Abgetaucht: Schnuppern bei den Profis der TSG Hagen

[1/2] Ein Ort

[1/2] Ein Ort, an dem der Mensch nur ein kurzzeitiger Besucher ist: Die Unterwasserwelt, egal ob im Schwimmbad oder in freien Gewässern, übt auf viele eine ganz besondere Faszination aus. Der TSG Hagen taucht seit 50 Jahren regelmäßig ab und nimmt neue Ta

Hagen. Punkt eins: Ja, ich muss zugeben, es war nicht mein erstes Mal. Bereits 2015 hatte ich die Liebe fürs ­Tauchen im Urlaub im fernen Malaysia für mich entdeckt. Doch das bringt mich zu Punkt zwei, denn wenn man etwas über einen längeren Zeitraum nicht macht, kommt gleichzeitig die Angst auf, es verlernt zu haben. In dem Fall: die richtige Atmung, die Zeichen zur Verständigung unter Wasser und viel wichtiger – den Kopf abzuschalten und einfach nur zu genießen.
Was zu Punkt drei führt, denn als ich am vergangenen Mittwoch, 23. August, mit Rainer Diecks und seiner „Tauchfamilie“, ­der Tauchsportgemeinschaft (TSG) Hagen, ins vier Meter tiefe Becken des Westfalenbads steige, wird mir klar: das ist die Gelegenheit meine Furcht vor der Tiefe des Wassers erneut zu überwinden.
Sportlich ausgerichtet
Und doch ist hier vieles anders, als bei meinem Urlaubs-Crash-Kurs vor zwei Jahren. „Wir sind ja schließlich auch sportlich ausgerichtet“, erklärt Pascal Chauffour, erster Vorsitzender des TSG.
Seit der Gründung des Vereins vor 50 Jahren gehört die Tauchgemeinschaft Hagen dem VDST (Verband deutscher Sporttaucher) an. „Dazu zählt zum Beispiel auch das Flossen­training oder Unterwasser-Rugby. Auch wenn wir in Hagen eher ein Familienverein sind, sind hier ebenso Fitness und Kondition gefragt.“
Trainingsstart und Sicherheitscheck
Erst einmal beginnen wir mit dem Einschwimmen. Mit Flossen, Brille und Schnorchel bewaffnet, werden im Wechsel Sprint- und gemächlichere Bahnen geschwommen – in Techniken, die beim Tauchen immer wieder zur Anwendung kommen. Das Atmen durch den Schnorchel ist mir neu. Dann wird es ernst für mich: Zurück am Beckenrand, erklärt mir Rainer, wie viel Druck die Pressluftflasche misst – ganze 200 bar nämlich – und was genau passieren kann, wenn sich diese Luft ausdehnt oder austreten würde.
Das gesamte Presslufttauchgerät besteht aus einer Druckluftflasche und einem Atemregler mit vorgeschaltetem Druckminderer. „Die erste Stufe, der Druckminderer“, erklärt mir Rainer, „reduziert den Flaschendruck auf einen konstanten Mitteldruck. Die zweite Stufe, also der Atemregler, reduziert den Mitteldruck.“
„Oberste Gebote: nie den Atem anhalten und niemals alleine tauchen!“, fügt er noch an. Ganz schön viel Theorie, finde ich. Aber genau diese braucht es, um im Notfall zu realisieren, was genau zu tun ist.
Eine gemeinsame Leidenschaft
Das Team des TSG, die am heutigen Samstag ihr 50-jähriges Bestehen feiert, kennt sich aus. Im Vereinsheim im hinteren Bereich des Hofes an der Enneper ­Straße 4 in Haspe (Klöckner-Haus) trifft sich die Tauchsport­familie jeden Donnerstag um 19 Uhr zum Flaschen füllen und gemeinsamen Austausch.
Hier werden auch die nächsten größeren Tauchtouren nach Ägypten oder ins holländische Zeeland geplant. Tina kommt extra aus Dortmund her, Kirsten sogar aus Wesel. „Weil wirklich auch menschlich alles passt“, sagt sie. In den eigens renovierten Räumen gibt es zum Befüllen einen gesonderten Raum. „Wir haben insgesamt zwei Kompressoren und eine Werkelbank für Reparaturen“, erklärt mir Pascal. Auch im Westfalenbad ist er dabei.
Gut ausgebildet
„Sowohl Trainer als auch Lehrer nehmen bei uns regelmäßig an Schulungen teil“, erzählt er. „Die Ausbildung zum Trainer oder Lehrer, von denen wir derzeit jeweils vier Trainer und zwei Lehrer haben, beinhaltet viel Theorie.“
Auch ein Grund, weshalb es in all den Jahren nie einen Tauchsport­unfall gegeben hat. „Es ist wichtig, die Grundlagen zu beherrschen und sich sicher unter Wasser zu bewegen“, sagt mir Rainer vor unserem gemeinsamen Tauchgang. „Wenn es dann in die Freigewässer wie Sorpe oder Möhne geht, darf“, so der erfahrene Taucher, „im Ernstfall keine Panik aufkommen. Das Wasser ist eine ganz andere Welt für sich. Es ist eben nicht unser natürlicher Lebensraum.“
Abgetaucht
Nachdem wir die PTG-Flasche auf den Rücken geschnallt haben und Brille und Flossen sitzen, ziehe ich mein Atemgerät heran und atme damit ein. Der Blick geht nach unten und ich atme vollständig durch das Gerät. Meine Atmung verlangsamt sich und die Blubber­blasen um mich herum, werden weniger.
Da ist es wieder, dieses Gefühl, in eine völlig andere Welt abzutauchen. Rainer schaut zur Seite, beobachtet meine Bewegung und Atmung. Kurz vor der Klippe, bevor das Wasser bis auf knapp 4 Meter hinab geht, checkt Rainer nochmal die Lage. „Alles okay“, vermittel ich ihm mit dem „O“ das meine Finger formen.
Und schon geht es hinab. Schritt für Schritt, langsam und mit ruhiger Atmung, immer wieder schlucke ich und drücke meine Nase, um den Druck auszugleichen, der sich im Nasen­rachenraum aufbaut und auf das Trommelfell drückt. In vier Meter Tiefe versuche ich meine Atmung zu regulieren. Mit jedem langen Ausatmen sinkt mein Körper auf den Grund.
Ruhe bewahren
Ein einziges Mal gerate ich kurz in Not, als meine Brille, die ich geflutet habe, sich nicht mehr mittels Drucktechnik ausspülen lässt. Völlig blind strecke ich meine Hand aus und werde von Rainer nach und nach an die Oberfläche zurück gezogen.
„Super reagiert“, lobt er mich. Wir tauchen ein weiteres Mal ab. Vier Meter tief und dann langsam ins niedrigere Wasser, bis wir schließlich auftauchen. Noch immer überwältigt von den Erlebnissen unter Wasser geht es zurück in die normale Welt.
Eigener Kosmos
„Das ist immer ein Erlebnis“, klingen mir die Worte von Bernd Schweitzer im Ohr. Der 75-Jährige ist schon seit Gründerzeiten Mitglied beim TSG. „Ganz egal, ob archäologisches Interesse, Fotografie­liebe oder einfach nur die Faszination an sich, jeder hat einen anderen Grund“, sagt er. „Und das schönste am Tauchen ist es, unter Wasser abgeschlossen von der Außenwelt zu sein, im eigenen kleinen Kosmos.“– Von Lara Zeitel