800 Jahre Hof Halden

Halden. Ein großes Fest gab es am letzten Samstag auf dem ehemaligen Schultenhof in Halden. Gefeiert wurde das 800-jährige Hofjubiläum. Dazu hatten die Eigentümer Karl und Elisabeth Rehpenning ihre Verwandten, Freunde und Nachbarn eingeladen.

Rund 150 Personen kamen zusammen. Der jüngste Gast war erst drei Wochen alt, der älteste 92 Jahre. Ein pralles und abwechslungsreiches Programm bot beste Unterhaltung.

Im Obstgarten hatte die Gruppe „Corvus Albus“ ihr Lager aufgeschlagen und informierte über das Leben im Mittelalter. Ein verschmitzter „Reliquienhändler“ zeigte den staunenden Besuchern seine ungewöhnliche Sammlung. Man konnte sich sogar Schreiben auf mittelalterliche Art üben – mit einem Federkiel! Bevor mittags die Erbsensuppe aus der Gulaschkanone serviert wurde, belehrte ein amüsanter Bild-Vortrag des Historikers Prof. Dr. Gerhard E. Sollbach (TU Dortmund) über die haarsträubenden mittelalterlichen Tischsitten. Prof. Sollbach hat zudem die Geschichte des Schultenhofs erforscht.

Alte Schätzchen

Aber auch Landwirtschaft-Nostalgiker kamen auf ihre Kosten. Auf dem Gelände standen aus Hofbesitz stammende alte Traktoren, darunter ein 50 Jahre alter Fendt-Traktor und ein Lanz Bulldog Baujahr 1942. Außerdem konnten die Besucher in der Deele die teils aus Eigenbesitz stammende, teils von Klaus Rehpenning über die Jahre zusammengetragene Sammlung alter landwirtschaftlicher Geräte und sonstiger Zeugnisse der Geschichte des Hofes besichtigen. Die Eheleute Klaus und Elisabeth Rehpenning, die es zusammen auf 162 Lebensjahre bringen, waren mit dem Erfolg des Hoffestes hochzufrieden.

Passend zur Feier „800 Jahre Schultenhof Halden 1214-2014“ hatte man auch die Mittelalter-Gruppe „Corvus Albus“ mitsamt Schreiber verpflichtet. (Foto: wochenkurier)
Passend zur Feier „800 Jahre Schultenhof Halden 1214-2014“ hatte man auch die Mittelalter-Gruppe „Corvus Albus“ mitsamt Schreiber verpflichtet. (Foto: wochenkurier)

Urkunde von 1214

Der historische Beleg für den Anlass der 800-Jahrfeier des Schultenhofs ist eine Urkunde aus dem Jahr 1214. Sie findet sich in der zwischen 1755 und 1760 erschienenen „Westphälischen Geschichte“ des evangelischen Pfarrers in Frömern und des westfälischen Geschichtsschreibers Johann Dietrich von Steinen. 1760 erschien in Lemgo der 4. Band, dessen 23. Stück die Geschichte des adligen Damenstifts und Orts Herdecke behandelt. Im Anhang ist eine im Jahr 1214 ausgestellte Urkunde über die Verpfändung der Vogtei (Schutzherrschaft) über das Frauenkloster und spätere Damenstift Herdecke abgedruckt. Als einer der Zeugen bei diesem Rechtsakt wird der Schulte Gerhard von Halden genannt oder, wie es im lateinischen Originaltext heißt, Gerardus scultetus de Halden. Schulte hießen früher die Inhaber von Fron- oder Oberhöfen einer Grundherrschaft, denen einen Reihe von Unterhöfen unterstanden.

Dass der Schulte von Halden als Zeuge an einer das Kloster Herdecke betreffenden Rechtsangelegenheit teilnahm, ist kein Zufall. Denn der Schultenhof in Halden war ein Oberhof dieses Klosters. Als ein solcher, nämlich als „curia in Haldene“, wird er auch in dem Güterverzeichnis von 1229 des Klosters Herdecke aufgeführt.

Ältester Hof in Hagen

Der Schultenhof in Halden war ein Erbpachtgut des Herdecker Klosters bzw. Stifts und wurde auf jeweils 24 Jahre verpachtet. Doch hatte der Pächter einen Anspruch darauf, dass der Hof an seinen Erben vom Stift weiterverpachtet wurde. Nach der Aufhebung des Herdecker Stifts 1812 fiel dessen Grundbesitz und somit auch der Schultenhof in Halden als Domänengut an den preußischen Staat. 1825 löste der damalige Hofesinhaber, Friedrich Blankenagel, gen. Schulte, durch die Zahlung von 5060 Reichstaler die auf dem Hof ruhenden Lasten ab; der Hof ging in sein Privateigentum über. Bis zum Jahr 1906 wurde der Schultenhof von der Eigentümerfamilie bewirtschaftet. Von 1906 bis 1957 war er verpachtet. Danach übernahm Klaus Rehpenning als Erbe den Hof, seit 1961 zusammen mit seiner Ehefrau Elisabeth, geb. Schulze-Selmig, aus Wiescherhöfen bei Hamm.

Nachdem in den 1970er Jahren der größte Teil der landwirtschaftlichen Flächen des Hofs für das neue Hagener Gewerbegebiet Lennetal hergegeben werden mussten, stellte der Schultenhof als letzter noch verbliebener aktiver Hof in Halden zu Beginn der 1980er Jahre den landwirtschaftlichen Betrieb endgültig ein. In der 800-jährigen dokumentierten Geschichte des Haldener Schultenhofs sind die Eheleute Klaus und Elisabeth Rehpenning somit die letzten Hofbesitzer, die den Hof noch als landwirtschaftlichen Vollbetrieb bewirtschaftet haben. Der Schultenhof ist aber nicht nur der älteste urkundlich bezeugte und heute zumindest noch als Hofanlage bestehende Hof in Halden, sondern auch in ganz Hagen.