Älteste Schreberanlage Hagens wird „90“

Die Kleingartenanlage am Loxbaum feiert ihr 90-jähriges Bestehen. Vorsitzender Wolfgang Hülle (o.r.), Garteninhaber Horst Schneider (o.l.) und mit 87 Jahren das älteste Vereinsmitglied, Mathias Siegel (u.r.), freuen sich mit dem faulen Gärtner Florian (Schaufensterpuppe) auf viele Besucher zum Jubiläumsfest. (Foto: Anna Linne)

Hagen. (anna) Sie ist nach eigenen Angaben die älteste Kleingartenanlage Hagens und – wenn man ihren 70 Besitzern glauben darf – auch die schönste. Der Kleingartenverein Loxbaum 1920 e.V. feiert am Samstag, 10. Juli, und am Sonntag, 11. Juli, sein 90-jähriges Jubiläum mit einem großen Fest vor dem Vereinsheim auf der Anlage.

Mit Musik, Tanz und Kinderbelustigung wollen die Gartenfreunde den Geburtstag ihrer Anlage gebührend und zünftig feiern. Denn der Zusammenhalt bei den Loxbaum-Gärtnern ist groß.

1920 erster Pachtvertrag

Erreichen kann man unsere Anlage von der Fleyer- und der Feithstraße aus“, erklärt der momentane Vorsitzende Wolfgang Hülle, der schon vor Jahren den Versuch unternahm, eine Vereins-Chronik zu erstellen. Der wichtigste schriftliche Hinweis, der sich fand, ist sicherlich der Pachtvertrag zwischen dem Landwirt „Karl Lippman Schulte zu Halden“ und dem „Gartenbauverein Hagen und Umgebung“ zur Unterverpachtung von Schrebergärten vom 1. März 1920. „1933 wurde dann ein Grundstück von der Stadt dazugepachtet, so dass die Anlage auf stattliche 70 Gärten anwachsen konnte“, erzählt Wolfgang Hülle. „Überliefert ist auch, dass der 1. Vorsitzende der damals sogenannten Schrebergartenkolonie Loxbaum ein Stadtinspektor Mathias war.“

Vereinsheim

Die Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges begann mit dem Bemühen, ein eigenes Vereinsheim zu errichten. Unter Leitung des 1. Vorsitzenden Pick wurde im September 1956 das Gemeinschaftsheim, eine Baracke aus Fertigbauteilen, mit einem Sommerfest eingeweiht. So mussten die Zusammenkünfte der Gärtner nicht mehr in den umliegenden Lokalitäten stattfinden. 1962 erteilte die Stadt dann die Genehmigung zum massiven Ausbau und zur Erweiterung um sechs Meter.

In den nachfolgenden Jahren haben die Vorsitzenden Fischer, Pick, Reitemeier, Schröder und Altenkämper (28 Jahre Vorsitzender) an der Erhaltung und am Ausbau der Gartenanlage gefeilt“, berichtet Wolfgang Hülle, der seit sechs Jahren die Geschicke des Vereins lenkt. „In Gemeinschaftsarbeit haben wir die Wasserrohre und Elektrokabel erneuert, Wege befestigt und das Vereinsheim renoviert“, freut sich Hülle über die gute Gemeinschaft, „jeder hat sein Bestes gegeben.“

Unruhe

In den siebziger Jahren wurde der Verein durch ständige Unruhen erschüttert: „In der Stadtverwaltung reiften Pläne, das Areal der Kleingärtner zu bebauen“, weiß der Vorsitzende. „Unterschiedlichste Spekulationen machten die Runde und bedrohten uns in unserer Existenz.“ Die Kündigung des Pachtvertrages zum 30.11.1990 bescherte den Kleingärtnern weitere Unsicherheit. Dank intensiver Bemühungen des Vereinsvorstandes und des Bezirksverbandes konnte die Anlage letztlich doch erhalten werden.

Das Resultat aller Bemühungen: Ende 1995 wurde die Kleingartenanlage Loxbaum endlich im Flächennutzungsplan der Stadt Hagen als Dauergartenanlage ausgewiesen. Alles Bangen hatte somit ein Ende.

Ort der Ruhe

Vor dem Vereinsheim der Kleingartenanlage Loxbaum e.V. wird es am 10. und 11. Juli heiß hergehen. Dann feiert der Kleingartenverein Loxbaum 1920 e.V. seinen 90. Geburtstag. Schon aktiv mit den Vorbereitungen beschäftigt sind (v.l.) Mathias Siegel, der Vorsitzende Wolfgang Hülle und Horst Schneider. (Foto: Anna Linne)

Heute bietet die Anlage den Kleingärtnern einen Ort des Gesprächs und der Ruhe durch die Zusammenführung von Menschen mit gleichen Interessen. Über Jahre gewachsene Kontakte; individuelle Selbstverwirklichung und eine sinnvolle Beschäftigung in der Natur bereichern den dritten Lebensabschnitt.

Unser Verein ist zwar etwas überaltert“, weiß Wolfgang Hülle, aber es gibt bei uns auch einige junge Familien, die einen Garten nutzen. Ganze 12 Kinder gibt es im Verein. Doch man muss wohl sagen, dass mehr als die Hälfte unserer Mitglieder Rentner sind, die den ganzen Tag, manchmal auch die Nacht, im Garten verbringen.“ Hülle selbst pflegt sein Stück Land am Loxbaum seit 16 Jahren und ist jetzt als Rentner tief mit seiner Scholle verbunden. „Die Gemeinschaft, die ich hier gefunden habe, ist das größte Glück. Auch Rentner Horst Schneider, der vor fünf Jahren unter die Kleingärtner ging, möchte diesen Zusammenhalt nicht mehr missen. „Unser mit 87 Jahren ältestes Mitglied, Mathias Siegel, ist noch völlig aktiv und verbringt jede freie Minute in seinem Garten“, weiß der Vorsitzende, der momentan vier freie Gärten zu vergeben hat.

Lebensqualität

Auch für die Allgemeinheit sind Kleingärten von größer Bedeutung: sie bieten eine bessere Lebensqualität in den Städten durch Lärmverringerung, Staubbindung, Durchgrünung, Auflockerung der Bebauung und nicht zuletzt auch Biotop- und Artenschutz“, ist Hülle überzeugt, „allen Familien bieten die Kleingärten eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung; eine gärtnerische Betätigung und das preiswerte Züchten von gesundem Gemüse; das persönliche Erlebnis vom Säen, Wachsen, Gedeihen und Ernten von gesundem Gemüse. Ein echtes Gegengewicht zum Leben in Betonburgen und auf Asphaltflächen. Außerdem fördert das Kleingartenwesen harmonische, zwischenmenschliche Beziehungen und ermöglicht einen direkten Kontakt mit der Natur“, hat Wolfgang Hülle die Erfahrung gemacht.

Die aktive Frauengruppe des Kleingartenvereins steht schon in den Startlöchern, um zum Jubiläumsfest jede Menge kulinarischer Köstlichkeiten darbieten zu können. Musikgruppen, Chöre und eine französische Chansonette werden das Programm musikalisch bereichern. Los geht es am Samstag, 10. Juli, um 11 Uhr mit der offiziellen Eröffnung durch den Bürgermeister der Stadt Hagen. Ab 19 Uhr heißt es dann „Tanz mit Rolf“. Der Sonntag, 11. Juli, beginnt um 10.30 Uhr mit einem Frühschoppen und der Kapelle „Helfer Blech“. Ende immer offen…