„Allianz der Vernunft“ in Hagen

Hagen. (as) Er heißt Schulz. Erik O. Schulz. Das „O.“ steht übrigens nicht für Oberbürgermeister. Jedenfalls noch nicht. Und nach dem 25. Mai 2014? Wer weiß. Denn: Erik O. Schulz, Geschäftsführer der Agentur Mark, diplomierter Verwaltungswirt und Verwaltungsbetriebswirt, stellt sich der Oberbürgermeister-Wahl in Hagen. Er ist Wunschkandidat der Kreis-Vorstände von CDU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP. Auch die Wählergemeinschaft „Bürger für Hagen“ hat ihm bereits ihre Unterstützung ausgesprochen.

Erik O. Schulz ist parteilos. Jedenfalls seit zwei Tagen. Am Montag (10. Februar) hat er sein rotes, sozialdemokratisches Parteibuch nach gut 25 Jahren Mitgliedschaft abgegeben. Erik O. Schulz schluckt: „Das war alles andere als leicht“, gesteht er. „Die SPD ist schließlich nicht der ADAC, den man gegen andere Straßenverkehrshelfer eintauschen kann.“ Er sei zwar aus der Partei ausgetreten. Aber: „Die Werte und Haltungen, die mich immer schon mit der Sozialdemokratie verbunden haben, hab ich nicht mit zurückgeschickt.“

Rote Karte kam von der SPD

Ursprünglich hatte Erik O. Schulz, der 2009 SPD-intern an einer OB-Kandidatur gescheitert ist, angeboten, für die Hagener Sozialdemokratie in den Ring um den Oberbürgermeister-Sessel steigen. Er wollte etwas bewegen. Sein Fachwissen einbringen. Ideen diskutieren in einer Stadt, die so gar nicht aus den Schlagzeilen herauskommen wollte. Doch die verantwortlichen Hagener Sozialdemokraten zeigten ihm die rote Karte. Und nun hat er selbst für Schlagzeilen gesorgt: Erik O. Schulz tritt an – dennoch.

Seine Kandidatur will er nicht als „SPD-Schelte“ verstanden wissen. Aber: „Was machen Sie, wenn Ihnen jemand sagt, dass er Ihre Person, Ihre Ideen, Ihre Beiträge und Ihr Engagement nicht will?“ Erik O. Schulz beantwortet die Frage jetzt auf die heitere Art, auch wenn ihm damals eher nicht zum Lachen war: „Wenn man so abgelehnt wird, sucht man sich entweder einen Schrebergarten oder man orientiert sich anders – vielleicht versucht man, in einer anderen Stadt die Möglichkeit zu finden, sich zu engagieren.“

Kein Kosmopolit, sondern Ur-Hagener

Gärtnern kam für den 48-jährigen Familienvater nicht in Frage. Eine andere Stadt erst recht nicht. „Ich bin Ur-Hagener und ganz bestimmt kein Kosmopolit“, sagt er. Von der Geburt über den Schulbesuch, das Studium bis zur Arbeit – Erik O. Schulz hat sich nie aus Hagen hinausgewünscht. Er musste die Stadt auch nie verlassen. Stattdessen durfte er mitgestalten – wie jetzt beruflich als Wirtschaftsförderer und Leiter der Agentur Mark.

Seine Kandidatur versteht Erik O. Schulz als „Herausforderung“: „Ich trete nicht gegen die SPD, sondern für Hagen an.“ Im Falle einer Wahl gelte es, „dicke Bretter zu bohren“. „Ich will und kann nicht sagen, dass ich alle Probleme lösen kann“, sagt er. „Aber ich werde zuhören, Gespräche führen und Ideen entwickeln zum Wohl unserer Stadt.“ Diese Stadt, zu der er, wie er betont, schon als Kind „eine Leidenschaft entwickelt“ hatte.

Sprachlos und erfüllt von Demut

Dass er von den Kreisvorständen von CDU, Bündnis 90/die Grünen und FDP mit großer Mehrheit zum Oberbürgermeister-Kandidaten gewählt wurde, „hat mich sprachlos gemacht und erfüllt mich mit Demut“. Es reiche nicht, „artig zu danken“. Schulz beschreibt die Einzigartigkeit der Situation: „Drei Parteien in all ihrer Unterschiedlichkeit treten einen Schritt zurück und übernehmen Verantwortung für die Stadt, indem sie sich auf einen Kandidaten einigen.“ Noch dazu einen, der gar nicht der eigenen Partei angehört.

Schwarz, Grün, Gelb – andernorts wird bei solch einem politischen Zusammentreffen gern von Jamaika gesprochen. Christoph Purps, Kreisvorsitzender der CDU, versteht die gemeinsame Unterstützung – genau wie der Kandidat selbst – eher als „Allianz der Vernunft“. Jenseits aller Parteipolitik seien Schulz und sein Engagement immer geschätzt worden, sagt Christoph Purps. Eigene Kandidaten, also Damen oder Herren mit dem CDU-Parteibuch, hätten nicht zur Verfügung gestanden. Deshalb unterstütze die CDU die Wahl des Wirtschaftsförderers, Verwaltungsexperten und bekennenden Hagen-Fans Erik O. Schulz.

Erik O. Schulz (Foto: A. Schneider)
Erik O. Schulz (Foto: A. Schneider)

Schnapsidee und Wunschkandidat

„Ein unabhängiger Kandidat“, „einer mit Fach- und Sachkenntnis“ – das war das erklärte Ziel von Bündnis 90/Die Grünen. Als Frank Steinwender, grüner Kreisverbandssprecher an der Seite von Nicole Pfefferer, zum ersten Mal mit dem Namen Erik O. Schulz konfrontiert wurde, war seine Reaktion Schluckauf-verdächtig. „Ein absoluter Wunschkandidat“, sagt er. „Und gleichzeitig eine komplette Schnapsidee.“ Denn er wusste, dass die Unabhängigkeit bei den Mitgliedern der Partei eine große Rolle spielen würde.

Einen SPD-Mann, der Schulz zu dem Zeitpunkt noch war, zu unterstützen, war gänzlich ausgeschlossen. Der Parteiaustritt hat es den Vertretern der Grünen leichter gemacht. Denn alle anderen Qualifikationen bringt Erik O. Schulz nach Auffassung von Nicole Pfefferer mit: „Er hat das richtige Handwerkszeug, das Ohr am Puls der Bevölkerung, kann zuhören und bringt die richtige Ausbildung mit, um einen Riesenbetrieb wie eine Verwaltung beherrschen zu können.“

Miteinander, nicht übereinander reden

Der frischgekürte Kandidat wird gelobt von allen Seiten. Doch das Lob gilt eigentlich auch den Unterstützern aus den unterschiedlichen Parteien. „Mit unserem Handeln haben wir eine neue Gesprächskultur begründet“, formuliert der Grüne Frank Steinwender auch im Namen von Christoph Purps (CDU) und Ulrich Alda (FDP). Gespräche miteinander sollen die künftige gemeinsame Arbeit bestimmen. Es gehe um ein Miteinander zum Wohle der Stadt – um ein miteinander und nicht übereinander Sprechen.

Die „Allianz der Vernunft“ hat sich formiert. Gestern ist sie übrigens noch größer geworden. Auch Otto Marscheider kündigte an, mit den „Bürgern für Hagen“ Schulz vorbehaltlos zu unterstützen. Wenn es nach ihm geht, könnte das „O.“ durchaus bald für Oberbürgermeister stehen. Am 25. Mai wissen wir mehr. Dann haben die Wählerinnen und Wähler entschieden. Solange heißt der Kandidat einfach Erik Olaf Schulz.