Hagen. Vor dem SIHK-Gebäude flattern die Jubiläumfahnen im Wind. Die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen feiert ihr 175-jähriges Bestehen.

„Wir verstehen uns als eine tatkräftige Institution von und für Unternehmen“, sagt Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat. „Das Jubiläumsjahr wollen wir nicht nutzen, um uns selbst zu feiern. Wir werden aber unsere Türen weit öffnen, um den Mitgliedern und der Öffentlichkeit zu zeigen, was wir können, und um zu hören, was die uns angeschlossenen Unternehmen brauchen und fordern, und um letztlich dadurch noch besser werden zu können.“

Sauerländisch selbstbewusst

Schon die Gründung der SIHK zeugt vom Selbstbewusstsein der Menschen in der Region und ihrem unbedingten Willen, die eigenen Belange in Sachen Industrie, Handel und Gewerbe in die eigene Hand zu nehmen und selbst zu verantworten. Die derart inspirierten und entschlossenen Vertreter der heimischen Geschäftswelt kamen zuerst im Restaurant am Vogelsang zusammen, das heute noch an der Stadtgrenze zwischen Hagen und Gevelsberg steht, um ein Organ zur Selbstverwaltung und gemeinsamen Interessensvertretung zu gründen.

Am 18. Oktober 1844 wurde das „Statut der Handelskammer des Kreises Hagen im Regierungsbezirk Arnsberg“ in der preußischen Gesetzessammlung veröffentlicht. Dieses Datum gilt heute als Geburtsstunde der SIHK. Typisch Sauerland: Die selbstbewussten und mutig querdenkenden Vertreter der Wirtschaft Südwestfalens legten sofort Protest ein gegen einzelne Paragraphen. Sie bestanden darauf, dass die Regierung keine Einwirkung auf „ihre“ Kammer nehmen und der Landrat auf keinen Fall den Vorsitz führen dürfe.

Ihre Geschäftsordnung sollte sich die von ihnen ins Leben gerufene „Kammer“ selbst geben. Der erste Präsident war von 1844 bis 1847 der Unternehmer und Industriepionier Johann Caspar Harkort.

„Gemeinsam stark“

„Gemeinsam stark seit 1844“ lautet das Motto des Jubiläumsjahres. Südwestfalen hat sich mittlerweile zur stärksten Industrieregion in Nord­rhein-Westfalen entwickelt und zählt zahllose „Hidden Champions“ und Weltmarktführer zu ihren Mitgliedern.
Nach wie vor können die Mitglieder mithilfe „ihrer“ Kammer ihre Interessen bündeln und viel erreichen etwa in Sachen Aus- und Weiterbildung, Nachwuchsförderung, Standortentwicklung, Breitband-­Versorgung oder auch im Kampf um den ICE-Haltepunkt am Hagener Hauptbahnhof.

„Die SIHK ist im Grunde wie ein großer Bauchladen“, formuliert es Dr. Ralf Geruschkat. „Aktuell brennende Themen sind natürlich der Fachkräftemangel, die Datenschutzverordnung, die IT-Sicherheit, das Online-Recht und ‚Industrie 4.0‘ als quasi Dauerbrenner.“

175 Jahre SIHK: Starker Einsatz für die Region
175 Jahre SIHK: Starker Einsatz für die Region

Digitale Woche im vollen Jahresprogramm

„Die zwei Ds“ bewegen dabei in besonderem Maße die Region – und erfordern die bestmöglichste Unterstützung durch die SIHK. Die zwei „Ds“ stehen für Demographie im Wandel und Digitalisierung als Weg in die Zukunft. Letzterem wird die Kammer Rechnung tragen mit einer „Digital Woche“ vom 24. bis 28. Juni.

Ein eigenes Komitee plant das Jahresprogramm. Etliche Ereignisse, die auf der Landesebene spielen und von Jahr zu Jahr an anderen Standorten stattfinden, werden im Jubiläumsjahr nach Hagen verlegt wie die Landesmeisterschaft „Formel Eins in der Schule“ am 9. März oder die Landesbestenehrung am 22. November.

Geplant sind noch im ersten Quartal Tage der offenen Tür im Bildungszentrum Hagen und in den technischen Bildungsstätten in Hemer und Lüdenscheid. Ein breites Publikum soll der Sachverständigentag am 24. Mai ansprechen. Rund einhundert Experten aller Fachrichtungen werden dann á la „Bares für Rares“ jedermann für eine Kurz-Beurteilung mitgebrachter Dinge und Schätze zur Verfügung stehen. Im dritten Quartal findet die konstituierende Sitzung der Vollversammlung statt, die Kammer lädt im Juli zum „Tag des Ehrenamtes“ und macht sich stark für das „Heimat shoppen“.

Der eigentliche Geburtstag der SIHK wird am 18. Oktober mit der Bestenehrung begangen. Im November wird der Südwestfalen-Award vergeben und auch die Landesbesten kommen zu ihrer Ehrung nach Hagen. Der Dezember endet mit der Verleihung der Friedrich Harkort-Medaille und der eigentlichen Jubiläumsfeier.

Im Sinne der Region

„Verkehrsfragen, Breitbandversorgung, Integration, mehr Gewerbeflächen – die SIHK arbeitet mit vielen anderen Akteuren wie Gewerkschaften, Verbänden oder den Stadtverwaltungen zusammen im Sinne der Region“, so Dr. Ralf Geruschkat. „Heute wie damals werden wir da, wo es brennt, nicht auf ‚die da oben‘ warten, sondern die Dinge selbst in die Hand nehmen. Unsere Mitgliedsunternehmen wollen wir bestmöglich ehren, fördern und voranbringen.“

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