Alles gut, oder?

Im neuen Armutsbericht einiger Sozialverbände wurde abermals klar: Im Ruhrgebiet – und somit auch in Hagen – müssen wir uns weiterhin auf harte Zeiten einstellen. Sicher, es gibt einige Erfolge zu verzeichnen, aber im Großen und Ganzen sieht die Zukunft aktuell eher nicht so rosig aus.

Die Region verliert weiterhin an Einwohnern, wir überaltern und es wird nach wie vor nicht genügend Arbeitsplätze für weniger Qualifizierte geben. Gleichzeitig weisen zahlreiche Unternehmer der Region darauf hin, dass es einen erheblichen Mangel an Fachkräften gibt – was viele Firmen wiederum als „Wachstumsbremse“ empfinden.
Diesen Mangel macht auch der schleichende Verlust zahlreicher Arbeitsplätze etwa bei Händlern wie Douglas, bei Banken oder bei anderen Dienstleistern nicht wett. Schließlich kann ein Banker nicht mal eben vom Schalter an eine Drehbank wechseln.
In anderen Regionen scheint der Wandel besser als im östlichen Ruhrgebiet zu funktionieren. Tilo hat sich mal zwei Städte herausgepickt – eine ist etwas größer als Hagen, die andere kleiner, nämlich Augs­burg und Ingolstadt. Beide Kommunen gelten als Aufsteigerstädte. Während Hagens Einwohnerzahl seit Jahren fast ständig schrumpft – so ging die Zahl zum Beispiel zwischen 2002 und 2008 um 10.000 zurück –, ist es in Augsburg genau umgekehrt. Hatte Augsburg noch am Ende des letzten Jahrtausends „nur“ 250.000 Einwohner, sind es jetzt schon um die 295.000. Genauso verhält es sich in Ingolstadt – von 110.000 ging es in kurzer Zeit auf über 135.000 hinauf. Die Arbeitslosenquoten liegen deutlich unter denen im Raum Hagen, der Anteil der jungen Leute ist erheblich höher, ebenso der Anteil der Akademiker und Facharbeiter. Den gern geäußerten (Problem-)Verweis auf den hohen Migrantenanteil in Hagen kann man sich auch klemmen – denn der ist in Ingolstadt ähnlich.
Breite kulturelle Angebote (in Ingolstadt gibt es allein 13 Museen), ein positives Image (mit mehreren Bundesliga-Vereinen in Spitzensportarten) und gute Jobangebote locken weiterhin zahlreiche Menschen in die beiden Städte.
Aber immerhin haben wir ja in Hagen jetzt die vom Oberbürgermeister eingestielte Zukunftsschmiede, einen engagierten Unternehmerrat (der das „wertvolle Hagen“ zum Leitmotiv erheben möchte) und demnächst vielleicht auch die Regionale. Also: alles wird gut. Oder doch nicht?
Tilo