90 Jahre „Bauverein“ in Hohenlimburg

Hohenlimburg. (ME) In den Jahren unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg bestand vielerorts im Deutschen Reich ein eklatanter Wohnungsmangel. Oft wurde darauf mit der Gründung neuer Genossenschaften reagiert – auch in Hohenlimburg.

Die ersten Häuser des Bauvereins befanden sich auf dem Lölfert, dann folgte die große Siedlung auf dem Krahenbrink (Foto), heute Georg-Scheer-Straße. (Foto: HoLiBau)
Die ersten Häuser des Bauvereins befanden sich auf dem Lölfert, dann folgte die große Siedlung auf dem Krahenbrink (Foto), heute Georg-Scheer-Straße. (Foto: HoLiBau)

Hier wurde vor genau 90 Jahren – noch genauer: am 7. April 1926 – der „Gemeinnützige Bauverein eGmbH“ aus der Taufe gehoben, heute meist eher unter der Kurzform „HoLiBau“ (Hohenlimburger Bauverein) bekannt. In einer kleinen Serie berichtet der Wochenkurier über die Geschichte und die in den nächsten Wochen geplanten Geburtstagsfeiern. Wir beginnen – natürlich – mit den ersten Aktivitäten:

Georg Scheer war der Ideengeber

Es war der Stadtverordnete und Gewerkschaftssekretär Georg Scheer, der seinerzeit entschlossen ans Werk ging. Er forderte im Hohenlimburger Rat: „Laßt uns eine Baugenossenschaft gründen.

Der „Impuls-Geber“: Georg Scheer. (Foto: HoLiBau)
Der „Impuls-Geber“: Georg Scheer. (Foto: HoLiBau)

Nur durch einen festen Zusammenschluß der Wohnungsuchenden  und eine finanzielle Unterstützung der Stadt kann es gelingen, die Probleme zu bewätigen. Hilfe zur Selbsthilfe muß das Gebot der Stunde sein.“

Wie Dirk Schmitz in den „Hohenlimburger Heimatblättern“ im September 1988 feststellte, folgten „fast alle Stadtverordneten Scheers mitreißendem Appell – wenn auch zunächst sehr skeptisch“.

Schlussendlich konnten die meisten Mitglieder der Fraktionen davon überzeugt werden, mit Scheer an einem Strang zu ziehen. Als sich dann auch aus der Bevölkerung die Signale mehrten, dass die Gründung eines Bauvereins erwünscht und erfolgsgekrönt sein könnte, schritten Scheer und der damalige, seit 1925 amtierende Bürgermeister Dr. Wilhelm Götz zur Tat.

99 Bürger

Sie beriefen am 7. April 1926 eine Gründungsversammlung ein und konnten sogleich 99 Bürger dazu gewinnen, als Genossenschaftsgründer mit von der Partie zu sein. Vorsitzender wurde Bürgermeister Götz; Georg Scheer, zwei Kaufleute und ein Lehrer bildeten mit ihm zusammen den ersten Vorstand. Der Stadtverordnete Ewald Budde übernahm den Vorsitz im Aufsichtsrat.

Heute präsentiert sich der Bauverein mit vielen modernisierten Häusern, etwa an der Wiesenstraße. (Foto: M. Eckhoff)
Heute präsentiert sich der Bauverein mit vielen modernisierten Häusern, etwa an der Wiesenstraße. (Foto: M. Eckhoff)

Schmitz schreibt über die Anfänge, es sei im April 1926 in Hohenlimburg „zu einer großen Koalition der Vernunft“ gekommen. Denn: „In administrativer Trennung von der Stadtverwaltung und jenseits verwaltungsrechtlicher Fesseln, aber in enger Verbindung  zur Stadt durch Personalunion, gelang das Kunststück umfangreicher privater Bautätigkeit in quasiöffentlicher Verantwortung.“

Bereits wenige Wochen nach der Gründung legten Vorstand und Aufsichtsrat der Generalversammlung erste Baupläne vor: Auf dem Lölfert sollten 37 Wohnungen entstehen, davon 22 Dreizimmerwohnungen. Da die Mitgliederzahl rapide wuchs, waren bald die nächsten Baupläne fällig: Auf dem Krahenbrink folgten 1927/28 hundert Wohnungen. Darüber lesen Sie mehr im nächsten Wochenkurier.