Alles verboten? Was 14-Jährige dürfen

Iserlohn. (clau) Haare färben ist für Jugendliche unter 16 Jahren neuerdings verboten! – Nur: Es weiß kaum einer. Bereits seit über zwei Monaten gilt die neue Kosmetikverordnung der EU, die die Heranwachsenden vor der geballten Ladung Chemie, die oft in den Färbemitteln steckt, oder vor möglichen allergischen Reaktionen schützen soll.

In den heimischen Salons werden die Teenager, die zum Haarefärben kommen, nun vermehrt zunächst nach ihrem Alter gefragt. Wer unter 16 ist, muss vor dem Auftrag der haarfarbverändernden Substanzen Phenylendiaminen die Einverständniserklärung seiner Erziehungsberechtigten vorlegen oder – noch besser – in deren Begleitung wiederkommen.

Bis in die Drogerien ist mittlerweile die Nachricht vorgedrungen, dass Haarfärbemittel nicht mehr an Kinder verkauft werden dürfen. Wer sich nicht an die neue Verordnung hält, gerät in die Haftung, falls die Kinder Schaden nehmen.

Was darf man denn mit 14?

Haarefärben darf man mit 14 Jahren also nicht. Jedenfalls nicht öffentlich. Was darf man denn sonst in diesem Alter zwischen Kind und jungem Erwachsenen? Der wochenkurier fragte nach bei Jürgen Lensing, der im Auftrag der Stadt Iserlohn vorbeugenden Jugendschutz betreibt und die Jugendschutzbestimmungen daher wie aus dem „Eff-Eff“ kennt.

„Was man mit 14 Jahren darf?“, fragt der Jugendschutz-Beauftragte zurück. „Nichts. – Strenggenommen darf man noch nichts.“ In diesem Alter geht bei alle dem, was Erwachsenen vorbehalten ist, die Regel ‚Nicht ohne meine Eltern‘. Jürgen Lensing führt aus: „Die 14-Jährigen dürfen allein weder in eine Gaststätte noch in eine Diskothek. Sie dürfen nicht rauchen und keinen Alkohol trinken. Erst die 16-Jährigen dürfen allein in Gaststätten oder Diskotheken gehen, müssen diese allerdings um Mitternacht verlassen.“

Vor Schaden schützen

Abi-Feten, Musik-Events, Jugenddiscos, Schützen- und Sportfeste – in der Region wird viel und gern gefeiert. Besonders für Jugendliche ist es wichtig, hier dabei zu sein, Spaß zu haben und das Leben zu genießen. Genauso wichtig ist es aber auch, dass sie dabei keinen Schaden nehmen. Nach den Eltern tragen hier die Veranstalter eine große Verantwortung.

Veranstalter in der Pflicht

Jürgen Lesing beschreibt, was vom Veranstalter eingefordert wird: „Er hat schon beim Einlass die Pflicht, die Jugendlichen zu kontrollieren. Wer zu jung ist, wird direkt wieder heim geschickt. Die Personalausweise der 16-Jährigen werden eingezogen. Um Mitternacht erfolgt ein Aufruf an die unter 18-Jährigen, ihre Ausweise wieder abzuholen und den Heimweg anzutreten.“

Die Frage, ob Jüngeren denn in Begleitung von 18-jährigen Freunden größere Freiheiten zugestanden werden, beantwortet Jürgen Lensing so: „Dazu braucht der 18-Jährige im Grunde eine Vollmacht der Erziehungsberechtigten. Ein 18-Jähriger kann in diesem Sinne auch nur die Verantwortung für eine einzige jüngere Person übernehmen – nicht gleich für eine ganze Gruppe.“

Kein Alkohol

Ähnlich sieht es mit Alkoholkonsum aus: Wer erst 14 ist, darf überhaupt keinen Alkohol trinken, 16-Jährige nur Bier und Wein. Härtere Spirituosen bleiben Erwachsenen vorbehalten.

Nicht selten dürfen hier die Jugendlichen zuhause mehr, als ihnen in der Öffentlichkeit gestattet wird. „Das Jugendschutzgesetz richtet sich an die Erwachsenen und nimmt die Betreiber oder Händler ins Visier“, sagt Jürgen Lensing. „Die machen sich strafbar und riskieren ein Bußgeld, wenn sie die Bestimmungen übergehen.“

Nun umgehen die Jugendlichen auf verschiedene Arten selbst die Bestimmungen: Etwa wird der Ältere zum Alkohol-Einkauf geschickt. Hier verlagert sich die Straftat: „Jeder ältere Jugendliche, der seine jüngeren Freunde mit Alkohol versorgt, macht sich strafbar“, bringt es Jürgen Lensing kurz und knapp auf den Punkt.

Zuhause ist nicht öffentlich

Was bei den Jugendlichen in den eigenen heimischen vier Wänden geschieht, steht auf einem ganz anderen Blatt. Zuhause ist nicht mehr der Gesetzgeber gefragt. Die Verantwortung liegt komplett bei den Eltern beziehungsweise Erziehungsberechtigten. Sie entscheiden, was sie dulden, erlauben und verantworten wollen.

Wenn auf den Partys der Jugendlichen mit Alkohol und Nikotin oder sonstigen Spezial-Stoffen die buchstäbliche „Post“ abgeht, tragen die Erziehungsberechtigten die Verantwortung für die Folgen.

Piercings und Tatoos

Wie sieht es aus mit Piercings und Tatoos? Was ist da den 14-Jährigen erlaubt?

„Das ist eine gewisse Grauzone“, räumt Jürgen Lensing vorsichtig ein. „Mit Erlaubnis der Eltern steht den Jugendlichen alles frei. Ohne solch ein Papier wird ein seriöses Studio die Kids nach ihrem Alter fragen und entsprechend entscheiden. Unseriöse Studio werden allerdings nicht groß fragen. Wenn etwas schief geht, wenn sich etwas entzündet, ist das Körperverletzung und der Ausführende kann zur Verantwortung gezogen werden.“