40. Schneider-Treffen: „Wisst ihr noch?“

Hettlage Schneiderinnen
Zum 40. Mal findet das Schneidertreffen der ehemaligen Ateliersmitarbeiter in Hagen statt. (Foto: Privat)

Hagen. Schere, Nadel, Faden – mit diesen Utensilien sind Ellen Fuchs und Chris­tel Rose mehr als vertraut. Damals in den 50er und 60er Jahren bestand ihre tägliche Arbeit darin, Kleidung zu ändern. Und mit ihnen werkelten fleißig 50 weitere Schneiderinnen, die allesamt beim Modehaus Lampe, später Hettlage in Hagen arbeiteten – dort wo heute Peek & Cloppenburg ansässig ist. „Das waren noch Zeiten“, erinnern sich die beiden gerne zurück. „Wo gibt es heute noch ein so großes Atelier?“

Hosen kürzen, Anzüge anpassen, Kostüme vergrößern – oftmals hatten die Damen der Änderungsschneiderei nur wenige Minuten Zeit, ihre Aufträge durchzuführen. Zunächst mit einem Maßband und einem sogenannten Rockabrunder oder auch Kreide ging es zum Kunden in die Geschäftsräume, dann wurde genäht.

Besonders viel zu tun hatten die Damen zwischen Weihnachten und Neujahr. Dann durften die Kunden eigene Kleidung oder auch Stoff bringen, aus denen dann Kreationen entstanden.
„Obwohl unsere Vorgesetzten sehr pingelig und manches Mal auch streng waren, sind wir immer eine fröhliche und team­orientierte Runde gewesen“, erinnern sich Ellen Fuchs und Christel Rose. Im Atelier wurden immer gerne Volkslieder angestimmt: „Dann ging die Arbeit leichter von der Hand“, schmunzeln die beiden.

Alte Zeiten aufleben lassen ganz unter dem Motto „Wisst ihr noch?“ – das können die beiden über 80-Jährigen bei ihrem Schneidertreffen, das in diesem Jahr zum 40. Mal stattfindet. Ins Leben gerufen hat es 1978 Ellen Fuchs, die wie ihre Kollegin Anfang der Sechziger mit der Geburt ihrer Kinder in Mutterschaft ging und ihren Beruf aufgab. „Vorher sahen wir uns nur zu Beerdigungen wieder, wir wollten uns gerne aber auch zu fröhlichen Anlässen treffen.“

Mittlerweile findet die Zusammenkunft einmal jährlich statt. Der Zusammenhalt ist heute nach wie vor spürbar: 17 Schneiderinnen sind noch regelmäßig dabei – und schwelgen in Erinnerungen.  Am 6. Oktober hat Ellen Fuchs erneut ins Kolpinghaus eingeladen. Schere, Nadel und Faden sind nicht mehr dabei, dafür gibt es jede Menge Gespräche über das Schneiderlatein von damals.