300 Jahre Schulgeschichte in Westerbauer

Haspe. (ME) Wenn jemand seinen 30. Geburtstag feiert, ist er noch vergleichsweise jung. Die Hasper Waldorfschule an der Enneper Straße ist so jung – sie feiert genau dieses Jubiläum in den nächsten Wochen. Kaum bekannt ist jedoch, dass ihr Schulstandort deutlich älter ist. Streng genommen ist er rund zehnmal so alt – und somit einer der traditionsreichsten im Hagener Raum.

Am Samstag, 15. Februar 2014, steht in der Waldorfschule das Jubiläumsfest auf dem Stundenplan. Im Zusammenhang mit diesen Feierlichkeiten bietet die Schule auch eine kleine Exkursion an: „Auf den Spuren der Harkorts“. wk-Chefredakteur und Heimatbund-Vorsitzender Michael Eckhoff führt ab etwa 12.30 Uhr – mit Start an der einstigen Mühlenwertschule (Enneper Straße 30) – an der alten Harkortschule, an Neu-Harkorten und an der Harkortschen Fabrik vorbei bis zum Gut Harkorten.

Alles begann auf Gut Harkorten

Angefangen hat alles am Quambusch. Der Gutsherr, Kaufmann und Hammerwerksbesitzer Johann Kaspar Harkort II. (1677 bis 1742), Großvater des legendären Industrie- und Eisenbahnpioniers Friedrich Harkort, beschäftigte vor ziemlich genau 300 Jahren einen jungen Theologie-Absolventen als Lehrer und beauftragte ihn, seine neun Kinder sowie die Kinder einiger Nachbarn zu unterrichten. Eine normale Schule gab es seinerzeit im Westen des Kirchspiels Hagen nicht.

In den darauffolgenden Jahren reifte auch bei anderen Einwohnern Westerbauers die Erkenntnis, dass es sinnvoll für die Zukunft sein könnte, alle Kinder lesen, schreiben und rechnen lernen zu lassen. Neben J.K. Harkort waren es insbesondere der Kaufmann Eberhard Fischer von der Stennert und der Ortsvorsteher Johann Kaspar Flockenhauß, „die mit aller Tatkraft daran gingen, den Gedanken zur Ausführung zu bringen“, beschreibt der Hasper Chronist Paul Schulte 1932 die Bemühungen im frühen 18. Jahrhundert.

Harkort stellte für den Schulbau unweit der Ennepe – an der heutigen Grundschötteler Straße schräg gegenüber der Harkortschen Fabrik – ein Grundstück zur Verfügung, lieferte Bausteine und gewährte in den nächsten Jahren auch so manche Finanzspritze, etwa zur Bezahlung von Johann Theodor Flock, dem ersten Lehrer.

Auch als Betraum

In den Jahren 1719 und 1720 konnte dann ein erstes kleines Schulgebäude errichtet werden – samt Lehrerwohnung für Flock und seine Nachfolger. Dabei diente dieser Bau schon bald nicht allein schulischen Zwecken, sondern auch der evangelischen Kirche als Betsaal, denn weder in Westerbauer noch in Haspe gab es im frühen 18. Jahrhundert eine eigene Kirche. Wer damals zum Gottesdienst wollte, musste sich auf den langen Weg nach Hagen zur heutigen Johanniskirche begeben.

87 Jahre nach der Einweihung dieses ersten Schulgebäudes – also 1807 – stellte der Hagener Schulkommissar Dahlenkamp fest, dass der alte Quambuscher Bau mit seinen zwei Klassen renovierungsbedürftig und viel zu klein war. Schließlich hatte die Bevölkerungszahl in der Region deutlich zugenommen. Dahlenkamp sah sich vor Ort um und schlug dann vor, zusätzlich zu den bestehenden Klassen „zwei ganz neue Schulzimmer auf einem besonderen Platz anlegen zu lassen“. Wobei er hoffte, dass die Familie Harkort „den Grund, worauf das Gebäude errichtet werden soll, hingeben“ werde. Um die Kosten aufbringen zu können, sollten im Raum Hagen „freiwillige Beiträge eingesammelt werden“.

Zu dem beabsichtigten Neubau sollte es aber nicht kommen. Dies lag unter anderem am Schulvorstand, der Kinder und Lehrer „schmoren“ ließ und die Neubauplanung immer und immer wieder aufschob. Bis 1824. Da platzte Johann Kasper Harkort IV., Enkel des Schulgründers und Bruder von Friedrich Harkort, der Kragen. Er beschwerte sich beim Königlichen Landrat in Hagen, Friedrich Gerstein, und wies ihn auf die Missstände am Quambusch hin. Langwierige Verhandlungen folgten.

Als dieses Foto um 1930 aufgenommen wurde, war die alte Quambuscher Schule schon lange nicht mehr als Lernstätte erkennbar. Bereits Jahrzehnte zuvor war der Bau an der Grundschötteler Straße von der Familie Harkort zunächst zu Büros, dann zu Wohnungen umgebaut worden. (Abbildung aus Paul Schulte, Geschichte der evangel. Volksschule Quambusch-Stennert, Haspe 1932)
Als dieses Foto um 1930 aufgenommen wurde, war die alte Quambuscher Schule schon lange nicht mehr als Lernstätte erkennbar. Bereits Jahrzehnte zuvor war der Bau an der Grundschötteler Straße von der Familie Harkort zunächst zu Büros, dann zu Wohnungen umgebaut worden. (Abbildung aus Paul Schulte, Geschichte der evangel. Volksschule Quambusch-Stennert, Haspe 1932)

Maroder Zustand

Endlich dann im März 1828 stand fest, dass es tatsächlich einen Neubau geben sollte – aber nur in Form einer relativ kleinen Erweiterung. Kurz vor Weihnachten war dieser Anbau fertiggestellt. Allerdings blieben dabei die Bedürfnisse des in der Schule nach wie vor wohnenden Hauptlehrers unbeachtet – unmittelbar vor seiner „Stube“ befanden sich ein alter Viehstall und ein Misthaufen, was hygienisch alles andere als angenehm war. Überdies befand sich das inzwischen über hundert Jahre alte Schulgebäude in einem maroden Zustand. Risse in der Wand ließen nach einem Sturm das Schlimmste befürchten.

Bis 1839 dauerte es dann noch, bis ein Neubau erstellt war. „Leider war er kaum größer als die alte Schule, so dass bald alles aus den Nähten platzte. „Die beiden Klassenzimmer waren derartig überfüllt, dass die Bänke längst nicht mehr zum Sitzen ausreichten“, weiß Chronist Paul Schulte, „so dass viele, viele Kinder auf dem Fußboden Platz nehmen mussten.“ Auch war eigentlich längst ein dritter Lehrer vonnöten.

1860 reifte die Idee, die Schule am Quambusch eventuell aufzugeben und ein neues Schulgrundstück an besser geeigneterer Stelle zu suchen. Doch diese eigentlich richtige Idee wurde zunächst nicht umgesetzt. Stattdessen entschloss sich der Schulvorstand, das bestehende Gebäude nach Plänen des seinerzeit bekannten Hasper Baumeisters und Kirmes-Enthusiasten Friedrich Schmidt um- und ausbauen zu lassen. Aber auch diese Beschlüsse waren für die Katz‘ – die Königliche Regierung versagte dem Vorhaben die Genehmigung und verlangte einen Neubau.

(wird fortgesetzt)