300 Jahre Schulgeschichte in Westerbauer, Teil 2

Von Michael Eckhoff

Haspe. Die Waldorfschule an der Enneper Straße in Westerbauer feiert in den nächsten Wochen ihren 30. Geburtstag. Ihr Schulstandort ist aber deutlich älter – rund zehnmal so alt. Und ist somit einer der traditionsreichsten im Hagener Raum. Kürzlich berichteten wir über die Anfänge auf dem Gut Harkorten und am Quambusch. Heute betrachten wir den Zeitraum ab 1860.

1860 reifte die Idee, die Schule am Quambusch eventuell aufzugeben und ein neues Schulgrundstück an geeigneterer Stelle zu suchen. Doch diese eigentlich richtige Idee wurde zunächst nicht umgesetzt. Stattdessen entschloss sich der Schulvorstand, das bestehende Gebäude um- und ausbauen zu lassen. Doch auch diese Beschlüsse waren für die Katz‘ – die Königliche Regierung versagte dem Vorhaben die Genehmigung und verlangte einen Neubau.

In der 1. Klasse 186 Kinder

Ein langjähriges „Durcheinander“ schloss sich an – der Schulvorstand stellte die verschiedensten Überlegungen an und erwog mehrfach den Kauf diverser Grundstücke auf der Südseite des Flusses, also an der Enneper Straße.

Der wichtigste Hasper Heimatforscher in der Zeit zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg war Paul Schulte. Der Volksschullehrer unterrichtete in jungen Jahren an der Harkortschule. Am Baukloh ist mittlerweile nach ihm eine Straße benannt. (Abbildung aus Paul Schulte, Geschichte der evangel. Volksschule Quambusch-Stennert, Haspe 1932)
Der wichtigste Hasper Heimatforscher in der Zeit zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg war Paul Schulte. Der Volksschullehrer unterrichtete in jungen Jahren an der Harkortschule. Am Baukloh ist mittlerweile nach ihm eine Straße benannt. (Abbildung aus Paul Schulte, Geschichte der evangel. Volksschule Quambusch-Stennert, Haspe 1932)

1869 war immer noch keine neue Schule vorhanden – und dies, obwohl „die beiden Klassenzimmer in der Quambuscher Schule derart überfüllt waren – in der 1. Klasse saßen 186 und in der 2. Klasse 215 Kinder -, dass keine Lernanfänger Aufnahme finden konnten“, erzählt Heimatforscher Paul Schulte (nach dem übrigens am Baukloh eine Straße benannt worden ist – der Paul-Schulte-Weg).

Erst am 3. August 1869 konnte endlich ein Grundstück erworben werden – die optimal gelegene Besitzung des Gärtners Alexander Grundmann. Den Bauplan lieferte der Hagener Architekt Sander – und so konnte denn alsbald mit dem Neubau begonnen werden. Am 2. Januar 1871 übergab der Schulvorstand den Neubau seiner Bestimmung – unter dem Namen „Stennertschule“ war eine dreiklassige Einrichtung entstanden. Eine weitere Klasse befand sich im 1863 erbauten Grundmannschen Wohnhaus unmittelbar neben der neuen Schule.

Die bisherige Schule an der Grundschötteler Straße ging in das Eigentum von Johann Kaspar Harkort über, der darin zunächst Büros und anschließend Wohnungen einrichtete. Im Kern ist der Bau bis heute vorhanden, wenngleich dies kaum ein Hasper ahnt.

Neue Schule schnell zu klein

Eigentlich hatte man von vornherein zu klein geplant – der rapide Bevölkerungsanstieg der damaligen Zeit führte dazu, dass schon 1873 erneut alle Klassenzimmer völlig überfüllt waren. Dringend musste ein Anbau her! 1874 lieferte erneut Architekt Sander die Baupläne für zwei Klassen, die bereits 1875 angefügt wurden. Die nächste Erweiterung stand 1898 an – abermals kamen zwei Klassenräume hinzu. Nun verfügte Westerbauer endlich über eine achtklassige Volksschule, wie sie vielerorts längst Standard war.

Weitere Schulen kamen in den nächsten Jahren hinzu – gegenüber der Stennertschule entstand 1912 die katholische Mühlenwertschule (heutiges Unterstufengebäude der Waldorfschule), auf der Kipper gab es seit 1907 eine zweite evangelische Volksschule mit acht Klassen, und die kleine Schule am Distelstück wurde 1912 deutlich vergrößert. In Westerbauer hatten sich kurz vor dem Ersten Weltkrieg folglich die Schulverhältnisse erheblich verbessert.

Weitere Umbauten der „Stennertschule“ in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu beschreiben, ersparen wir uns hier. Hervorgehoben sei aber, dass sich die Hasper Stadtväter kurz nach dem Krieg entschlossen, die Volksschule umzubenennen – 1920 erhielt sie zum 200. Geburtstag den Namen ihrer eigentlichen Gründer: „Harkortschule“.

Hauptschule und Waldorfschule

Unter ihrem Namen „Harkort“ hatte die evangelische Schule an der Enneper Straße bis 1968 Bestand. Viele bekannte Hasper lernten hier schreiben und rechnen – so beispielsweise der Oberbürgermeister-Kandidat der Hagener SPD im Jahr 2014, Horst Wisotzki.

In den späten 1960er Jahren kam es in Nordrhein-Westfalen zu großen Reformen. In diesem Zuge entstand auch die 20-klassige Hauptschule Westerbauer – mit der bisherigen Harkortschule als Hauptbau. Ab Mitte der 1980er Jahre kannte man diese Einrichtung abermals unter dem Namen „Harkortschule“ – allerdings nicht mehr lange. Schon bald gab die Stadt Hagen den Hauptschul-Standort Westerbauer auf, was unter anderem eine Folge der Gesamtschulgründung in Niederhaspe war.

Vor 30 Jahren entstand an der Enneper Straße die Waldorfschule (Rudolf-Steiner-Schule). Sie nutzt heute sowohl den rund hundert Jahre alten Bau der einstigen katholischen Mühlenwertschule als auch das Gebäude der früheren evangelischen „Harkort-Volksschule“ und blickt damit nicht nur auf 30 Jahre, sondern schlussendlich auf eine 300-jährige Schulgeschichte zurück.

Nicht übersehen darf man indes, dass die Stadt Hagen den Namen „Harkortschule“ nicht vergessen hat, sondern vor einigen Jahren der Grundschule auf der westlichen Seite des Quambusch genau diesen traditionsreichen Namen verliehen hat.

Terminhinweis: Auf den Spuren der Harkorts

Am Samstag, 15. März 2014, feiert die Waldorfschule ihren 30. Geburtstag. Im Zusammenhang mit diesen Feierlichkeiten bietet die Schule auch eine kleine Exkursion an: „Auf den Spuren der Harkorts“. Michael Eckhoff führt ab etwa 12.30 Uhr – mit Start an der einstigen Mühlenwertschule (heutiger Unterstufenbau), Enneper Straße 30 – zunächst an der alten Harkortschule und an der Harkortschen Fabrik vorbei; er beendet die Tour am Gut Harkorten. An dieser Exkursion kann jedermann teilnehmen.