1926: Zickzack-Friederich baut auf dem Lölfert

Hagen. (ME) Am 7. April vor 90 Jahren wurde der Hohenlimburger Bauverein aus der Taufe gehoben. Den Anstoß zur Gründung hatte der Stadtverordnete Georg Scheer gegeben. Ihm war daran gelegen, die damals eklatante Wohnungsnot in Hohenlimburg zu lindern. In einer kleinen Serie beschreibt der Wk die Anfänge und wird auch auf den aktuellen Stand der Dinge blicken.

Auf dem Lölfert

Unmittelbar nach der Gründung nahm die Genosssenschaft ihren Geschäftsbetrieb auf. Fast genauso rasch konnte auch schon ein erstes Grundstück erworben und hierfür ein Bauplan vorgelegt werden – in Elsey am Bardensiepen bzw. auf dem Lölfert.
Bereits Ende April 1926 segneten Vorstand und Aufsichtsrat diese Planungen ab. Sie sahen ein Bauprogramm von 37 Wohnungen vor – die meisten mit Bad, was damals keinesfalls eine Selbstverständlichkeit war.
Das Grundstück hatte man von der Stadt erwerben können – für einen sehr, sehr günstigen Preis. Die Verwaltung berechnete „Holibau“ lediglich eine Mark pro Quadratmeter. Für die Baukosten veranschlagten die Architekten rund 240.000 Mark, die unter anderem mit Hilfe von Hypotheken aufgebracht werden sollten.
Gezeichnet wurden die Pläne von den damals wohl wichtigsten Hohenlimburger Baukünstlern – von Otto de Berger und von Eugen Friederich.

Otto de Berger

Von Otto de Berger stammen in Hohenlimburg nicht nur zahlreiche Villen (zum Beispiel die Villa Theis im Wesselbachtal), sondern auch etliche Industriehallen. Lange Zeit waren seine Bauten vom Jugendstil und vom eher pompösen Stil der „Ära 1900“ gekennzeichnet. Nach dem Ersten Weltkrieg näherte er sich mehr und mehr der „Neuen Sachlichkeit“ an.
Geboren wurde Otto de Berger 1879 in der niedersächsischen Stadt Peine. An die Lenne kam er 1903, um im Büro des seinerzeit in Hohenlimburg recht wichtigen Architekten Albert Loose mitzuarbeiten. Fünf Jahre später – also 1908 – machte sich de Berger selbstständig, woraus sich ein erfolgreiches Architekturbüro entwickelte. Der Architekt starb 1953.
Vom zweiten „Lölfert-Architekten“ – Eugen Friederich – wissen wir zwar, dass er 1892 in Heilbronn geboren wurde, aber sein Sterbejahr ist bislang unbekannt.

Eugen Friederich

Als – unter anderem – Zimmermann und ehemaliger Mitarbeiter eines Stuttgarter Architekten kam Friederich Mitte 1920 an die Lenne, wo er eine Anstellung im Hoch- und Tiefbaugeschäft von Adolf Möller in der Mühlenteichstraße erhielt. Schon wenige Monate später wechselte er in die Bauabteilung von Hoesch. Und um 1926 ist er als selbstständiger Architekt nachzuweisen.
Stark beeinflusst vom expressionstischen Baustil der 1920er Jahre verzierte er seinerzeit seine Bauten gerne mit „zackigen Motiven“, was ihm denn auch den Spitznamen „Zickzack-Friederich“ einbrachte. An einigen Lölfert-Bauten haben sich solche Zacken-Verzierungen bis heute erhalten.

Auch am Krahenbrink

Die beiden Baukünstler waren auch an der zweiten großen Holibau-Siedlung beteiligt – am Krahenbrink (heute Georg-Scheer-Straße). Darüber erfahren unsere Leser mehr in der kommenden Woche.