65-jähriges Wohnjubiläum im Haus Bethesda

Ilse Willkomm (m.) genießt die Jubiläumsfeier im Rahmen eines beschaulichen Beisammenseins mit ihrer langjährigen Freundin Karola Engel (r.), Mitbewohnern und Mitarbeitern im Haus Bethesda. (Foto: Andreas Dombrowsky)

Volmarstein. (CWH) Ein nicht alltägliches Jubiläum feierte jetzt die 80-jährige Ilse Willkomm in Volmarstein. Seit 65 Jahren lebt sie in der Evangelischen Stiftung Volmarstein. Diesen Jahrestag beging sie im Rahmen eines beschaulichen Beisammenseins mit ihrer langjährigen Freundin Karola Engel, Mitbewohnern und Mitarbeitern im Haus Bethesda. Und als besonderes Geschenk erhielt die Jubilarin einen Tagesausflug nach Düsseldorf, den sie mit ihren beiden Freundinnen Karola Engel und Gretel Schmidt-Taner in Begleitung eines Mitarbeiters unternahm.

Kinderlähmung

Geboren wurde Ilse Willkomm am 6. Mai 1931 in Schlesien. Sie war 15 Jahre jung, als sie am 21. Oktober 1946 nach Volmarstein kam. Mit ihrer Mutter aus Schlesien geflüchtet, landeten die beiden zuerst in Bielefeld. Schon mit einem halben Jahr erkrankte Ilse Willkomm an spastischer Kinderlähmung. „Irgendwann hat dann jemand dafür gesorgt, dass ich mit meiner Behinderung nach Volmarstein kam“, erzählt sie. „Das war damals sehr schwer für mich, so weit weg von Zuhause. Ich konnte meine Mutter nur in den Ferien sehen.“

In Volmarstein lebte das junge Mädchen zunächst für sechs Wochen im alten Margaretenhaus der damaligen Orthopädischen Anstalten. Dann zog sie in das alte Haus Bethesda in Grundschöttel, das heute der Sitz des Forschungsinstituts Technologie und Behinderung (FTB) ist. Nachdem 1965 das „neue“ Haus Bethesda im Zentralbereich der Stiftung Volmarstein fertig war, zog sie dorthin um. Hier lebt sie heute noch.

Wie Zwillinge

Seit März 1975 teilt sich Ilse Willkomm ein Zimmer mit Karola Engel, die aus Recklinghausen stammt. Die beiden sind „dicke“ Freundinnen. Sie unternehmen gemeinsam Spaziergänge und Ausflüge und verbringen zusammen den Urlaub. 23 Jahre lang haben die Beiden ihre Ferien im bayerischen Deckendorf verbracht. Sie haben zusammen in der Werkstatt für behinderte Menschen gearbeitet, und sie haben sich auch gemeinsam ehrenamtlich engagiert. 20 Jahre lang halfen sie auf dem Weihnachtsmarkt der ESV und passten auf, dass nichts weg kam.

Ilse Willkomm (l.) mit ihrer Freundin Karola Engel in ihrem gemeinsamen gemütlichen Zimmer. Ihre Freundschaft und Verbundenheit demonstrieren die beiden Frauen auch durch ihre Kleidung. Täglich sind sie im Partnerlook anzutreffen, sehen aus wie zwei unzertrennliche Schwestern. Manche halten sie gar für Zwillinge. (Foto: Carola Wolny-Hubrich)

Ihre Freundschaft und Verbundenheit demonstrieren die beiden Damen gern auch durch ihre Kleidung. Täglich sind sie im Partnerlook anzutreffen, sehen aus wie zwei unzertrennliche Schwestern. Manche halten sie gar für Zwillinge.

Regelmäßig geht die mittlerweile 80-Jährige für sich und ihre Freundin ins Dorf zum Einkauf. „Das hält fit“, sagt sie. Auch für die Mitbewohner im Haus ist sie aktiv. Sie verteilt die Getränke, die angeliefert werden, auf die verschiedenen Gruppen.

Am liebsten sitzt sie jedoch gemütlich mit ihrer Freundin Karola Engel im gemeinsamen Zimmer. Auch vor dem Fernseher herrscht Einigkeit: „Krimis mögen wir beide nicht. Unsere Lieblingssendungen sind Gerichts- und schöne Tiersendungen. Die schauen wir uns immer zusammen an.“