Ärzte und Zahnärzte sollten häufiger zusammenarbeiten

Hagen. (Red./ME) Die 45-jährige Hasperin Lina K. leidet seit einigen Monaten immer wieder unter migräneartigen Kopfschmerzen, Schwindel, Hals-Nackenschmerzen und Rückenschmerzen. Ihr Arzt konnte bislang keine Ursachen ausmachen. Ob er an der falschen Stelle gesucht hat? Hätte er vielleicht mal das Gebiss oder die Kiefer genauer unter die Lupe nehmen müssen…?

Das „tägliche Brot“ des Zahnarztes, also die Zähne und die Kieferfunktion mit den dazu gehörenden Muskeln, spielen normalerweise beim Praktischen Arzt keine Rolle. Was manchmal ein Fehler sein könnte. Denn: „Kranke Zähne, Zahnherde und Kieferfehlstellungen haben eine immense Auswirkung auf den Körper und können ihm viel Schaden zufügen,“ weiß der Hagener Mediziner Jürgen Bauer.

Vielfache Beschwerden

Es sei schon lange bekannt, dass „Zahnherde“ zum Beispiel infolge toter, wurzelbehandelter Zähne mannigfaltige Beschwerden verursachen können. Der behandelnde Praktische Arzt bringt – wie im Falle von Lina K. – diese Beschwernisse in der Regel jedoch nicht mit den Zähnen in Verbindung. Der Zahnarzt wiederum sieht nur die Mundhöhle vor sich und wird vom Patienten meist nicht über dessen körperliche Probleme informiert. Ein Riesen-Dilemma!

Aber nicht nur Zahnherde können den Körper krank machen. Auch Zahnmaterialien und Implantate können mitunter schwere Entzündungs- und Unverträglichkeitsreaktionen hervorrufen. Und dieses wiederum kann zu langwierigen Erkrankungen führen, falls eine Unverträglichkeit – Allergie! – gegen die benutzten Stoffe besteht.

Allergische Reaktion

„In der Praxis“, sagt Jürgen Bauer, „gibt es immer wieder Patienten, die – ohne es zu wissen – auf Materialien, welche für Kronen oder Füllungen verwendet werden, allergisch reagieren.“ Mit der Zeit können vielfältige Beschwerden einen vormals gesunden Menschen regelrecht zermürben. Viele Patienten haben schon einen langen Leidensweg und etliche Arztbesuche hinter sich, ohne dass jemand dies mit den Zähnen oder Zahnmaterialien in Verbindung bringt. Der Betroffene selbst kann sich vor den Krankheitsursachen in seinem Mund nicht schützen bzw. diese meiden.

„Eine besondere Rolle spielen noch Schwermetalle“, ergänzt Bauers Kollege, der Zahnarzt Martin Kraß. Insbesondere Quecksilber lagere sich häufig neben den Nieren und der Leber auch im Gehirn, dem Bindegewebe und im Knochen ein. Chronische, nur schlecht therapierbare Prozesse im Zahnfleisch und Kiefer, sind bis zum Beweis des Gegenteiles immer verdächtig auf eine Quecksilberbelastung. Hier hilft dann nur ein qualifizierter Check unter ärztlicher oder zahnärztlicher Kontrolle.

Spezielle Untersuchungen

Neben speziellen Blutuntersuchungen, bei denen die Ausschüttung entzündlicher Botenstoffe in dafür spezialisierten Labors untersucht werden, kommen vor allem besondere Muskeltestverfahren zum Einsatz. Sie können in kurzer Zeit verdächtige Zähne, Materialien und Schwermetalle identifizieren. Einen sehr großen Vorteil bieten diese Testverfahren deshalb, weil sie auch auf Materialien angewendet werden können, die bei einer Behandlung oder Operation, nicht nur beim Zahnarzt, in Frage kommen. So kann man das Einbringen falscher und eventuell krankmachender Materialien vermeiden.

Im Auge behalten muss man auch die Bedeutung von Kiefergelenksproblemen und Zahnfehlstellungen im Zusammenhang mit dem Bewegungsapparat. Die am Kau-und-Schluck-Vorgang beteiligte Muskulatur kann Ursache z.B. starker, teilweise migräneartiger Kopfschmerzen, Schwindel, unerklärlicher Zahnschmerzen, Hals-Nackenschmerzen, Rückenschmerzen oder Schluckbeschwerden sein. Eine Fehlstellung des Unterkiefers zum Oberkiefer kann unter anderem zu Beckenfehlstellungen führen, aber auch Hinweise auf Schädelfehler liefern. Dieses ist in der Osteopathie schon lange bekannt. Umgekehrt können jedoch auch Fehlstellungen im Fußbereich zu erheblichen Auswirkungen auf die Körperstatik bis hin zu Problemen im Zahn-Kieferbereich führen. „Auch hier bieten spezielle Muskeltestverfahren einen schnellen Zugang zu einer verbesserten Therapie“, verdeutlicht Bauer.

Bauer und sein Kollege Kraß sind überzeugt, dass in manchen oder sogar vielen Fällen das gemeinsame Vorgehen von Arzt und Zahnarzt eine einzigartige Möglichkeit in der Behandlung zum Wohle des Patienten bietet. „Von den enormen Kostenersparnissen ganz zu schweigen…“