Abstrakt und doch Landschaft: Schumachers Engadin-Bilder

Rouven Lotz, wissenschaftlicher Leiter des Emil-Schumacher-Museums, vor „GE-23/1991“, einem Werk, das in der Kabinettausstellung „Blätter aus dem Engadin“ zu sehen ist. (Foto: Nina Heindl)

Hagen. (nh) „Blätter aus dem Engadin“ heißt die neue Kabinettausstellung des Emil-Schumacher-Museums, die am Sonntag, 7. April 2013, um 11.30 Uhr eröffnet wird. Zwei Kabinette der Dauerausstellung erstrahlen dadurch im neuen Glanz und geben Einblick in die Reisebilder Emil Schumachers, die seit Beginn der 1980er Jahre im schweizerischen Engadin entstanden sind.

Reisebilder

Reisebilder sind kein ungewöhnliches Thema in Schumachers Werken auf Papier – seien es Reiseziele in Nordafrika, Italien, Ibiza oder im Irak, stets hat der Künstler seine Eindrücke malend und zeichnend verarbeitet. Und immer ist ganz eindrücklich an den Arbeiten zu erkennen, was ihn an seinem jeweiligen Schaffensort besonders interessierte und inspirierte.

Was Schumacher am Engadin interessierte, kann nun der Besucher der Ausstellung in einer Fülle von Papierarbeiten nachspüren. Bergmassive, Gletscher und die typischen Lattenzäune der Umgebung sind nur einige wenige Assoziationen, die sich bei der Betrachtung auftun. „Auch die speziellen Lichtverhältnisse im Engadin reizten Schumacher sehr“, erklärt Rouven Lotz, der wissenschaftliche Leiter des Museums.

Museumstechniker Andreas Edgar Busch bringt die letzten Beschriftungen an der Wand an, bevor am Sonntag die Ausstellung eröffnet wird. (Foto: Nina Heindl)

Schaffensprozess

Dabei ist besonders spannend, dass wir es bei Schumacher nicht mit einem „Maler vor dem Motiv“, also direkt in der Natur zu tun haben. Er sammelt vielmehr Eindrücke bei Spaziergängen und Wanderungen durch die imposante Berglandschaft und verarbeitet diese später im Atelier. Die Natur ist damit Anlass für eine Bildidee.

Die Umsetzung geschieht dann aber nicht abbildend, sondern frei von solchen Einschränkungen ganz aus der Vorstellungskraft des Künstlers heraus. Dadurch können auch die Arbeiten auf Papier, die allgemein als „Gouachen“ bezeichnet werden, ihre abstrakten Qualitäten nicht verbergen. „Es handelt sich noch immer um abstrakte Malerei, die aber auch landschaftliche Strukturen besitzt und Linien sowie Formen mit Figürlichem verknüpfen lässt“, fasst Lotz zusammen.

„Gouache“

Mit „Gouache“ wird eigentlich ein wasserlösliches Farbmittel mit kräftiger Deckkraft bezeichnet. Dafür werden gröber gemahlene Pigmente mit einem Bindemittel gemischt. Emil Schumacher gibt seine Werke auf Papier selbst als „Gouachen“ aus, wodurch sich die Bezeichnung eingebürgert hat. Dies gilt aber auch für die Arbeiten, die mit anderen Mitteln gemacht sind: Kreide, verkohltes Holz und Lack sind beispielsweise Materialien, die in den Engadin-Blättern zu entdecken sind.

Mit diesem Wissen lassen sich auch die teils eigenwilligen Werktitel erklären, wie beispielsweise „GE-23/1991“: Das „G“ steht für „Gouache“, das „E“ für seinen Entstehungsort Engadin. Darauf folgt eine fortlaufende Nummerierung und das Jahr seiner Enstehung. Der Titel sagt aber noch nichts über das Werk selbst aus – „GE-23/1991“ besteht aus dicken, ineinanderlaufenden Farbmassen, die mit intensivem Blau, Weiß und Schwarz an Gletscher und auch rutschende Schneemengen erinnern.

Eröffnung

Zur Eröffnung am 7. April 2013 sprechen Thomas Huyeng, Beigeordneter der Stadt Hagen für Kultur, und Rouven Lotz, wissenschaftlicher Leiter des Emil-Schumacher-Museums. Für die musikalische Begleitung sorgen Orlando Mason (Gesang) und Ana-Maria Dafova (Klavier) vom Theater Hagen. Die Ausstellung ist bis zum 23. Juni 2013 zu sehen.