Aids: Keine Ansteckungsgefahr beim Küssen

Hagen. (mal) Anlässlich des Welt-Aids-Tages (1. Dezember) saßen zwei Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) letzte Woche am Telefon parat, um allerlei Fragen der wochenkurier-Leser zum Thema Aids und auch zu anderen sexuell übertragbaren Krankheiten zu beantworten. Aids ist nach wie vor eine unheilbare Krankheit. Bei unserer Telefonaktion ging es vor allem um die Übertragung des Aids-Virus HIV und anderer sexuell übertragbarer Krankheiten, um Testmöglichkeiten und um den Schutz vor diesen Infektionen.

Auf die Fragen der Leser antworteten Dr. Dorothee Köpsell und Thomas Weßling. Einige der zahlreichen Fragen geben wir hier wider (natürlich samt Antworten):

Wie stellt man fest, ob man sich mit HIV infiziert hat?

Zweifelsfrei lässt sich das nur mit einem HIV-Antikörper-Test feststellen. Da sich die Antikörper erst bilden müssen, kann der Test eine HIV-Infektion frühestens nach zwölf Wochen nach dem Risikofall sicher ausschließen.

Ich gehe häufig in die Saunen öffentlicher Bäder. Wäre eine Ansteckung mit HIV möglich, wenn ich eine kleine Wunde hätte?

Im Vergleich mit anderen Krankheitserregern gilt HIV als schwerer übertragbar. Daher wird HIV in alltäglichen sozialen Kontakten nicht übertragen – weder durch Husten oder Niesen noch bei der Krankenpflege und auch nicht durch die Nutzung von öffentlichen Saunen und Schwimmbädern – sondern hauptsächlich beim ungeschützten Sex mit einem HIV-positiven Partner. Weitere Übertragungsmöglichkeiten sind der Spritzentausch beim Drogenkonsum, die Ansteckung von der Mutter auf das Kind während der Schwangerschaft/Geburt und die Übertragung über Blut und Blutprodukte, was in Deutschland allerdings extrem selten vorkommt.

Kann man sich mit HIV infizieren, wenn man mit einem HIV-Positiven einen Zungenkuss austauscht?

Über Speichel wird HIV nicht übertragen. Im Unterschied zu Blut, Sperma und Vaginalsekret enthält Speichel von HIV-Trägern erheblich geringere und für eine Ansteckung nicht ausreichende Menge an HI-Viren. Außerdem ist im Speichel ein virushemmender Stoff enthalten. Aber es gibt Infektionskrankheiten, wie Hepatitis B, die auch über Speichel übertragen werden können.

Ich bekam unlängst einen eigenartigen Ausschlag. Kann das darauf hindeuten, dass ich mich mit HIV infiziert habe?

Es gibt nach einer HIV-Infektion keine spezifischen Symptome, über die man zweifelsfrei auf eine Ansteckung schließen kann. In der Regel dauert es acht bis zwölf Jahre, ehe die HIV-Infektion zu Aids fortschreitet. Ich rate Ihnen, sich wegen des Hautausschlags an Ihren Hausarzt oder einen Hautarzt zu wenden.

Wo kann ich einen Aids-Test machen lassen?

Die Gesundheitsämter bieten den Test anonym an. Der Test wird immer mit einer Beratung verbunden. Persönliche Gespräche vor oder nach einem Test kann man aber auch mit der HIV-Telefonberatung der BZgA (Tel.: 02 21 / 89 20 31) oder mit den Aidshilfen vor Ort führen (Telefon in Hagen: 0 23 31 / 33 88 33).

Eine Woche nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr bemerke ich einen Ausfluss, den ich vorher nicht hatte. Könnte es sich um eine Geschlechtskrankheit handeln? Muss ich zum Arzt?

Ja, bei auffälligem Ausfluss, bei Schmerzen beim Wasserlassen, bei Juckreiz, bei Hautveränderungen, bei Schmerzen im Genitalbereich oder im Unterbauch sollte man den Frauenarzt, Hautarzt oder Urologen aufsuchen.

Wie kann man verhindern, sich beim Verkehr mit wechselnden Partnern anzustecken?

Mit der durchgehenden Verwendung von Kondomen durch den Mann – oder von Femidomen durch die Frau. Bei einem Femidom handelt es sich um einen kondomähnlichen Schlauch, mit einem Ring zum Einführen.

Infos

  • Die Hagener AidsHilfe ist in der Körnerstraße 82 zu finden, Telefon 0 23 31 / 33 88 33.
  • Das Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) für Aids und andere sexuell übertragbare Krankheiten ist von Montag bis Donnerstag 10-22 Uhr, von Freitag bis Sonntag 10-18 Uhr unter 0 18 05 / 55 54 44 (14 Cent pro Minute aus dem Festnetz) oder über die Festnetz-Nummer 02 21 / 89 20 31 erreichbar. Hier erfahren Betroffene auch die Adressen der Aidshilfen und der Gesundheitsämter im Hagener Raum.
  • Kostenlose Info-Materialien zum Thema kann man bei der BZgA unter www.bzga.de, Rubrik Infomaterial, ansehen und gleich bestellen.
  • www.gib-aids-keine-chance.de ist die zentrale Website der Aids-Kampagne der BZgA.
  • www.aidsberatung.de – alles über Liebe, Sexualität, Verhütung, mit Chats, Wissensspielen, Umfragen, bundesweiter Übersicht über Aids- und Sexualberatungsstellen, anonyme Beratung – telefonisch oder online – zu HIV/Aids, Safer Sex.
  • www.check-dein-risiko.de – Selbsttest mit individueller Rückmeldung zum persönlichen Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken.
  • www.welt-aids-tag.de – Plattform für den Welt-Aids-Tag.
  • www.loveline.de – Jugendhomepage zu Liebe, Partnerschaft, Sexualität und Verhütung. Mit Chats, Lexikon, Wissensspielen, FAQs und Umfragen.