsmeister. Zudem konnten Stefan Blank und Marius Stupp Deutsche Einzelmeister werden, während Pasquale Salimbeni und Stefan Blank bei den Weltmeisterschaften 2001 beziehungsweise 2002 jeweils Rang vier im Einzel erkämpfen konnten.

Neben den genannten Sportarten werden im rund 630 Mitglieder starken Mehrspartenverein VfL Eintracht heute auch Gymnastik für Männer und Frauen, Mutter-Kind-Turnen, Volleyball und Badminton angeboten.

150 Jahre VfL Eintracht Jubelfeiern an zwei Wochenenden

Mit einem Sport- und Feiermarathon an gleich zwei aufeinander folgenden Wochenenden begeht der VfL Eintracht Hagen in diesen Wochen sein 150-jähriges Bestehen. Der Mehrspartenverein aus Wehringhausen will dabei nicht nur mit seinen rund 630 Mitgliedern tüchtig feiern, sondern auch mit allen Freunden, Gönnern und Weggefährten des Traditionsvereins. Eingeleitet werden die Jubiläumsfeierlichkeiten am Freitag, 14. Juni, um 18 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der St. Michael-Kirche in Wehringhausen, jenem Stadtteil, in dem 1863 die Geschichte des Mehrspartenvereins begann. Anschließend ist ein bunt gemischtes Programm mit Ehrungen verdienter Vereinsmitglieder in der Halle Mittelstadt geplant.

Talkrunde mit Zeitzeugen

Am Samstag, 15. Juni 2013, wird es dann ab 10 Uhr rund um den Ischeland-Sportpark sportlich: Zum einen wollen Mitglieder der einzelnen Altersgruppen das Sportabzeichen ablegen, zum anderen wollen sich die verschiedenen Abteilungen des Vereins im Rahmen von Mitmachaktionen und Spielfesten vorstellen. Sportlicher Höhepunkt wird dann um 18 Uhr ein Handballspiel zwischen dem VfL Eintracht und einer Kreisauswahl in der Enervie-Arena am Ischeland sein, bevor ab 20.30 Uhr in der Aula der Arena eine kurzweilige Talkrunde mit Zeitzeugen vergangener Tage aus Leichtathletik, Tischtennis, Turnen, Badminton und Handball ansteht.

Am Sonntag, 16. Juni 2013, geht es dann ab 10.30 Uhr am Ischeland sportlich weiter. Im Stadion starten unter anderem ein Volleyball-Spaßturnier und Leichtathletik-Wettbewerbe, während in der benachbarten Enervie-Arena ein Spielfestparcours für Jung und Alt aufgebaut wird. Zudem geben die Tischtennis- und Badmintonspieler des Vereins eine Kostprobe ihres Könnens und laden zu Mitmachaktionen ein, bevor sich ab 16 Uhr der Handballnachwuchs im Rahmen eines Turniers für gemischte Mannschaften misst.

Gala mit Schlagersängerin

Abschließender Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten ist dann am Samstag, 22. Juni, ab 20 Uhr ein großer Galaabend in der Stadthalle, der unter dem Motto „Eine Reise durch die Zeit von 1863 bis 2013“ steht. Das bunte Programm umfasst unter anderem eine 1920er-Jahre-Badenmodenschau, eine Musical-Show mit Simone Simon, musikalische Unterhaltung mit der Markus-Lounge-Box-Swingband, eine Boogie-Tanzdarbietung sowie eine Lasershow. Als Stargäste konnten Schlagsängerin Vicky Leandros und DJ Ötzi verpflichtet werden. Außerdem legt DJ Frank Berkholz zum Tanz auf. Eintrittskarten sind montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr zum Preis von 30 Euro in der Geschäftsstelle des VfL Eintracht an der Lange Straße 34, Telefon 02331 / 9339-0346, erhältlich.

Zudem wird pünktlich zu den Feierlichkeiten ein 320-seitiges Jubiläumsbuch mit der ausführlich von Karsten-Thilo Raab aufgearbeiteten Geschichte des Vereins erscheinen, das während der einzelnen Veranstaltungen sowie in der Geschäftsstelle erhältlich ist.