48 Jahre alter Unimog kann's noch

Arnd Koerner ist die Freude über seinen nicht nur zum Anschauen restaurierten Unimog 411, Baujahr 1963, anzumerken. Die ganze Familie hängt an dem guten Stück. (Foto: Schievelbusch)

Hagen. (san) Zwar hat es wohl auch das Kind im Manne geweckt, aber das alte Gefährt ist dennoch ernsthaft im Arbeitseinsatz. Einen Unimog 411 von 1963 nennt Arnd Koerner aus Eppenhausen sein eigen. Nicht einfach ein altes Liebhaberstück für teures Geld erstanden hat er, nein, hier handelt es sich um Familienbesitz, der zur Hälfte vom Vater, dann vom heutigen Besitzer nach und nach restauriert wurde.

Angeschafft fürs Praktische

Im Hause Koerner gab es einen Kachelofen. Um das Brennholz bequemer heran zu schaffen, erstand Familienvater Gert 1983 das geländegängige Universal-Motorgerät, Modell 411. Auch auf dem großen ehemaligen Hofgrundstück gab es immer wieder Einsatzmöglichkeiten für den Nachfolger des noch mit Kompressor und Luftkipper ausgestatteten Vorgängers 401.

Unter der Regie von Koerner senior wurde die Karosserie nachgebaut und feuerverzinkt. 1986, Sohn Arnd hatte gerade mal ein halbes Jahr Lehre als Kfz-Lackierer hinter sich, erhielt der Wagen eine neue Lackierung. Dann irgendwann verschwand der Unimog für 19 lange Jahre im Schuppen…

Schönes Spielzeug

Längst hatte sich Arnd Koerner zur Bearbeitung des 22.000 Quadratmeter großen Grundstücks einen moderneren Schlepper zugelegt. Bis eines Tages der zweieinhalbjährige Sohn unauffindbar war. Nach langer Suche fand man den Dreikäsehoch im offenen Schuppen – hinterm Steuer des alten Fahrzeugs und drehte am Lenkrad. Seitdem gab es nicht nur ein neues Lieblingsspielzeug vom kleinen Lutz. Die Freude des Kindes übertrug sich auf den Papa. Nach dem Besuch des Trecker-Treffens im Freilichtmuseum 2009 – noch per pedes – gönnte Koerner seinem alten Nutz-Mercedes eine neue Batterie. Ein wenig vorglühen und die Kiste sprang nach 19 Jahren tatsächlich wieder an!

Restaurierung, Teil 2

Mittlerweile hat der Eppenhauser Unimog einen neu lackierten Fahrzeugrahmen, ein neues Dach und neue Scheiben, die zweiten Sitze sind drin, Reifen und Räder ebenso. Alle herausgenommenen Schrauben wurden durch solche aus Edelstahl ersetzt. Die komplette Öl-Hydraulik hat der Lackiermeister original aufgetrieben. „Bei all den Restaurierungsarbeiten bekam ich viel Unterstützung von Bekannten, Werkstätten boten sich an, mir was einzubauen,“ wundert sich der Besitzer selbst über so viel Anteilnahme und Hilfsbereitschaft an seinem Hobby.

Als Gast nahm Arnd Koerner dann im vergangenen Jahr beim großen Treffen am 1.Mai im Mäckingerbachtal teil, für das kommende Treckertreffen in ein paar Wochen ist er nun selbst angemeldet. Aber mitnichten soll der in vielen Stunden und mit nicht wenig Kleingeld restaurierte Unimog 411 nur als Ausstellungsstück dienen. „Den Kachelofen gibt es immer noch, und die Arbeit auf dem Gelände lässt sich auch noch prima mit ihm bewerkstelligen,“ so Arnd Koerner. Auf der Ladefläche wurde mittlerweile wieder so mancher Schutt abgefahren. Nur in den ganz dicken Matsch mag der Chef des Meisterbetriebs für Motorrad- und PKW-Lackierungen nicht mehr.

Bleibt in der Familie

Und wenn Sohnemann Lutz Freunde zu Besuch hat, lässt er das Fahrzeug auch noch ganz gerne verdeckt. „Sonst mögen die nichts anderes mehr spielen…“, weiß der Familienvater.

Der mittlerweile Fünfjährige liebt den Unimog heiß und innig. „Deshalb ist er auch unverkäuflich. Da hängt sogar das Herz meiner Frau mit dran und der Unimog wird wohl in die dritte Generation weitergegeben.“ Wohlgemerkt ohne Austauschmaschine und mit Glühlampen aus dem Jahr 1963!

Bis auf zwei Hubspindeln, die als Originalteile noch nicht aufzutreiben waren, hat Koerner alles perfekt restauriert. Wenn diese eines Tages noch dran sind, „bin ich wirklich mit der Tüftelei fertig“.