Abschied von Naturforscher Erich Janzing

Erich Janzing erklärt Schülern der Realschule Oberhagen das selbstgebaute Teleskop auf dem Dach der Hagener Sternwarte. (Foto: Uli Weishaupt 1989)

Erich Janzing erklärt Schülern der Realschule Oberhagen das selbstgebaute Teleskop auf dem Dach der Hagener Sternwarte. (Foto: Uli Weishaupt 1989)

Von Uli Weishaupt

Hagen/Wetter. Der über Hagens Grenzen hinaus bekannte Naturwissenschaftler Erich Jan­zing ist am 3. April im Alter von 91 Jahren gestorben.
Astronomie und Vogelkunde
Fast 60 Jahre lang war er aktives Mitglied der Volkssternwarte am Eugen-Richter-Turm, über 40 Jahre lang Ornithologe im Bund für Vogelschutz Herdecke-Hagen. In dieser Zeit schrieb er unzählige astronomische und vogelkundliche Beiträge für den Wochenkurier und verschiedene Fachzeitschriften sowie Fachbücher.
Vogelzählungen und Fachbuch
Seit den 1960er Jahren führte er regelmäßig Vogelzählungen am Harkortsee durch und leitete die Ergebnisse an Biologische Stationen zur wissenschaftlichen Auswertung weiter. Für das Werk „Die Brutvögel Hagens“ hat er sämtliche Kapitel über die Wasservogelarten an der Ruhr und den beiden Stauseen beigesteuert.
Sternenkunde: Archäologie
Sein Forschungsschwerpunkt in der Sternenkunde war die Geschichte der Astronomie (Astro-Archäologie). Er beschäftigte sich intensiv mit prähistorischen Steinkreisen wie z.B. Stonehenge und analysierte vor Ort die berühmte Himmelsscheibe von Nebra.
Größtes Fernrohr der Welt
Im Jahr 2007 machte Erich Jan­zing durch Recherche in alten Zeitungen eine spektakuläre Entdeckung: Das größte Fernrohr Europas wurde 1898 in Wetter gebaut, und zwar in der „Stuckenholzschen Maschinenfabrik“, der Vorläuferin der Firma Demag. Das historische Prunkstück steht voll funktionsfähig im Potsdamer Observatorium. Darüber berichtete er ausführlich im Wochenkurier vom 6. Februar 2008.
Bei der Firma Demag arbeitete der gebürtige Münsterländer ­nach seiner Maschinenlehre als Fertigungstechniker. Mitte der 1960er Jahre „sattelte er um“: Lehramtsstudium an der Päd. Hochschule Hagen, u.a. Geographie bei Prof. Dr. Herbert Kersberg, der sein Mentor und später sein Freund wurde.
Förderkreis Planetenmodell
Als aktives Mitglied der Naturwissenschaftlichen Vereinigung Hagen gründeten die beiden 1971 den „Förderkreis Planetenmodell“, um die Erfindung des Hagener Stadtarchivars Walter K. B. Holz – das erste begehbare Planetenmodell der Welt – zu realisieren. Seit 1993 wird das vollendete Modell von den Mitgliedern der Hagener Sternwarte betreut.
Bei Prof. Kersbergs dreibändigem Erdkunde-Schulbuch „Neue Geographie“ (Bagel-Verlag 1971 – 75) und dem „Hagener Heimatbuch“ (1981) war Erich Janzing, inzwischen Hauptschullehrer in Wetter, kompetenter Co-Autor aufgrund seiner umfassenden naturwissenschaftlichen Kenntnisse, die er sich im Studium und auf vielen Auslandsreisen erworben hatte. Aus Skandinavien, Grönland, Sibirien, Mexiko und vielen anderen exotischen Regionen, in denen er Sonnenfinsternisse, Polarlichter usw. beobachtet und fotografiert hat, brachte der Globetrotter auch immer Gesteinsproben mit.
Amateur-Geologe mit Profiwissen
Experten bescheinigten dem Amateur-Geologen beim Blick auf seine riesige Gesteinssammlung (vorwiegend aus Meteoreinschlagskratern) das Fachwissen eines Profis. Seine Ehefrau Marita, mit der er seit über 30 Jahren in Wetters „Freiheit“ wohnte, begleitete ihn auf vielen seiner Reisen, da sie großes Verständnis für seine verschiedenen Hobbys hatte. Viele Wetteraner verlieren mit Erich Janzing einen hervorragenden Pädagogen, Hagen und das Ruhrtal einen großen Naturforscher.